Klopp: Mainz ist kein gutes Pflaster für LFC

Jörg Schneider. Mainz.
Zum 5:0 wie vor zehn Jahren hat es nicht gereicht, doch der FSV Mainz 05 hat auch das zweite Testspiel gegen den Liverpool FC in einer Saison-Vorbereitung hoch gewonnen. Das Team von Martin Schmidt dominierte die Partie vor 31.600 Zuschauern zur offiziellen Eröffnung der Opel Arena gegen die zweite Garnitur von Jürgen Klopps Premier-League-Team nach Belieben und machte es mit dem 4:0-Sieg vor einem begeisterten Publikum noch gnädig. „Das war nicht so gut, oder?“, fragte die 05-Legende nachher und fügte hinzu: Er wisse, dass seine Mannschaft besser spielen könne, auch wenn man das im Ansatz nicht gesehen habe.

FSV Mainz 05 - Liverpool FC 4:0 (2:0)

Sonntag, 7. August 2016, 31.600 Zuschauer.

FSV Mainz 05: Lössl (73. Müller) - Donati (73. Bengtsson), Balogun (73. Klement), Bell (64. Hack), Brosinski (73. Bussmann) - Clemens (64. Jairo), Serdar (46. Frei), Rodriguez (64. Halimi), Onisiwo (46. Holtmann) - De Blasis (64. Muto), Cordoba (46. Malli).

FC Liverpool: Manninger – Moreno (61. Hart), Wisdom, Matip, Trent (46. Randall) – Woodburn (46. Stewart), Henderson (74. Wijnaldum), Can (46. Brannagan), Lallana (46. Gomes) - Origi (74. Firmino), Grujic (40. Ings).

Schiedsrichter: Dr. Drees (Münster-Sarmsheim).

Tore: 1:0 Brosinski (15., Handelfmeter, Wisdom), 2:0 Córdoba (45., de Blasis), 3:0 Malli (59., nach Sololauf), 4:0 Muto (74., Bengtsson).

Irgendwann wäre es dann doch einmal interessant zu sehen, wie das Ganze in Echt, also in einem richtigen Wettkampf ausgehen würde. Testspiele in Mainz jedenfalls scheinen dem Liverpool FC überhaupt nicht zu liegen. Diesmal ist es kein 0:5 geworden, wie damals vor drei Tagen und zehn Jahren, als der FSV Mainz 05 unter der Leitung von Jürgen Klopp das von Rafa Benítez trainierte Top-Team von der Insel böse verprügelt nach Hause schickte. Am Sonntagnachmittag, zur offiziellen Einweihung der Opel Arena, machte es der von Martin Schmidt betreute Bundesligist noch gnädig und fertigte den von der 05-Legende Klopp gecoachten Europaliga-Finalisten nur mit 4:0 ab. Es hätte auch schlimmer kommen können für Reds vor 31.600 Zuschauern und bester 05-Stimmung.

Die Mainzer haben eine gute Leistung gezeigt einen Tag nach der Rückkehr aus dem Trainingslager in Italien. Dennoch muss man die Kirche im Dorf lassen. Das Team, das Klopp am Sonntag ins Testspiel schickte, lief zwar im Trikot des Liverpool FC auf, doch mit der ersten Mannschaft des Traditionsklubs, die am nächsten Wochenende beim Arsenal FC in die Saison startet, hatte diese Aufstellung nichts zu tun. Und auch nichts mit dem Team, das tags zuvor in London den FC Barcelona mit 4:0 geschlagen hatte. Das alles soll die Leistung von Schmidts Profis nicht schmälern, doch der Erfolg muss entsprechend eingeordnet werden.

„Das tun wir. Das müssen wir ganz ordentlich einordnen“, sagte Rouven Schröder direkt nach dem Abpfiff. „Die wichtigste Erkenntnis war, dass wir die Breite des Kaders gesehen haben, dass alle zum Einsatz gekommen sind und sich gut präsentiert haben. Man muss einfach sehen, dass Liverpool nur zwei Mann in der Startelf hatte aus dem Barcelona-Spiel. Es war eine schöne Leistung, schön auch für unsere Zuschauer. Trotzdem wissen wir, dass wir noch viel zu tun haben“, betonte der Sportdirektor.

Eine sehenswerte Aktion von Jhon Cordoba, der beim Treffer zum 2:0 den Ex-Schalker Joel Matip mühelos abschüttelte und dann wuchtig vollstreckte. Foto: ImagoJürgen Klopp nahm die Geschichte mit Galgenhumor. „Das war jetzt nicht so gut, oder?“, fragte der LFC-Coach in der Pressekonferenz in die Runde. „Wir können besser Fußball spielen. Das weiß ich.“ Die kurzfristige Ansetzung des Barcelona-Spiels habe erfordert, dass er in Mainz nicht in der personellen Besetzung habe spielen können, wie es geplant gewesen sei, nannte Klopp als eine Erklärung. Eine Entschuldigung für den schwachen Auftritt seines Teams sei das aber nicht. „Es war so, dass wir auf einen Gegner getroffen sind, der einfach viel gieriger war, als wir das waren und es uns damit extrem schwer gemacht hat. Ich hätte mir kaum vorstellen können, wie wir heute hier ein Fußballspiel hätten gewinnen können“, sagte der 49-Jährige. „Wir waren meilenweit davon entfernt, von dem, was wir spielen wollen, was wir gut können und was wir schon gezeigt haben. Als Trainer gibt es so Tage, an denen du einfach akzeptieren musst, was du kriegst. Wir können das Spiel vom Samstag nicht größer machen als es war und im Umkehrschluss auch das heute nicht größer machen als es ist. Wir sind auf einem guten Weg, den man zwar heute im Ansatz nicht erkennen konnte, aber mit solchen Niederlagen kann man auch arbeiten.“ Er habe ein paar Dinge gesehen, die ihm gefallen hätten, sagte Klopp, auch wenn man es kaum glauben könne. „Wir haben vor einem fantastischen Publikum gespielt. Das war großartig. Ich bin froh, dass mich meine Mannschaft begleitet hat auf der Runde anschließend. Es wäre peinlich gewesen, wenn ich alleine rumgelaufen wäre. Meine Jungs haben da gezeigt, dass wenn sie heute schon nicht kicken konnten, sie wenigstens gut erzogen sind.“ Das Mainzer Publikum hatte den früheren Spieler und Trainer zur Ehrenrunde gezwungen und begeistert gefeiert. „Es war schön, mal wieder da gewesen zu sein. Und offensichtlich ist Mainz kein gutes Pflaster für Liverpool. Wir hoffen nun alle, dass sich die Geschichte nicht wiederholt.“ Vor zehn Jahren war Klopp nach dem 5:0-Triumph über den LFC am Ende der Saison mit den 05ern abgestiegen.

