Leere Spinde und gesalzene Preise

Jörg Schneider. Mainz.
Der Trainer des FSV Mainz 05 ist sehr zufrieden mit den Neuverpflichtungen, die ihm Rouven Schröder bisher präsentiert hat. Er habe einen wirklich soliden und schönen Kader, sagte Martin Schmidt zum Auftakt der Saisonvorbereitung. Dennoch sei in der Kabine des Bundesligisten noch Platz für weitere Verstärkungen. „Zwei bis drei Spinde sind noch leer. Die können noch eingeräumt werden“, betonte der 49-Jährige. Ganz oben auf der Liste steht die Suche nach einem Ersatz für den abgewanderten Julian Baumgartlinger. Das Problem an der Geschichte: „Die Preise sind gesalzen“, erklärte der Sportdirektor.

Martin Schmidt ist zufrieden mit dem Personal, das ihm der neue Sportdirektor Rouven Schröder bislang zur Verfügung gestellt hat. In der 05-Kabine sei jedoch noch Platz für zwei bis drei weitere Verstärkungen betonte der 05-Trainer in der Auftakt-Pressekonferenz. Foto: Jörg SchneiderSo ganz deutlich zeichnet es sich im Moment noch nicht ab, wie umfangreich letztlich der Kader sein wird, mit dem der FSV Mainz 05 Ende August in seine achte Bundesligasaison in Serie starten wird. In eine Spielzeit, die aufgrund ihrer Belastungen und Herausforderungen mit der Teilnahme an der Gruppenphase der Europaliga erheblich mehr Anforderungen an Qualität und Quantität an das spielende Personal am Bruchweg stellen wird als bisher. 22 konkurrenzfähige Feldspieler, drei Torhüter, plus drei Perspektivspieler aus dem eigenen Nachwuchs – das war die Ist-Stärke des 05-Kaders, mit dem Martin Schmidt und dessen Team den sechsten Platz in der Abschlusstabelle der abgelaufenen Runde eroberten. Damit wird der Coach in diesem neuen Spieljahr, das am Donnerstag mit dem Start in die Vorbereitungsphase begonnen hat, nicht hinkommen. Aktuell sind es schon 23 Profis für die Feldspieler-Positionen sowie drei Torhüter, die auf der Gehaltsliste der Mainzer stehen. Nicht eingerechnet sind Christoph Moritz, der den Klub wahrscheinlich Richtung Kaiserslautern verlassen wird sowie die zuletzt ausgeliehenen Profis (Maximilian Beister, Todor Nedelew und Niki Zimling), die in die eigene U23 versetzt worden sind.

„Es wird schon noch die eine oder andere Fluktuation geben“, sagte Martin Schmidt, der sich in der Auftaktpressekonferenz sehr entspannt gab, gleichzeitig aber auch seiner Begeisterung über den Status quo Ausdruck verlieh und mit großem Tatendrang an das Projekt 2016/17 herangeht. Wenn die Langzeitverletzten Yoshinori Muto und Emil Berggreen nächste Woche ins Mannschafstraining einstiegen, wenn Yunus Malli und Fabian Frei nach ihrem Urlaub zum Team dazu stießen, dann habe der Kader schon mal Vollbestand, sagte der Trainer. „Dann haben wir wirklich einen soliden und schönen Kader.“ Dann sei aber trotzdem noch Platz in der Kabine für weitere Verstärkungen. „Zwei bis drei Spinde sind noch leer. Die können noch eingeräumt werden“, betonte der 49-Jährige. „Ich würde allerdings auch mit dem Kader, wie er jetzt dasteht ohne Probleme in die Saison starten“, sagte Schmidt. „Ich bin gespannt, was noch geht.“

