Latza: „Hauptsache, das Ding war drin“

Jörg Schneider. Mainz.
Nur die Hälfte des Profikaders stand am Dienstagvormittag zum Start in die Trainingswoche auf dem Übungsrasen. Drei Tage nach dem 1:0-Heimsieg des FSV Mainz 05 im Bundesliga-Abstiegskampf gegen Hertha BSC Berlin gab’s für etliche Profis eine Schonungs-Auszeit, Jogging, Reha-Maßnahmen oder Aufbautraining im Kraftraum. Einer der Fehlenden war Danny Latza, der Siegtorschütze. „Ich hoffe, dass wir in den nächsten Spielen genauso spielen mit dieser Aggressivität, mit diesem Pressing und den Balleroberungen. Wir haben noch nichts gewonnen, wir müssen weiter hart arbeiten und die nächsten Wochen so angehen, wie wir das vor dem Hertha-Spiel getan haben“, sagte der 27-Jährige.

Das war eine stark reduzierte Gruppe, die am Dienstagvormittag die erste Trainingseinheit dieser Woche am Bruchweg absolvierte. Drei Tage nach dem 1:0-Heimsieg des FSV Mainz 05 im Bundesliga-Abstiegskampf gegen Hertha BSC Berlin stand nur die Hälfte des Profikaders auf dem Trainingsrasen zu Beginn der Vorbereitungstage auf das Bayern-Spiel am Samstag. Der Rest joggte, nahm Reha-Maßnahmen in Anspruch oder absolvierte ein Aufbautraining im Kraftraum. Vor allen Dingen einige derjenigen, die gegen Hertha ein hohes Lauf- und Arbeitspensum absolviert hatten wie Jhon Cordoba, Jairo Samperio oder Yoshinori Muto pausierten am Vormittag ganz. Vorbeugende Schonung nennen die 05er das.

Levin Öztunali ist zwar wieder fit, war aber ebenfalls noch nicht wieder im Training. Der Rechtsaußen hatte sich im Abschlusstraining am Karfreitag eine leichte Muskelverhärtung zugezogen und war vom Trainer für die Partie nicht berücksichtigt worden. „Unser Credo war, dass gegen Hertha jeder, der auf dem Platz steht, absolut fit sein muss. Das war Levin nicht. Deshalb war uns das Risiko zu groß“, sagte Martin Schmidt. Karim Onisiwo hat aus dem Heimspiel einige Rückenprobleme mitgenommen und musste deshalb am Dienstag noch pausieren. Gaetan Bussmann (Adduktoren) ist nach wie vor verletzt. Auch Danny Latza, der gegen die Berliner die meisten Kilometer abspulte, die meisten Zweikämpfe führte und gewann und den Siegtreffer erzielte, durfte zum Trainingsstart einen Gang runter schalten und blieb im Kabinentrakt. Der Sechser hatte beim 1:0-Erfolg zusammen mit Fabian Frei das Mittelfeld dominiert. Dem Duo gelangen immer wieder Balleroberung, aus den sie ein ordentliches Umschaltspiel aufzogen oder in den Phasen als der Gegner sehr tief stand gute Aktionen im Spielaufbau aus eigenem Ballbesitz heraus schufen.