Schmidt: Das Spiel da einordnen, wo es hingehört

Der 05-Trainer fürchtet ein solches Omen nicht. „Ich muss das Spiel natürlich auch da einordnen, wo es hingehört“, sagte Martin Schmidt. „Ich muss aber auch sagen, so schlecht wie in den beiden Spielen im Trainingslager gegen die Zweitligisten sind wir nicht und so gut, wie es heute aussah, sind wir auch noch nicht. Deshalb ist das Ganze in der Mitte einzuordnen. Wenn wir gegen Novara Calcio so gerannt wären wie heute, hätten wir diese Partie nicht verloren.“ Er nehme dieses Ergebnis und die Leistung der Mannschaft gerne mit als Rückenwind in der Vorbereitung. Wir haben jetzt sechs Wochen hinter uns, wir brauchen die Unterstützung durch Ergebnisse. Die nächsten drei Wochen werden noch hart genug, deshalb war das eine sehr schöne Sache.“ Für die Spieler sei es eine sehr wertvolle Erfahrung gewesen. „Wir prüfen uns ständig ab, um uns den Herausforderungen zu stellen. Wir bemühen uns in diesem Jahr, mehr solcher Spiele zu zeigen, so zu rennen und zu kämpfen. Ich denke, für unsere Fans hat es sich gelohnt zu kommen.“

Die 05er spielten das, was sie auch in der vergangenen Saison am besten konnten. Mit einer stabilen Deckung, mit viel Ordnung und guter Blockbildung, scharfem Pressing, aggressiver Zweikampfführung den Gegner attackieren, Balleroberungen erzwingen und dann schnell umschalten. Der 05-Trainer schickte seine Mannschaft nicht im üblichen 4-2-3-1 an den Start, sondern in einem flachen 4-4-2 mit zwei variablen Stürmern. Damit kamen die Engländer eigentlich über 90 Minuten nicht zurecht. Egal, wer bei den Mainzern gerade auf welcher Position spielte. Schmidt wechselte im Laufe der Partie sein komplettes Team durch, wollte allen Spielern die Gelegenheit geben, gegen Liverpool und vor einer solchen Kulisse zu spielen. Das Beste daran, es gab bei allen Wechsel nie einen Bruch in der Struktur. In der zweiten Hälfte fanden die Mainzer gegen die überforderte zweite oder teilweise dritte Garnitur des Klopp-Kaders Räume und Lücken zum Tempovorstoß und hatten Möglichkeiten noch höher zu gewinnen. Dass dieser LFC-Kader, der sich in der Opel-Arena präsentierte, nicht erste Wahl war, störte Schmidt dabei nicht. „Wir haben Liverpool geschlagen. Ich glaube, dass meine Spieler das einschätzen können. Da war heute nur der zweite Anzug auf dem Platz, aber der muss ja schlussendlich auch Gas geben.“

Daniel Brosinski, der erneut einen sehr spielstarken Linksverteidiger gab, brachte die 05er nach 15 Minuten in Führung. Eine Rückgabe von Pablo de Blasis von der Grundlinie aus sprang Verteidiger Andre Wisdom an die Hand. Brosinski verwandelte sicher zum 1:0. Schmidts Team hatte weitere Chancen, oft initiiert vom starken José Rodriguez im zentralen Mittelfeld. Christian Clemens vergab zweimal aussichtsreich. Praktisch mit dem Halbzeitpfiff erhöhte Jhon Cordoba nach Pass von De Blasis zum 2:0. Der Mittelstürmer setzte sich vehement gegen den Ex-Schalker Joel Matip durch und schweißte den Ball ins Netz. Die Gäste von der Insel hatten weder in der ersten Hälfte, noch im zweiten Durchgang eine echte Torchance.

Perfekt war die Entstehung des 3:0 (59.). Gerrit Holtmann eroberte den Ball in der eigenen Hälfte, passte auf Yunus Malli, der unwiderstehlich davonzog bis zum Strafraum und platziert oben links vollstreckte. Solche Konterchancen gab es etliche. Am Ende war es dann aber nur noch Yoshinori Muto, der nach Vorarbeit von Pierre Bengtsson das 4:0 (75.) erzielte.

► Alle Artikel zur Saisonarbeit

► Zur Startseite