Schmidt hat klare Vorstellungen

Der Schweizer hat klare Vorstellungen davon, was personaltechnisch noch gehen soll. „Ich habe einen Plan und genaue Profile im Kopf. Wenn Spieler da nicht genau hineinpassen, dann will ich sie nicht“, sagte Schmidt. Die Profis, die ihm sein neuer Sportdirektor Rouven Schröder bislang verpflichtet hat, entsprechen offenbar genau diesen Vorstellungen. Trotz aller Zwänge. „Wir haben mit Loris Karius und Julian Baumgartlinger zwei außerordentlich gute Spieler verloren. Aber das kennen wir ja. Wir verlieren selten Spieler, die wir nicht brauchen, sondern solche, die wir unheimlich brauchen. Das war vor einem Jahr mit Johannes Geis und Shinji Okazaki nicht anders. Das ist Mainz 05.“ Ins gleiche Regal zu greifen und Spieler dieser Qualität zu verpflichten, sei für den Klub finanziell nicht darstellbar. „Wir haben deshalb bisher in das Regal gegriffen mit den hungrigen Spielern, die heiß sind auf die Bundesliga, heiß auf die Europaliga“, sagte Schmidt. Beispielsweise mit dem Karius-Ersatz Jonas Lössl, der aus der ersten Liga Frankreichs kam. „Die Torhüter, von denen ich träume, die kann Rouven nicht holen. Also haben wir uns gefragt, wo ist der der hungrige Torhüter, der den nächsten Schritt machen will? Jonas ist so einer. Ein anderer Typ, ein guter Torhüter, der bei uns reinpasst.“ José Rodriguez sei genauso einer aus diesem Regal. „Er ist ein Wunschspieler. Ballsicher, technisch unheimlich versiert. Dass wir da überhaupt rangekommen sind, dafür muss ich Rouven ein Riesenkompliment machen“, sagte der Schweizer. „José ist eine klare Verstärkung für uns als Sechser oder Achter. Er ist aggressiv und macht uns spielerisch besser. Jetzt kommt es darauf an, wo wir ihn hinbringen in dieser Vorbereitung.“ Gerrit Holtmann als schnellster Außenbahnspieler der Zweiten Liga passe genauso in dieses Muster. Und Besar Halimi ist einer, dem der Trainer den Sprung in die Bundesliga zutraut, der in den kommenden Wochen die Chance erhält vorzuspielen und seine Chancen zu nutzen.

Ganz oben auf der Liste der potenziellen Neuzugänge steht allerdings noch der Baumgartlinger-Ersatz. Schmidt sucht einen Aggressive Leader wie den Österreicher, will aber in dieser Hinsicht keinen Schnellschuss, sondern in Ruhe ein Komplett-Paket suchen, das passen muss. „Wir verfolgen mit viel Schwung den einen oder anderen Gedanken“, betonte der Sportdirektor. „Wir müssen aber hundertprozentig davon überzeugt sein.“ Die Transferperiode hat gerade erst begonnen. Noch ist wenig Bewegung auf dem Markt. Ob es am Ende gelinge, den Plan umzusetzen, im Hinblick auf die bevorstehende internationale Präsenz auch noch die eine oder andere gestandene, eventuell international erfahrene Verstärkung an Land zu ziehen, werde man erst am Ende der Transferzeit genau wissen.

„Im Moment überwiegt das Gefühl, dass die Preise sehr gesalzen sind“, sagte Schröder. Solche Verstärkungen müssten schließlich von Anfang an besser sein als die 05-Profis, die aktuell zur Verfügung stünden. „Wenn die nächsthöhere Stufe uns allerdings sieben Millionen Euro kostet wird’s schwierig“, räumte Schröder ein. „Wir sind nicht in der Lage, zwei oder drei Transfers in dieser Größenordnung zu bewerkstelligen. Wir müssen sehr sorgfältig mit unseren Möglichkeiten umgehen.“

Die Voraussetzungen können sich in den kommenden zwei Monaten allerdings noch ändern. Dann, wenn aktuelle 05-Profis auf der Wunschliste nationaler und internationaler Konkurrenz auftauchen. Das Thema Yunus Malli bleibt dabei  akut. Dem türkischen Nationalspieler dürften nach wie vor Angebote vorliegen. „Wir wissen, dass Yunus ein begehrter Spieler ist, aber da sind wir relativ relaxt“, erklärte Schröder. „Yunus ist bei uns fest eingeplant, und aktuell besteht kein Bedarf, ihn in Frage zu stellen. Das wichtigste bei allem ist aber, dass wir das Heft des Handelns in der Hand haben“, so der 05-Sportdirektor.

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