Konkurrenzkampf nimmt Fahrt auf

Jörg Schneider. Mainz.
Die bisherige Testspielbilanz des FSV Mainz 05 ist positiv. Das 2:1 gegen Newcastle United in der Opel Arena war der vierte Sieg im sechsten Spiel. Es folgt noch die Partie gegen Twente Enschede am kommenden Samstag, dann ist das Spielprogramm abgeschlossen. Nicht aber die Entwicklung, der Findungs- und Einspielprozess. „Ich glaube, man kann nicht nach sechs Wochen Vorbereitung abschließend sagen, das ist dann der Idealzustand und man kann nichts mehr draufpacken“, sagt Sandro Schwarz. „Wir müssen den Zustand der Mannschaft so forcieren und steigern, dass sich die Wahrscheinlichkeit erhöht, am ersten Spieltag das Ding zu gewinnen. Da sind wir auf einem guten Weg.“

Eine Niederlage in Wiesbaden, ein Unentschieden gegen Greuther Fürth und vier Siege. Das ist die Bilanz des FSV Mainz 05 aus den bisherigen Begegnungen im Rahmen der Saison-Vorbereitung. Am Samstag zeigte die Mannschaft von Sandro Schwarz eine insgesamt zufriedenstellende Vorstellung mit dem 2:1-Sieg vor fast 7000 Zuschauern in der Opel Arena gegen Newcastle United. Am kommenden Samstag folgt am Bruchweg die Partie gegen Twente Enschede aus der holländischen Ersten Liga. Dann ist das Testspielprogramm abgeschlossen. Nicht aber die Entwicklung, der Findungs- und Einspielprozess des Kaders. „Ich glaube, man kann nicht nach sechs Wochen Vorbereitung abschließend sagen, das ist dann der Idealzustand und man kann nichts mehr draufpacken“, betonte der 05-Trainer nach dem Erfolg gegen den Premier-League-Aufsteiger. „Wir müssen den Zustand der Mannschaft so forcieren und steigern, dass sich die Wahrscheinlichkeit erhöht, am ersten Spieltag das Ding zu gewinnen. Da sind wir auf einem guten Weg. Der wird nach der Vorbereitung nicht abgeschlossen sein. Ich habe aber keine Kopfschmerzen, wenn ich sehe wieweit die Mannschaft ist. Ich finde, dass die Mannschaft es sehr gut umsetzt. Diese Phasen müssen wir verlängern.“

Gute Szenen, aber auch manchmal zu viel Kunst, die zu Ballverlusten führt: Alexanderu Maxim im Duell mit Jack Colback, dem zentralen Mittelfeldmann des NUFC. Foto: ImagoGegen das Team des früheren Star-Trainers Rafael Benitez zeigten die 05er etliche Male, dass sie fußballerisch im Spielaufbau Möglichkeiten haben. Wenn sie in ihrer Struktur bleiben, sind sie in der Lage, Torgefahr zu entwickeln. Noch verlieren die 05-Profis häufig diese Struktur und ihr kollektives Positionsspiel. Auffällig auch, dass das Team im Moment noch dazu neigt, sich im eigenen Ballbesitz einzurichten, ohne zielführend den Weg nach vorne in die Tiefe zu suchen. Gegen Newcastle sah das noch häufig nach Selbstzweck aus, den Ball zu behalten mit etwas zu viel Hin-und-her-Geschiebe. Zu oft endeten auch gut aufgebaute Offensiv-Kombinationen mit unnötigen Kunststückchen, Hackentricks am gegnerischen Strafraum, mit Durchlassen von Pässen, ohne die Gewissheit zu haben, dass der Raum auch besetzt war. Besonders auffällig bei Alexandru Maxim, der viele gute Szenen als Zehner hatte, sich oft nach hinten zurückfallen ließ, um Bälle zu fordern, sich aber dabei häufig verzettelte auf engem Raum gegen eine Überzahl. Zu viel Kunst statt einfacher Pässe. Zu groß die Gefahr des Ballverlustes und der gegnerischen Umschaltmöglichkeit.

