Kurzeinsatz für Berggreen in Köln?

Jörg Schneider. Mainz.
Ein Spiel noch, dann ist die Saison 2016/17 zu Ende. Der FSV Mainz 05 steht am Samstag beim 1. FC Köln auf der Matte. Die 05er sind aufgrund ihres guten Torverhältnisses im Prinzip durch, dürfen sich keine sehr hohe Niederlage bei den Kölnern erlauben, die noch um den Einzug in die Europaliga kämpfen. „Wir haben jetzt die neue Situation, erstmals völlig frei aufspielen zu können. Wir wollen ein richtig gutes Spiel abliefern. Wir wollen das Spiel gewinnen“, erklärt Rouven Schröder die sportlichen Ambitionen. Unter Umständen erhält Emil Berggreen nach anderthalbjähriger Leidenszeit seinen ersten Kurzeinsatz im 05-Trikot.

Noch ein Auftritt, dann ist die Bundesligasaison 2016/17 zu Ende. Der FSV Mainz 05 fährt als aktuell 13. des Klassements zum Tabellensiebten 1. FC Köln, der noch Ambitionen und Chancen hat auf die Qualifikation für die Europaliga. Die Situation der 05er ist bekannt. Die Mannschaft von Martin Schmidt hat durch den 4:2-Erfolg am vergangenen Wochenende im Derby gegen Eintracht Frankfurt nach menschlichem Ermessen nichts mehr mit dem Kampf gegen den Relegationsplatz zu tun. Die 05er haben im Vergleich zur Konkurrenz das wesentlich bessere Torverhältnis und müssten je nach Konstellation in den anderen Begegnungen schon sehr hoch verlieren, um noch einmal in Gefahr zu geraten.

Davon geht niemand aus. Das Schmidt-Team fährt am Samstag eher mit erfolgsorientierten Gedanken nach Müngersdorf. „Letzte Woche ist sehr viel von uns abgefallen“, sagt Rouven Schröder. „Wir haben jetzt die neue Situation, erstmals völlig frei aufspielen zu können. Was wir nicht wollen, ist das Gefühl eines 0:2 wie gegen Frankfurt wieder zu erleben und sich negative Gedanken zu machen. Wir wollen ein richtig gutes Spiel abliefern. Wir wollen das Spiel gewinnen“, so der Sportdirektor. „Es geht um drei Punkte, die wollen wir. Es geht ja auch ums Team-Ranking in der TV-Geld-Tabelle, da zählt jeder Platz in der Abschlusstabelle. Aber es geht auch um die Verantwortung der Liga gegenüber. Denn es sind ja nicht nur die Kölner, die noch etwas erreichen können, es geht ja auch um Freiburg, Gladbach oder Bremen, die noch da reinrutschen können. Von daher haben wir schon sportliche Ambitionen.“

Die Zeit der Indidual-Arbeit mit Reha-Coach Axel Busenkell ist vorbei für Emil Berggreen. Der Mittelstürmer trainiert seit geraumer Zeit mit der Mannschaft und erzielte am Mittwoch im Trainingsspiel seinen ersten Kopfballtreffer. Foto: Jörg SchneiderEs geht aber auch darum, sich möglichst ordentlich aus der Liga zu verabschieden und den eigenen Anhängern noch einmal etwas zu bieten. Rund 4000 Mainzer Fans begleiten die Mannschaft nach Köln. Da sollten sich die 05-Profis noch einmal zu einer konzentrierten und guten Leistung aufschwingen, bevor ab Sonntag die Ferien beginnen. Am Morgen nach dem Auswärtsspiel steht am Bruchweg noch ein Medizin-Check auf dem Programm. Ab Mittag beginnt dann der Urlaub. Allerding nicht für alle. Eine Reihe von Nationalspielern muss nach ein paar Tagen Pause bei ihren National-Mannschaften auf der Matte stehen. Geplant ist, dass um das letzte Juni-Wochenende herum der Trainingsbetrieb für die neue Saison wieder losgeht. Einige Nationalspieler, die länger mit ihren Teams unterwegs sind, steigen jedoch später ein.

Der 05-Trainer kann in Köln personell aus dem Vollen schöpfen. Martin Schmidt muss von den Stammspielern nur Pablo De Blasis ersetzen, der nach seinem Treffer zum 4:2 gegen die Eintracht das Trikot auszog, die fünfte Gelbe Karte kassierte und in Köln gesperrt ist. Auf den vorderen Außenpositionen wird es also zwangsläufig eine Veränderung gegenüber der Vorwoche geben. „Zu viel verändern ist gefährlich, weil man Kontinuität verlieren kann und Automatismen, die in den letzten Wochen gegriffen haben“, sagt der 50-Jährige. „Aber wir müssen durch Pablos Fehlen wechseln, da sind wir noch am überlegen.“ Einige der 05-Profis beklagten unter der Woche leichte Blessuren. „Wir wollen im letzten Spiel keinen reinjagen, der sich dann aufgrund von Vor-Blessuren schlimmer verletzten könnte. Wir werden nicht alles durcheinanderjubeln, oder all denen jetzt eine Chance geben, die zuletzt weniger gespielt haben. Das ist nicht der Ansatz. Wir werden schon unser Konstrukt behalten, um den Fußball, den wir in den vergangenen Woche gespielt haben, wieder auf den Platz zu bringen“, sagt Schmidt.

Unter Umständen könnte Emil Berggreen in der Schlussphase zu seinem ersten Einsatz im 05-Trikot nach fast anderthalbjähriger Leidenszeit kommen. „Es wäre eine schöne romantische Geschichte für ihn“, sagt Schmidt. „Er trainiert mittlerweile 100 Prozent, ist im Moment soweit, dass er im Training auch als Stürmer wahrgenommen wird. Gestern hat Emil im Abschlussspiel zehn gegen zehn sein erstes Tor geschossen in einem richtigen Spiel über den ganzen Platz.“ Der Mittestürmer schweißte einen Kopfball ins Netz. „Da sieht man, dass er auf dem Weg ist dahinzukommen, wo wir ihn haben möchten. Klar reicht es nicht für ein Spiel oder eine Halbzeit, aber man merkt, was er kann, man sieht seine Vorzüge.“

Ein Einsatz von Berggreen müsse Sinn machen, sowohl fürs Team als auch für den Spieler selbst. „Nur rein wegen der Romantik, das bringt nix. Ich will nicht bei ihm im Kopf schüren, dass er schon so weit ist und wenn das Training wieder beginnt, merkt er, es war nur ein Strohfeuer. Wir wollen ihn sukzessive dahinführen, dass er im Herbst reinkommt und zu dem Spieler wird, als den wir ihn geholt haben. Die Anzeichen sind jetzt gut. Er ist auf einem guten Weg. Vielleicht ist es noch etwas früh für den Kader. Und für ihn einen topfitten Spieler hierlassen, dass muss ich mir noch gut überlegen. Wenn wir es machen, muss es Sinn ergeben. Er hat aber deutlich wieder Spaß am Fußball.“

Auch für Gaetan Bussmann, der in den vergangenen Wochen wegen einer Adduktorenverletzung pausieren musste, könnte dieses Spiel etwas zu früh kommen. „In der Woche vor Hamburg war Gaetan erstmals wieder im Teamtraining, aber nicht komplett. Die letzte Woche hat er voll trainiert. Bei ihm wird nach der langen Auszeit läuferisch und athletisch noch etwas fehlen. Weil du bei Adduktorenverletzungen nicht viel machen kannst in diesem Bereich“, sagt der Trainer. „Für ihn wäre es schon ein Riesensprung, wenn wir ihn in den Kader nehmen. Wichtiger ist aber, dass er gesund ist. Er wird seinen Urlaub zudem verkürzen und früher wieder anfangen.“

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