Klare Ansage von Gianluca Curci

Jörg Schneider. Mainz.
Gianluca Curci hat am Mittwochmorgen seine erste Trainingseinheit beim FSV Mainz 05 absolviert. Der neue Torhüter, der ablösefrei vom AS Rom kam und beim Bundesligisten als Nummer zwei hinter Loris Karius fungiert, stellt beim Pressetermin jedoch klar, dass er sich dem Leistungsgedanken verschreibt. Er habe etwas Rückstand in Sachen Training und Spielpraxis, erklärt der 30-Jährige. „Ich werde mich aber in jedem Training so engagieren, dass ich den Trainer in Schwierigkeiten bringe, seine Auswahl zu treffen. Das ist mein Ziel.“

Rücksstand aufholen und dem Trainer die Entscheidung schwer machen: Das sind die primären Ziele von Gianluca Curci am Bruchweg. Foto: Jörg SchneiderDem ersten Trainingseinsatz waren einige hektische Tage vorangegangen. Die Anreise am Freitag aus Rom, dann am Samstagmittag die Vertragsunterzeichnung. Anschließend das erste Treffen mit der Mannschaft und die Beobachtung seiner neuen Kollegen bei deren misslungenem Saisonstart mit der 0:1-Niederlage in der Coface Arena gegen den FC Ingolstadt. Am Samstagabend mit dem Flieger zurück nach Italien. Koffer packen. Am Dienstag dann der obligatorische Leistungstest in Mainz. Und am Mittwochmorgen stand Gianluca Curci erstmals im Mannschaftstraining des FSV Mainz 05 am Bruchweg.

Groß und kräftig ist der neue Torhüter des Bundesligisten, der künftig die Rolle als Nummer zwei hinter Loris Karius einnehmen soll. Ein Hüne. Der Mann aus Rom findet sich schnell zurecht im Arbeitskreis der 05-Keeper unter der Leitung von Trainer Stephan Kuhnert. Die Methoden im Torwarttraining, sagt der 30-jährige später im Pressegespräch, seien überall relativ gleich. Die Übungen und Anforderungen unterschieden sich nur geringfügig. Curci, für zwei Jahre bei den Mainzern unter Vertrag, hat schnell den Durchblick gefunden auf dem Rasen. Das einzige Problem derzeit ist nur die Verständigung. Martin Schmidt spricht als gebürtiger Walliser italienisch und hat auch die Gespräche im Vorfeld des Transfers mit Curci geführt. Der Torwart selbst hat ein paar Brocken englisch drauf, kann sich mit der spanisch sprechenden Fraktion der 05er verständigen und schnappt willig deutsche Fußball-Ausdrücke auf. Zwischendrin sucht Curci immer mal den Dialog mit Niki Zimling, der etwas italienisch kann. „Alles kein Problem“, lässt der Profi später via Dolmetscher übersetzen. Der Deutschkurs sei schon gebucht. Das gehe bald los. Er wolle sich schnell integrieren in der neuen Umgebung.

Dass die 05er einen Torhüter aus Italien verpflichteten, kam für alle überraschend. Auch für den 30-Jährigen selbst. „Ich plane schon seit mehreren Jahren eine Erfahrung im Ausland zu machen. Das war aber jetzt das erste sehr konkrete Angebot. Das wollte ich mir nicht entgehen lassen und freue mich, jetzt hier zu sein“, sagt Curci.

Der erste Eindruck sei sehr gut. „Ich kenne das Team ja erst seit Samstag, deshalb haben wir uns noch nicht viel austauschen können. Die Trainingsbedingungen sind jedoch prima. Die Plätze sind gut. Alles ist sehr gut organisiert und die Bedingungen sind so, dass man in Ruhe arbeiten kann.“ Und auf viel Arbeit hat sich der Italiener eingestellt. Denn Curci hat keine richtige Vorbereitung absolviert, hat sich nur mit einem Personal-Trainer fit gehalten und zuletzt in der Heimat auch positionsspezifisch gearbeitet. „Ich bin nicht auf dem Stand von 100 Prozent. Das weiß ich, aber ich komme dahin. Ich habe schon seit einigen Wochen Torwarttraining in Italien gehabt. Ich denke, dass ich schnell auf einen guten Level komme.“

Gianluca Curci ist ein Eigengewächs der Roma. Seit seinem zehnten Lebensjahr spielte er für den Hauptstadtklub, als Profi allerdings seltener als Stammspieler. Nur im italienischen Pokal und in Europapokalspielen war er Stammkeeper bei AS Rom. Die meisten Erstligaeinsätze hatte der heute 30-Jährige von 2008 bis 2010 als klare Nummer eins der AC Siena und danach bei Sampdoria Genua. Nach seiner Rückkehr nach Rom verlieh der Klub den Keeper für zwei Jahre zum FC Bologna. In der vergangenen Saison gehörte Curci wiederum den Römern, die ihn jedoch nicht mehr einsetzten und den Vertrag nun auslaufen ließen. „Mir ist bewusst, dass mir die Praxis fehlt“, sagt der Römer. „Ich muss mich ein paar Tage an die Bedingungen hier gewöhnen. Ein Torwart hat das Glück, dass er nicht 90 Minuten rennen muss und schneller in Form kommt“, sagt der Neu-05er und kündigt an: „Ich werde mich in jedem Training so engagieren, dass ich den Trainer in Schwierigkeiten bringe, seine Auswahl zu treffen. Das ist mein Ziel. Der Trainer wird entscheiden, aber ich werde mich so einbringen, dass er viel überlegen muss.“ Das ist eine Ansage, die den 05-Verantwortlichen gefallen wird, denn der Routinier soll viel Druck ausüben auf Loris Karius.

Dass Curci in Kuhnerts Torhüter-Trainingsgruppe der Senior unter jungen Kollegen ist, stört ihn dabei nicht. „In Bologna war ich auch schon der älteste neben zwei jüngeren Keepern. Die Situation bin ich gewohnt. Als älterer Spieler hat man ja auch eine gewisse Erfahrung. Ich freue mich immer wieder, die jüngeren Kollegen zu unterstützen.“

Curci hat von klein auf beim AS Rom gespielt, dem Stadt-Rivalen von Lazio, das im Testspiel in der Vorbereitung den 05ern mit 0:3 am Bruchweg unterlagen war und in dieser Woche seine Play-off-Partie zur Champions League gegen Bayer Leverkusen mit 1:0 gewann. Darauf angesprochen macht Curci deutlich, dass er von Lazio mal absolut gar nichts hält. „Ich bin Roma-Fan“, sagt der 30-Jährige. „Ich weiß nicht, ob man hier weiß, welche Rivalität zwischen den beiden Klubs herrscht. Sie spielen ihr Spiel. Der Bessere soll gewinnen. Hoffentlich aber ist das Bayer Leverkusen.“

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Hier sind die Bilder von Gianluca Curcis erstem Trainingstag: