Latza-Comeback als Lichtblick

Jörg Schneider. Mönchengladbach
Mit dem Duo Danny Latza und Jean-Philippe Gbamin auf der Doppelsechs schien der Trainer des FSV Mainz 05 die bisher am besten funktionierende Kombination im zentralen Mittelfeld gefunden und für die beiden noch ausstehenden Begegnungen in diesem Jahr parat haben. Nach der Gelb-Roten Karte für den Franzosen beim unglücklichen 0:1 in Mönchengladbach muss Martin Schmidt nun wieder ein neues Paar für das Heimspiel gegen den Hamburger SV auswählen. Latzas starkes Startelf-Comeback nach langer Verletzungspause sollte dabei jedoch extrem hilfreich sein.

Die Auslosung der Zwischenrunde in der Europaliga am Montag dürfte wenig dazu beigetragen haben, die eher düstere Stimmung am Bruchweg aufzuhellen. Manchester United als Gegner für Saint-Etienne, Zenit St. Petersburg für den RSC Anderlecht. Da dürften den Profis des FSV Mainz 05 schon ein paar Gedanken durch den Kopf geschossen sein, was hätte sein können. Was sie in ihrem Europapokal-Intermezzo verpasst haben. Die Gedanken an verpasste Möglichkeiten sind dieser Tage ohnehin Programm beim Bundesligisten. Denn dem Aus im europäischen Wettbewerb folgte prompt die 0:1-Niederlage bei Borussia Mönchengladbach, die ebenso bitter wie unnötig war, die das Team von Martin Schmidt vor den beiden abschließenden Begegnungen in diesem Jahr jedoch in eine Drucksituation bringt, die durchaus vermeidbar gewesen wäre. Die Mainzer bleiben bei ihren 17 Punkten in der Tabelle hängen. Die Situation nach drei Niederlagen in Folge in der Liga ist noch nicht dramatisch, aber alles andere als komfortabel. Die Mannschaft muss noch einiges tun, um den sicheren Mittelfeldplatz in den Spielen am Samstag zu Hause gegen den Hamburger SV und nächsten Dienstag im Derby bei Eintracht Frankfurt nicht zu gefährden.

Mit nur einem Startelf-Einsatz dürfte sich Danny Latza den Stammplatz im defensiven Mittelfeld zurückgeholt haben. Den Platz neben dem Rückkehrer wird Martin Schmidt jedoch wieder neu besetzen müssen: Der ebenso überzeugende Jean-Philippe Gbamin ist gesperrt. Foto: imago„Hätten wir hier was geholt, hätten wir etwas weniger Druck gehabt. So hat sich der Druck stark erhöht. Ganz klar, das Spiel zu Hause gegen den HSV muss gewonnen werden“, sagte Schmidt in Mönchengladbach. Voraussetzung dafür ist zunächst, dass die 05er in dieser Trainingswoche die Nachwehen der Niederlage und die Vorkommnisse im Borussia-Park verdauen, abhaken, die Gedanken an die verpasste Chance, dort wenigstens einen Punkt zu holen aus den Köpfen vertreiben. Genauso wie die Benachteiligungen durch Schiedsrichter Robert Hartmann, der dem Team letztlich mit dem aberkannten Tor von Pablo De Blasis diesen Punkt klaute. Einen Strich drunter ziehen. Den Blick nach vorne richten und die richtige Reaktion zeigen. Das ist die Aufgabe. Vor allen Dingen in den kommenden Tagen jene Mentalität fördern und wirklich heraufbeschwören, die in Mönchengladbach nur im Defensivverhalten vorhanden war, in der Organisation im Spiel gegen den Ball. Nicht aber im eigenen Angriffsspiel. Da war der Wille und die Gier, diesen verunsicherten Gegner tiefer in die Krise zu befördern und selbst einen veritablen Befreiungsschlag zu landen, merkwürdigerweise wenig ausgeprägt. „Im Kopf hat’s gefehlt, hier wirklich gewinnen zu wollen. Der letzte Biss, die letzte Überzeugung war nicht da. Es war eine solide Leistung, aber zu wenig effizient im Torabschluss. Zu viele Abschlüsse, die nicht überzeugend waren“, merkte der 05-Trainer nachher kritisch an.

