Laktattest und Erfolgserlebnisse

Jörg Schneider. Mainz.
Beim FSV Mainz 05 hat am Mittwoch die Trainingswoche begonnen. Der Bundesligist will die Länderspielpause und die Tatsache, dass nur wenige Stammspieler abberufen wurden, nutzen, um ein paar Tage lang zwar intensiv, aber ohne Druck Fußball zu spielen, um den Frust beiseite zu schieben, sich in kleinen Wettbewerben Erfolgserlebnisse zu holen und Spaß in die angespannte Stimmungslage zu bringen. Am Nachmittag gab’s einen Laktattest. Morgen erwarten die Mainzer im Bruchwegstadion den Karlsruher SC zum Testspiel.

Danny Latza gehörte zu den Spielern des FSV Mainz 05, die nach der Niederlage gegen Schalke 04 tief erschüttert waren. Der Mittelfeldmann stand nach der Partie mit versteinerter Miene in der Mixed-Zone der Opel Arena, völlig ausgepumpt und ratlos. Latza selbst hatte Mitte der ersten Halbzeit in der Mainzer Druckphase die besten Szenen im Spielaufbau, die eine oder andere gefährliche Vorbereitungsaktion, war zudem mit einem Distanzschuss, den der Schalker Torhüter noch um den Pfosten lenkte, gescheitert, schaffte es aber nach der Pause trotz aller Energie und Arbeit ebenso wie seine Mitspieler nicht, Szenen zu kreieren, die die gegnerische Abwehr vor größere Probleme hätte stellen können. Entsprechend groß war die Enttäuschung beim 27-Jährigen. „Es ist ein bisschen scheiße gerade alles. Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll“, meinte der 05-Profi, der auch nicht sonderlich begeistert war darüber, dass nun erst einmal Pause ist. Wenn‘s nach ihm ginge, hätte er die Unterbrechung nicht gebraucht, sagte Latza. „Ich würde es gerne am nächsten Wochenende schon versuchen wieder gut zu machen.“

Ein Tropfen Blut aus dem Ohrläppchen: Giulio Donati beim Laktattest. Foto: Mainz 05Vielleicht sei es dennoch gut, dass man nun Zeit habe, alles mal Revue passieren zu lassen, zu reden, zu analysieren, was besser werden müsse im Mainzer Spiel. „Vor allem aber eins“, sagte Latza: „trainieren, trainieren, trainieren.“ Am gestrigen Mittwochmorgen startete der Bundesligakader in die Trainingswoche. Vom Stammpersonal fehlten nur die Nationalspieler Jonas Lössl, Leon Balogun und Levin Öztunali sowie Stefan Bell, der im Kraftraum blieb. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt in den nächsten Tagen auf Spielformen, die Spaß machen und ergebnisorientiert sein sollen. Ohne Druck Fußball spielen, um den Frust beiseite zu schieben, sich in kleinen Wettbewerben Erfolgserlebnisse holen, möglichst viele Tore schießen, Spaß in die angespannte Stimmungslage bringen. Am Mittag stand dann auf dem Kunstrasen hinter der Eishalle noch ein Ausdauer- und Laktattest auf dem Programm.

Diese Überprüfung steht bei den 05er regelmäßig an. „Wir brauchen diese Tests, um die Werte zu kriegen und zu wissen, wo wir im athletischen Bereich stehen“, sagt Martin Schmidt. Anhand der Ergebnisse wird die Trainingssteuerung im Team und individuell für die kommenden Wochen geplant. In Kleingruppen werden in dieser Testreihe Steigerungsläufe durchgeführt, dazwischen nehmen Mitarbeiter der Uni-Medizin den Spielern Blut aus dem Ohrläppchen ab. Nach dem nichtöffentlichen Training heute folgt dann am Freitagmittag im Bruchwegstadion (15 Uhr) das Testspiel gegen den Karlsruher SC, zu dem bekanntlich aus organisatorischen Gründe keine Zuschauer zugelassen sind. Dem Zweitligisten geht es noch schlechter als den Mainzern. Die Mannschaft von Mirko Slomka ist nach der 0:3-Niederlage zu Hause gegen Fortuna Düsseldorf Tabellenletzter. Und in Karlsruhe herrscht dicke Luft. Slomka, seit dem 18. Spieltag neuer Trainer, hat mit nur zwei Siegen aus acht Spielen den Abwärtstrend nicht stoppen können und eine extrem schlechte Bilanz. Der Sportdirektor kritisiert die Profis wegen fehlenden professionellen Verhaltens und kündigte eine härtere Gangart an. Die Mannschaft brauche Druck. Da müsse der Hebel angesetzt werden, sagte Oliver Kreutzer.

Für die Mainzer, vor allen Dingen für die 05-Offensive, ist diese Partie eine gute Gelegenheit, etwas auszuprobieren, Positionen zu wechseln, im Spiel gegen einen klassentieferen Gegner an Lösungen zu arbeiten, am Durchsetzungsvermögen und am Torabschluss. Auch für Bojan Krkic, der gegen die Schalker erstmals vielversprechende Szenen und Ansätze auf der Zehn zeigte, könnte eine längere Einsatzzeit sehr hilfreich sein, um besser in die angedachte Rolle hineinzuwachsen. Das gilt auch für Jairo, der im Heimspiel den Vorzug vor Robin Quaison und Pablo De Blasis erhalten hatte, diese Chance aber nicht nutzte. „Jairo hat über Wochen hinweg gut trainiert und war mit den Einsätzen etwas zu kurz gekommen“, erklärte Martin Schmidt anschließend. „Er war oft in den Trainings der Beste auf dem Platz und irgendwann muss man so etwas auch belohnen. Wir wollten einen neuen Reiz setzen mit ihm und Bojan, die auch mal nach innen, zwischen die Linien gehen sollten. Das Ziel war auch, den Schalker Rechtverteidiger Kehrer nach innen zu ziehen, um auf Linksaußen Räume zu schaffen. Deshalb kamen wir ja in der ersten Hälfte auch auf der linken Seite oft durch“, so Schmidt, der sich aber mehr von Jairo erhofft hatte. „Man rechnet natürlich immer damit, dass der Spieler vom Fleck weg funktioniert, wenn man ihm eine Chance gibt, von Anfang an zu spielen, aber das hat nicht so geklappt.“ Wie schon häufig beim Spanier, der offenbar immer eine geraume Anlaufzeit von mehreren Spielen benötigt, um seine Form und Wirkung zu wiederzufinden. Da kommt ein Testspiel gerade recht.

 

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