Kloppos flammender Appell an alle Mainzer

Jörg Schneider. Mainz.
Seine ehemaligen Mitstreiter und Schüler waren bereits am Mittwoch zum Heimspiel gegen RB Leipzig zur Unterstützung in die Opel Arena geeilt. Vor der Partie am Samstag beim SC Freiburg hat sich nun Jürgen Klopp mit einem flammenden Appell an die Anhänger des FSV Mainz 05 zu Wort gemeldet. Vertreter der aktiven Szene besuchten die Klub-Legende in Liverpool und brachten ein beeindruckendes Video mit. „Die Situation ist alles andere als hoffnungslos, doch offensichtlich fühlt es sich in der Stadt ein bisschen so an“, sagt der Aufstiegstrainer darin und erinnert an einen Slogan aus alten Zeiten. „100 Prozent Einsatz für unser Ziel. Das war ein ganz, ganz wichtiges Banner vor vielen Jahren. Jetzt gilt genau das Gleiche.“

Die alten 05er machen mobil und zeigen Flagge im Abstiegskampf. Am Mittwochabend waren gut drei Dutzend ehemaliger Profis des FSV Mainz 0t5 zu Gast beim Heimspiel gegen RB Leipzig. Von Benni Auer bis Thomas Zampach. Von Christoph Babatz bis Michael Thurk. Vielleicht war es die Unterstützung und der feste Glauben dieser ehemaligen Profis an das Gelingen der Mission, die diese neue emotionale Abstiegskampf-Stimmung ausgelöst hat, die das Bundesliga-Team zu einer bedingungslosen Kampfleistung trieb, auch wenn’s am Ende gegen den Tabellenzweiten mit 2:3 eine weitere Niederlage gab. Vor dem Auswärtsspiel beim SC Freiburg hat sich nun die größte Klub-Legende eingeschaltet und seine Botschaft in einem Video an die Mainzer Fans gerichtet.

Video-Botschaft vom Trainer des FC Liverpool: Jürgen Klopp schickte einen flammenden Appell nach Mainz. Foto: Imago Fans der aktiven Szene haben Jürgen Klopp an dessen Arbeitsplatz in Liverpool besucht und ein Filmchen gedreht, das am Freitagmorgen bei Facebook auftauchte. Klopp, der Trainer des FC Liverpool, ruft darin die Mainzer in höchst emotionaler Weise auf, sich in dieser Schlussphase der Saison zum Klub zu bekennen und hinter die Mannschaft zu stellen.  Die Situation in Mainz müsse ernst sein, sagt der Aufstiegstrainer, wenn Fans extra zu ihm gereist seien. „Wenn man sich die Tabelle anguckt, muss man es nicht unbedingt so sehen“, fügt der 49-Jährige an. „Wir haben uns damals alle gemeinsam einen Traum erfüllt. Jeder, der dabei war oder noch ein Kind oder ein Jugendlicher, der sollte sich das noch einmal vor Augen führen, was er damals gedacht hat an jenem Sonntag“, sagte Klopp, auf den 23. Mai 2004 anspielend, als der Trainer mit seinem Team mit dem 3:0-Sieg gegen Eintracht Trier in die Bundesliga aufgestiegen war. „Jeder, der sich daran erinnern kann, der muss jetzt aufstehen“, fordert Klopp. Mainz 05 habe in der Vergangenheit mehr Schläge als die meisten anderen Vereine abbekommen, „aber daraus sind wir immer gestärkt hervorgegangen“, erklärte die Klub-Legende und wies auf die aktuelle Lage hin. „Die Situation ist alles andere als hoffnungslos, doch offensichtlich fühlt es sich in der Stadt ein bisschen so an.“ Viele Leute, so Klopp, seien sich ihrer Verantwortung anscheinend nicht bewusst. „Mainz war immer die Stadt, wo jeder Einzelne wirklich, ob im Stadion oder zu Hause vor dem Fernseher, dafür gekämpft hat, dass die sportlichen Ziele erfüllt werden. Das habe ich geliebt. 100 Prozent Einsatz für unser Ziel. Das war ein ganz, ganz wichtiges Banner vor vielen Jahren. Jetzt gilt genau das Gleiche. Ich hoffe, dass alle verstanden haben, um was es geht. Fußball ist nicht das Wichtigste auf der Welt, wie wir alle wissen, aber es ist eine wundervolle Möglichkeit, gemeinsam Erfolge zu feiern und Misserfolge zu erleiden. Das hat keine Stadt und kein Verein mehr unter Beweis gestellt.“ Jürgen Klopps Appell an alle Mainzer: „Aufstehen und beim nächsten Spiel ins Stadion gehen. Ganz Mainz für ein Ziel.“