Und diese Partie wirkt sich auf das bevorstehende Heimspiel aus. Schmidts Vorhaben, eine Startelf in die kommenden Runden zu schicken, die sich eingespielt hat und die Stabilität vergrößert, ist zumindest im zentralen Mittelfeld schon wieder hinfällig geworden durch die Gelb-Rote Karte, die Jean-Philippe Gbamin in der Schlussphase kassierte. Gbamin und Danny Latza auf der Doppelsechs, das war eine vielversprechende Variante, die bisher am besten funktionierende Zentral-Kombination, die in Gladbach die Basis dafür schuf, dass der heim- und spielstarke Gegner in dieser Partie so gut wie nie in sein schnelles und normalerweise druckvolles Kombinationsspiel fand. Das Duo harmonierte, war variabel im Positionsspiel, dominierte weitgehend das Mittelfeld im Spiel gegen den Ball und organisierte einen Defensivblock, der so gut wie keine Torchance aus dem Spiel heraus zuließ.

Unabhängig davon, ob die zwei Gelben Karten für den Franzosen etwas zu hart waren, stand Gbamin nachher intern in der Kritik für das eher unnötige taktische Foul an der Mittellinie, das ihm den zweiten Platzverweis binnen 14 Tagen einbrachte und damit die Zwangspause im so wichtigen Spiel gegen den HSV. „Er hat in dieser Situation im Eifer des Gefechts vergessen, dass er schon Gelb hatte und hat uns natürlich damit einen Bärendienst erwiesen. Ich habe mit ihm schon geredet. Das ist unkonzentriert. Er ist ein junger Spieler, der jetzt richtig Lehrgeld bezahlt“, sagte Schmidt, der nun die Doppelsechs wieder neu besetzen muss. Positiv an dem Auftritt in Mönchengladbach war immerhin, dass Danny Latza bei seinem Startelf-Comeback sofort gezeigt hat, welche Verstärkung der letztjährige Leistungsträger auf Anhieb im Mittelfeld ist.

„Das war wirklich ein ganz hervorragendes Spiel von ihm. So, als ob er gar nicht weg gewesen wäre“, sagte Rouven Schröder nachher erstaunt und erfreut. „Danny hat für Stabilität gesorgt, die Bälle gehalten und verteilt. Er war derjenige, der die Reihen zusammen gehalten und die Fäden gezogen hat. Ein sehr wichtiger Spieler für uns. Das war unheimlich positiv.“ Der Trainer stimmte seinem Sportdirektor uneingeschränkt zu. „Danny hatte eine gute Ballsicherheit. Jean-Philippe war da eher der etwas Unsicherere. Danny und Gbamin haben das Zentrum geschlossen. Das ist eigentlich meine Wunschspielweise. So muss unsere Doppelsechs arbeiten. Es wurde nie brenzlig aus dem Spielaufbau vom Gegner heraus. Sie haben sehr gut die Räume geschlossen, die Halbfelder bearbeitet“, erklärte Schmidt. „Das war ein sehr gutes Comeback bis zu dem Punkt, als er mit Krämpfen in der Wade raus musste.“ Das war immerhin erst nach 80 Minuten.

„Defensiv war das super“, sagte der Mittelfeldspieler, der mehr als ein halbes Jahr gefehlt hatte, nachher. „Gladbach hatte in der ersten Halbzeit keine Torchance. Wir standen sehr hoch, haben früh zugestellt. Ich musste allerdings erst reinkommen. In den ersten 20 Minuten habe ich ganz schön gepumpt. Dann war ich gut im Spiel. Am Ende haben die Kräfte nachlassen“, beschrieb der 27-Jährige seinen Auftritt. „Ich habe mich sehr darüber gefreut nach so einer langen Pause.“

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