Die Erlösung: Danny Latza nach seinem Siegtreffer gegen Hertha BSC (hier mit Daniel Brosinski). Zum Wochenstart durfte sich der Sechser, der im Spiel die besten lauf- und Zweikampfwerte hatte, noch etwas schonen. Foto: Ekkie Veyhelmann „Die Konstellation hat gut gepasst diesmal, aber die Sechser haben sicher vom ganzen Teamverbund profitiert. Wir haben ganz anders wieder verteidigt mit einer anderen Griffigkeit. Wir haben hoch verteidigt, immer mit Druck auf Ball und Gegner“, erklärte der 05-Coach. „Die Stürmer beginnen vorne, die Doppelsechs hängt sich dran. Dann ist es für die auch einfacher, Druck zu machen, wenn sie wissen, die Kette hängt hinten dran, rückt aus und verteidigt alles weg. Das macht den Sechsern Mut, den Schritt nach vorne zu gehen. Wir hatten Spiele wie in Darmstadt, wo wir gesagt haben die Abstände waren zu groß. Da läufst du Kilometer um Kilometer und wenn du dich umdrehst, steht die Kette 30 Meter hinter die. Das haben wir versucht zu verbessern. Diesmal hat alles gepasst. Der Mut ist drin geblieben, der Plan wurde verfolgt, das Tor haben wir gemacht und hatten dabei das nötige Matchglück, um in Führung zu gehen.“ Er habe nie das Gefühl gehabt, es könnte wieder in Richtung Leipzig gehen, als die 05er trotz aller Bemühungen nicht erfolgreich zum Abschluss kamen. „Weil die Bälle diesmal komischerweise dahin gefallen sind, wo sie hinfallen müssen. Die Prellbälle waren Einwürfe für uns, die abgefälschten Schüsse wurden zur Ecke. Es war ein erzwungenes Glück. Das haben wir zuletzt nicht geschafft“, betonte der 50-Jährige.

"Wenn ich die Lücke sehe, schieße ich“

Mit seinem fünften Saisontreffer sicherte Latza seinem Team den Sieg. Der 05er verbucht das Tor für sich, auch wenn die DFL bislang den Berliner Jhon Anthony Brooks, der den Distanzschuss unhaltbar abfälschte, als Schützen führt. „Es ist mir egal, ob es gewertet wird für mich oder als Eigentor. Hauptsache, das Ding war drin“, sagte Latza. „Fabi Frei hat den Ball. Ich rufe, will den Ball haben, will ihn aufs Tor bringen und zum Glück geht der rein. Ich hatte vorher schon den Fernschuss, den der Torhüter gut hält. Wenn ich die Lücke sehe, schieße ich“, erklärte der 27-Jährige. „Wir haben uns gegen Hertha endlich mal belohnt für eine gute Leistung. Wir waren die ganze Woche schon gepolt darauf, so zu spielen, wie wir gespielt haben. Einfach Pressing, einfach Gas geben die ganze Zeit. Jeder hat sich eingebracht, auch die, die auf der Bank saßen. Die Fans waren mega stark, haben uns die ganze Zeit gepusht. Ich glaube, alles das hat sich aufs Team übertragen und wir haben Bock gehabt alles zu geben.“ So müsse es weiter gehen. „Ich hoffe, dass wir in den nächsten Spielen genauso spielen mit dieser Aggressivität, mit diesem Pressing und den Balleroberungen. Wir haben noch nichts gewonnen, wir müssen weiter hart arbeiten und die nächsten Wochen so angehen, wie wir das vor dem Hertha-Spiel getan haben.“

Zustimmung fand Latza dafür bei seinem Nebenmann. „Die Mentalität stimmt, der Zusammenhalt stimmt. Wir wissen, dass wir gefordert sind“, sagte Fabian Frei. Gefordert sind die Mainzer nun am Samstag im Auswärtsspiel beim FC Bayern München. „Da müssen wir schon ein bisschen anders ran gehen als gegen die Berliner“, sagte der 05-Trainer. „Aber das Verteidigen bleibt und den Mut brauchen wir auch.“ Am besten wäre es natürlich, wenn es so wie im vergangenen Jahr laufen würde, als der Mannschaft in München der Überraschungserfolg gelang. „Von zehn, die gegen Bayern spielen, schafft es einer, da was zu holen. Ob wir gerade dieses Jahr wieder auserkoren sind, der eine zu sein, weiß ich auch nicht. Wir werden jedoch alles reinhauen, wir geben kein Spiel auf. Wir gehen mit allem, was wir haben dahin, knallen einen auf den Rasen. Dann werden wir sehen, was dabei rauskommt. Es ist das einzige Spiel aus den letzten fünf, in dem du nichts zu verlieren hast“, so Schmidt. Und Frei meinte: „ Wir gehen nicht nach Bayern, um zu sagen, da haben wir ohnehin keine Chance. Wir sind auch nicht vermessen zu sagen, dass wir mit einem Sieg rechnen, aber wir werden keine Angst haben. Wir wollen fighten. Und dann wird es hoffentlich nicht so einfach für die Bayern.“

 

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