Kunert und Gerber übernehmen die U23

Christian Karn. Mainz.
Kurz vor der Vorstellung der neuen Profi-Trainer hat der FSV Mainz 05 die neuen Trainer der U23 bekanntgegeben. Chefcoach der höchsten Nachwuchsmannschaft wird der 49-jährige Berliner Dirk Kunert, der mit Hertha BSC und dem VfL Wolfsburg bereits drei deutsche Juniorenmeisterschaften gewonnen hat. Sein Co-Trainer ist ein alter Bekannter, der Mainzer Jubiläumstorschütze Fabian Gerber. In welcher Liga die beiden Coaches mit ihrer neuen Mannschaft antreten werden, ist dabei noch nicht ganz klar - die U23 ist zwar sportlich in die Regionalliga abgestiegen, hat aber noch die vage Hoffnung, durch zwei Lizenzentzüge wieder in die 3. Liga aufrücken zu dürfen.

Der FSV Mainz 05 hat am Vormittag seinen ersten neuen Trainer des Tages gemeldet. Er heißt Dirk Kunert - und wird mit seinem Co-Trainer Fabian Gerber nicht für die Bundesligamannschaft zuständig sein, sondern als Nachfolger von Sandro Schwarz für die U23.

Zuletzt wurde Dirk Kunert mit dem HSV II Fünfter der Regionalliga Nord. Künftig ist der Berliner für die U23 des FSV Mainz 05 zuständig. Foto: imagoDer 49-jährige Berliner Kunert war als Profi bei verschiedenen Klubs seiner Heimatstadt aktiv. 1989 kam er von den Reinickendorfer Füchsen zu Blau-Weiß 90, spielte dort bis zum Abstieg 1992 52 Mal in der 2. Liga - 1990/91 auch gegen Mainz 05. Nach dem Abstieg und der Vereinsliquidation wechselte Kunert zum Oberligaklub Türkiyemspor, qualifizierte sich mit diesem 1994 für die Regionalliga, wechselte im folgenden Winter zum Liga-Konkurrenten Hertha Zehlendorf und 1998 nach dessen Abstieg zu den Hertha-Amateuren, mit denen er 1999 für ein letztes Jahr im Profifußball erneut in die Regionalliga aufstieg. 2000 beendete er seine Spielerkarriere. Ein klarer Stammspieler war der Mittelfeldmann bei keinem dieser Klubs, in fünf Regionalligajahren spielte er 115 Mal.

Direkt mit dem Ende der aktiven Laufbahn begann Kunerts Trainerkarriere in einer der erfolgreichsten Fußball-Nachwuchsabteilungen Deutschlands. Der neue 05-Coach begann als Co-Trainer der Hertha-U17 (2000-02), wurde dann Chefcoach der Nachwuchsmannschaft (2002-07), rückte dann zur U19 auf (2007-09). In dieser Zeit gewann Kunert seine ersten Titel: die deutsche U17-Meisterschaft 2003 und 2005, unter anderem mit den späteren Profis Ashkan Dejagah, Patrick Ebert, Chinedu Ede, Kevin-Prince Boateng (alle 2003), Jérôme Boateng und Manuel Schmiedebach (beide 2005).

Jürgen Röber, Hertha-Chefcoach bis 2002, nahm Kunert 2009 als Co-Trainer mit in die Türkei. Ihr neuer Klub Ankaraspor wurde jedoch in der indirekten Folge einer gescheiterten Fusion aus der Süper Lig ausgeschlossen, nach einem halben Jahr traten die Trainer zurück. Kunert war daraufhin kurzzeitig Co-Trainer der U20-Nationalmannschaft, war 2010, so heißt es, bereits ein Kandidat für die Mainzer U23 als Nachfolger von Peter Neustädter und Interimscoach Roland Vrabec, wechselte aber statt dessen zu Bayer Leverkusen, wo er dafür zuständig war, die vielen an andere Vereine verliehenen Spieler im Auge zu behalten. Von 2012 bis 2014 war Kunert Trainer der U19 des VfL Wolfsburg, mit er er 2013 seine dritte Deutsche Meisterschaft gewann; aus seiner damaligen Mannschaft könnte er nun dem Innenverteidiger Maximilian Rossmann wieder begegnen, sofern dieser einen neuen Vertrag bei den 05ern unterschreibt. Nach zwei Jahren in einer Beratungsagentur übernahm der neue 05-Trainer 2016 die zweite Mannschaft des HSV, den er nun nach einem Jahr wieder verlässt. Abwerben mussten die 05er den neuen Mann nicht; bereits im März stand fest, dass die Zusammenarbeit mit den Hamburgern in diesem Sommer enden würde.