Prächtig allerdings die Pässe in der Vorbereitung der Tore und einzelner Chancen. Der diagonale Schnittstellen-Pass von Pablo De Blasis vor dem 1:0 von Levin Öztunali. Die Vorbereitung des Treffers zum 2:1 von Karim Onisiwo über Philipp Klement, der am Strafraum perfekt für Viktor Fischer durchsteckte. Die Schusstechnik des Dänen im Abschluss, die in einer ähnlichen Aktion zuvor schon fast zum Tor geführt hätte. Man muss bei allem berücksichtigen, dass Schwarz mit seiner Mannschaft das konkrete Offensivspiel und das Umschalten bis jetzt noch kaum intensiv trainiert hat, sondern die Schwerpunkte überwiegend auf die Arbeit gegen den Ball, Pressing, Gegenpressing gelegt und versucht hat, Prinzipien und Muster einzuschliefen. Ab dieser Woche geht’s am Bruchweg rein in den Offensivblock. Dann muss Schwarz auch Lösungen erarbeiten, wie die Sturmspitzen besser eingebunden werden. Gegen die Engländer hingen sowohl zunächst Yoshinori Muto als auch später Kenan Kodro oft in der Luft, zeigten wenig Wirkung im Strafraum. Da stimmten die Pass- und Laufwege noch nicht überein. Da sollte am kommenden Samstag in der Partie gegen Twente Enschede, die aus organisatorischen Gründen ohne Publikum stattfindet, ein Fortschritt zu erkennen sein.

Alle in der Verlosung

Schwarz will sich derzeit auch nicht auf Personaldiskussionen einlassen. Die Aufstellung gegen Newcastle United gibt noch keinen Aufschluss darüber, wie letztlich die Startelf zur Heimpremiere gegen Hannover 96 aussehen wird. „Es ist nicht so gewesen, dass man sagt, die ersten 60 Minuten hat die Stammmannschaft bestritten“, betont der Trainer. „Der Konkurrenzkampf ist gut, bringt Fahrt in die Trainingseinheiten und Spiele. Es kann sich keiner hängen lassen, das macht auch keiner. Aber wir haben noch drei Wochen Zeit bis zur Bundesliga. Alle können sich anbieten und sind in der Verlosung für den Saisonstart.“ Er habe die Einsatzzeiten diesmal etwas angepasst an die vorherigen Testspiele. „Wir wollen diesen Konkurrenzkampf überall. Wenn einer am Wochenende mal nicht spielt, ist es aber nicht so, dass wir ihm das Vertrauen entziehen. Es geht immer um die Aufgabe, die uns der Gegner stellt oder die wir uns selbst stellen“, sagt der 39-Jährige. „Ich weiß, dass Spieler immer schnell sagen, ihnen fehle das Vertrauen, wenn sie nicht spielen. Das ist nicht so. Es gibt Schlimmeres im Leben, als mal auf der Bank zu sitzen. Aber die Mannschaft auf diese Situationen vorzubereiten, wird jetzt auch irgendwann ein Thema sein.“

Die 05er haben gegen die Engländer im gewohnten 4-2-3-1 gespielt. Diese Grundordnung will Schwarz erst einmal so belassen. „Zu Beginn ist es wichtig, dass du nicht mit dem Hammer draufhaust und sagt, du musst jetzt alles neu machen. Viele Dinge waren gut in der Vergangenheit und sind es auch jetzt im 4-2-3-1. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, ohne ein großes Geheimnis daraus zu machen, dass wir das im Pokal auch spielen. Aber wir halten nicht nur daran fest. Die Grundordnung wird häufig überbewertet. Sie steht vorher auf dem Flip-Chart, aber die Bewegungen sind so fließend, dass sich das im Spiel auch verändert.“

► Alle Artikel zur Saisonarbeit

► Zur Startseite