Latza: "Schritt zurück hat gut getan"

Christian Karn. Mainz.
Danny Latza kennt den FSV Mainz 05 als Gegner nur aus Regionalligaspielen mit der zweiten Mannschaft des FC Schalke 04. So lange liegen seine ersten drei Bundesligaspiele zurück; die 05er waren damals ihrerseits noch ein Zweitligist. Nach sechs Jahren - jeweils zwei in der vierten, dritten und zweiten Liga - ist Latza nun wieder ein Bundesligaspieler. Der U19-Europameister von 2008 musste diesen weiten Umweg gehen: "Ich bin gereift und sehe viele Dinge jetzt anders", verrät der Mittelfeldspieler, der vom VfL Bochum zum FSV Mainz 05 wechselte, in der Hoffnung, bald seine vierte Bundesligapartie zu spielen - und viele weitere.

Vor sieben Jahren wurde Danny Latza U19-Europameister. "Der Höhepunkt meiner bisherigen Karriere", sagt der Mittelfeldspieler. Während sich der heutige U19-Jahrgang nun anschickt, den im vergangenen Jahr gewonnenen EM-Titel zu verteidigen (und zwar ohne den Mainzer Devante Parker, der kurzfristig wegen einer Muskelverletzung absagen musste), ist ein Großteil des 2008er-Teams in der Bundesliga etabliert; die meisten als Stammspieler, wenn auch mehrheitlich bei Mittelklassenvereinen. Latza ist nach sechs Jahren in tieferen Klassen zumindest wieder angekommen in der höchsten Liga. Durch seinen Wechsel vom VfL Bochum zum FSV Mainz 05 soll das vierte Bundesligaspiel des Mittelfeldspielers in Kürze folgen. 

Danny Latza hat sich verändert in diesen sechs Jahren. Schon äußerlich; zwar trägt er immer noch eine etwas extravagantere Frisur als die meisten Kollegen, aber lange nicht mehr eine so verwegene wie seinerzeit. "Die Jungs haben das Bild von damals noch nicht in der Kabine aufgehängt", sagt Latza, "aber ich glaube, das kommt noch. Das war so eine Phase bei uns im Pott. Jetzt bleiben die Haare aber, wie sie sind. Vielleicht ein bisschen zur Seite, wenn sie länger werden..."

Aber nicht nur auf dem Kopf, sondern auch im Kopf habe er sich verändert seit seinen ersten drei Bundesligaspielen, sagt Latza. "Ich habe viel gelernt und bin gereift. Es ist ein harter Schritt von der ersten in die dritte Liga, aber er hat mir sicher gut getan." Von der ersten in die dritte Liga? "Ich war im Erstligakader", darauf legt Latza Wert. "Zwei schlimmere Verletzungen" - ein Mittelfußbruch und eine Sprunggelenkblessur - hätten ihn behindert. "Aber das war nicht allein entscheidend, dass ich es bei Schalke nicht geschafft habe", erklärt der Neuzugang. "Der Kopf spielt eine Rolle dabei. Vielleicht war es noch nicht meine Zeit." Als Latza wieder fit war, war inzwischen Felix Magath Schalker Trainer. "Und ich war schnell nicht mehr dabei. Ich habe oben trainiert, aber in der zweiten Mannschaft gespielt."

62 Mal insgesamt in der Regionalliga West, drei davon gegen die zweite Mannschaft der 05er. Die erste kennt er als Gegner noch überhaupt nicht. Latzas drei Bundesligaspiele - acht Minuten in Bochum, eine Halbzeit in Wolfsburg, gar 90 Minuten bei seinem einzigen Erstligasieg, dem 2:0 gegen den Karlsruher SC - fanden in der Saison 2008/09 statt. Die 05er spielten damals mit Jörn Andersen als Trainer, den Torjägern Aristide Bancé und Srdjan Baljak, mit dem Strategen Miroslav Karhan und mit dem Neuzugang Niko Bungert um den Aufstieg aus der 2. Bundesliga - es ist wirklich schon eine Weile her.

Danny Latza - hier unter dem strengen Blick Stephan Kuhnerts im Dreikampf mit den weiteren Neuzugängen Leon Balogun und Florian Niederlechner - sieht sich als "spielstarkes Kampfschwein".2011, im Alter von 21 Jahren, verließ Latza die Schalker, bei denen er schon als Achtjähriger gespielt hatte. "Ich war in meiner Jugend oft im Stadion", erzählt er heute. "In der U17 war ich oft Balljunge in der Bundesliga. Ich kam ja aus der Nähe." Über den SV Darmstadt 98 (zwei Jahre in der 3. Liga) und den VfL Bochum (zwei Jahre in der 2. Liga) ist Latza nun wieder oben. Und sagt: "Ich sehe die Dinge jetzt anders als vor ein paar Jahren."

Ein Sprücheklopfer ist er nicht. Fragen, die so etwas wie ein Eigenlob provozieren wollen, weicht Latza aus. Seine Ambition in Mainz? "Gas geben, auf mich aufmerksam machen, so viele Spiele machen, wie ich bekomme." In welcher Rolle? "Da, wo der Trainer mich aufstellt." Erst auf Nachfrage präzisiert Latza: "Zwischen Sechser und Achter." Welche Stärken er habe? "Puh, das können andere besser beurteilen. Ich habe einen guten Weitschuss und bin laufstark" - und, wieder auf Nachfrage - "ein spielstarkes Kampfschwein." Vom FC Barcelona hält Latza viel, das verrät er schließlich doch, und von Xavi Hernández und Andrés Iniesta versuche er, sich Details abzuschauen: "Wenn nicht von den beiden, von wem dann?" Wie viel er sich tatsächlich abgeschaut hat, wird er in den kommenden Wochen, Monaten, Jahren zeigen können; das erste Weitschusstor hat er im Auftakt-Testspiel schon geschossen.

Und der erste Eindruck von der neuen Umgebung ist gut. "Ich habe mich nach einem guten Gespräch mit Christian Heidel und dem Trainer schnell für Mainz entschieden", sagt Latza. Der Transfer stand schon lange vor Saisonende fest, mit "dem Trainer" meint Latza immerhin schon Martin Schmidt, der Trainerwechsel an Fastnacht spielt also keine Rolle für den neuen 05er. "Die Jungs haben mich gut aufgenommen", erzählt er weiterhin. "Es ist nicht schwer, in die Gruppe reinzukommen. Ich kenne die Jungs noch nicht alle, aber in zwei, drei Wochen sollte das soweit sein, dann wird das normal sein." Die Wohnung in Mainz hat Latza schon gefunden; "wenn die Jungs etwas vorhaben, geht man gerne mit", sagt er, "aber ich werde oft mit meiner Freundin und meinem Kater zuhause sein."

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