Kunerts Co-Trainer wird ein Mainzer Jubiläumsheld, der Jahrhunderttorschütze Fabian Gerber. Foto: imagoFabian Gerber ist in Mainz gut bekannt. Der Münchner war nach sechs Profijahren für Hannover 96, den FC St. Pauli und den SC Freiburg 2003 zu Mainz 05 gewechselt, 2004 in die Bundesliga auf-, 2007 nach 82 Einsätzen wieder abgestiegen. Im ersten Erstligajahr der 05er war der Mittelfeldspieler mit sieben Toren der beste Torschütze seiner Mannschaft, der Höhepunkt seiner 05-Karriere dürfte das Jubiläumstor gegen Schalke gewesen sein, 20 Sekunden nach dem Anpfiff des 100-Jahre-Spiels. Nach dem Abstieg wechselte Gerber für zwei Jahre nach Kreta zu OF Iraklion, bis 2013 spielte er in der zweiten und dritten Liga für den FC Ingolstadt 04. Die Trainerkarriere des A-Schein-Inhabers begann Anfang 2016 in der Regionalliga Nord beim BSV Rehden als Nachfolger seines Vaters; Gerber junior - der seinen Lebensmittelpunkt eigentlich wieder in Mainz hatte - erreichte zwar den Klassenerhalt, blieb jedoch nur bis zum Saisonende. Unterschiedliche konzeptionelle Vorstellungen für die Zukunft wurden als Trennungsgrund genannt, mit der Arbeit des Trainers, der 27 von möglichen 45 Punkten gewonnen hatte, war der BSV offenbar sehr zufrieden.

"Bei den Gesprächen in Mainz war ich sehr schnell davon überzeugt, dass für mich hier einfach alles stimmt. Man spürt sofort, dass am Bruchweg großer Wert auf die Jugendarbeit gelegt wird und alle handelnden Personen Feuer und Flamme für die gemeinsame Aufgabe sind", sagt Kunert. Und 05-Sportdirektor Rouven Schröder erklärt: "Wir freuen uns sehr, mit Dirk Kunert einen anerkannten Fachmann, Entwickler und einen hervorragenden Charakter für die wichtige Schnittstelle zwischen Nachwuchs- und Profifußball gewonnen zu haben. Er ist ein echter Teamplayer und passt von seiner Trainermentalität perfekt zu uns. Fabian Gerber ist als ehemaliger Mainzer Profi und lernbegieriger Nachwuchstrainer die ideale Ergänzung."

In welcher Liga Kunert und Gerber künftig arbeiten, das ist noch nicht ganz klar. Zunächst einmal ist die U23 aus der 3. Liga als Vorletzter der Tabelle abgestiegen. Doch besteht noch eine vage Hoffnung, über Lizenzverweigerungen nachzurücken. Gleich zwei Vereine müssten jedoch aus der Liga fliegen. Der TSV 1860 München ist nach dem gestrigen Abstieg angeblich akut gefährdet. Dagegen dürfte sich der VfR Aalen stabilisiert haben. Der Chemnitzer FC und Rot-Weiß Erfurt müssen offenbar bis übermorgen jeweils rund drei Millionen Euro auftreiben, der VfL Osnabrück und der FSV Zwickau wesentlich geringere Beträge. Schließlich würde auch der SC Paderborn, als Drittletzter der erste Nachrücker, seinerseits einen geringen Millionenbetrag zusammenkratzen müssen, um überhaupt nachrücken zu dürfen.

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