Eine beeindruckende Aktion der Ultras und des Meistertrainers, die selbst die aktuelle Spieler-Generation dazu animieren sollte, am Samstag in Freiburg ihr seltsames Auswärtstrauma endlich abzuschütteln und mit genau derselben Einstellung und Leidenschaft die Partie gegen den Tabellensiebten zu führen wie das gegen die Leipziger gelungen war. Drei Punkte gegen die inzwischen frei von  allen Abstiegssorgen auftretenden Breisgauern wären natürlich optimal, doch selbst ein Unentschieden eine Woche vor dem nächsten Heimspiel in der Opel Arena gegen Hertha BSC Berlin wäre schon ein wichtiges Lebenszeichen in diesem Abstiegskampf.

Gbamin und Jairo gesperrt, Quaison noch fraglich

Die personelle Situation hat sich bekanntlich etwas verschlechtert im Rahmen der jüngsten 2:3-Niederlage. Jean-Philippe Gbamin hat für seine übermotivierte Foul-Aktion eine Sperre von zwei Spielen aufgebrummt bekommen. Große Vorwürfe gab’s dafür nicht an den Franzosen. „Das war sicher Übermut und etwas übertriebener Wille“, sagte der 05-Trainer. „Wir wollten aber einen harten Fight zeigen. Und wo Leidenschaft drin ist, kommt auch manchmal Leidenschaft raus.“ Jairo Samperio kassierte zudem die fünfte Gelbe Karte und ist in Freiburg gesperrt. Unklar ist derzeit noch, ob Robin Quaison am Samstag einsatzfähig ist. Der Stürmer trug aus der Szene, als er in der 21. Minute die Großchance für Bojan Krkic vorbereitete, einen Pferdekuss oberhalb des Knies davon, musste ausgewechselt werden und bangt um seinen Einsatz. Quaison wird behandelt, fährt auch mit zum Auswärtsspiel. Dann muss kurzfristig entschieden werden, ob es geht für den Schweden. „Es wird eine knappe Geschichte“, sagte Martin Schmidt. Erheblich größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass André Ramalho wieder mitmischen kann. Der Brasilianer litt zuletzt unter einer Verhärtung der Wadenmuskulatur, teste vor der Leipzig-Partie noch einmal und musste dann passen. Das Risiko einer längeren Verletzung war zu groß. Inzwischen hat der 05-Profi wieder trainiert und könnte in Freiburg den Part des gesperrten Gbamin im zentralen Mittelfeld neben Danny Latza übernehmen, der nach seiner Spielsperre wieder dabei ist.

In der Abwehr erhielt Alexander Hack zuletzt den Vorzug vor Niko Bungert. Den 23-Jährigen anstelle des 05-Kapitäns zu bringen, sei ein Bauchgefühl gewesen, erklärte Schmidt später. Zum einen, weil Bungert immer wieder unter muskulären Problemen leidet und besonders in einer Englischen Woche nach zwei Spielen in Folge oft eine Pause braucht. Das würde daraufhin deuten, dass der 05-Coach mit Bungert in Freiburg plant. Im Heimspiel sei Hack die richtige Wahl gewesen, sagte Schmidt. „Leipzig hat sehr schnelle Stürmer. Alexander Hack ist einer unserer schnellsten Spieler überhaupt und er ist spielstark. Wir wollten den Ball am Fuß haben und nach vorne spielen. Hack ist mit seinem linken Fuß der spielstärkere, der scharfe und flache Bälle spielen kann. Das hat den Ausschlag gegeben. Er hat das gut gemacht in Zweikampf und Spielaufbau.“

Gegen den normalerweise über strukturierten Ballbesitz zu Hause aufspielenden Sportclub dürfte diesmal auch Yoshinori Muto ein ernsthafter Startelfkandidat sein. Der Japaner lieferte eine sehr starke letzte halbe Stunde ab gegen Leipzig,  hat als zweiter Stürmer viel gearbeitet, hatte etliche Balleroberungen und Weiterleitungen. Vor allem aber vermittelte der Stürmer aber wieder Torgefahr, die zuletzt fehlte. Zwei große Chancen, eine davon per Kopf an den Pfosten sowie sein Kopfballtreffer zum 2:3 untermauerten dies. „Yoshi hat sicher seine Chance genutzt. Er war sofort bereit und fokussiert. Er kommt jetzt richtig in Form“, sagte Schmidt und erklärte, dass dieser Prozess lange gedauert habe. Muto habe sich nach der langen Verletzung zuletzt immer noch etwas zurückgehalten im Zweikampf und im Allgemeinen, aus Sorge, das verletzte Knie könne nicht halten. Diese Phase habe der Japaner nun endgültig überwunden.

 

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