Korruptionsvorwurf: Okazakis Nationalcoach entlassen

Christian Karn. Mainz.
Shinji Okazaki, der Mittelstürmer des FSV Mainz 05, wird einen neuen Nationaltrainer bekommen. Wie bereits während der Asienmeisterschaft angedeutet, entließ der japanische Fußballverband den Mexikaner Javier Aguirre, gegen den spanische Behörden wegen Spielmanipulation ermitteln. Der Nachfolger steht noch nicht fest.

Der Mainzer Mittelstürmer Shinji Okazaki (links) wird künftig von einem anderen Trainer als Javier Aguirre in die Nationalmannschaft berufen werden. Foto: imagoWie bereits im Laufe der Asienmeisterschaft gemeldet, hat sich der japanische Fußballverband JFA am Dienstag von Javier Aguirre, dem Cheftrainer der A-Nationalmannschaft getrennt. Dem Nationaltrainer des Mainzer Mittelstürmers Shinji Okazaki wird vorgeworfen, 2011 als Trainer von Real Zaragoza an einer Spielmanipulation beteiligt gewesen zu sein. Vor drei Wochen ließ ein valencianisches Gericht eine Klage gegen den Mexikaner zu.

JFA-Präsident Kuniya Daini teilte im Rahmen einer Pressekonferenz mit, der Verband gehe in einem Verfahren, das noch lange nicht abgeschlossen ist, nicht von einer Schuld Aguirres aus, wolle aber nicht riskieren, dass die Arbeit des Nationalteams Schaden nehme: "Wir kamen zur Überzeugung, dass wir Risiken meiden müssen, die die WM-Qualifikation beeinflussen können. Wir haben Aguirres Fähigkeiten als Lehrer sehr geschätzt und wollen ihm die Möglichkeit geben, sich darauf zu konzentrieren, die Sache aus der Welt zu schaffen."

Es geht um den letzten Spieltag der Saison 2010/11 in der spanischen Primera División. Real Zaragoza trat als Achtzehnter - also auf dem ersten Abstiegsplatz stehend - beim valencianischen Klub Levante UD an, gewann 2:1 und blieb als Dreizehnter in der Liga. Offenbar soll, um den Auswärtssieg zu gewährleisten, Real Zaragoza eine knappe Million Euro auf das Konto des Trainers und verschiedener Spieler überwiesen haben, die, so die Anklage, das Geld abgehoben und vor der Partie den Spielern von Levante übergeben haben sollen. 85.000 Euro sollen über Aguirres Konto geflossen sein.

Insgesamt ermitteln die Behörden gegen 42 Personen: gegen den als juristische Person eingestuften Klub aus Zaragoza sowie vier Funktionäre und eben den Trainer Aguirre, sowie gegen alle 36 Spieler, die im betreffenden Spiel in den Kadern der beiden Mannschaften standen. Dazu zählen auf Seiten Levantes die WM-Teilnehmer Felipe Caicedo, Jefferson Montero (beide Ecuador) und Cristian Stuani (Uruguay), außerdem der heutige Manchester-United-Profi Ander Herrera, der damals für Zaragoza spielte.

Im Falle einer Verurteilung drohen diesen Haftstrafen von sechs Monaten bis zu vier Jahren sowie Berufsverbote von einem bis zu sechs Jahren. Aguirre streitet die Vorwürfe vehement ab.

Der Mexikaner wurde ein halbes Jahr nach dem Spiel gegen Levante entlassen. Ein knappes Jahr später übernahm er den spanischen Erstligisten Espanyol Barcelona, den er bis Mai 2014 betreute. Nach der Weltmeisterschaft in Brasilien, bei der Japan bereits in der Gruppenphase ausgeschieden war, löste er Alberto Zaccheroni ab, der nach vier Jahren zurückgetreten war. Unter Aguirre gewannen die Japaner sieben von zehn Spielen. Okazaki schoss zwei Tore und bereitete einige weitere vor. Wer sein neuer Nationaltrainer wird, ist noch offen. Das nächste Länderspiel Japans findet am 27. März statt. Zu Gast in Oita wird Tunesien sein.