Leistung steht über der Systemfrage

Jörg Schneider. Mainz.
Der FSV Mainz 05 gehört zu jenen Mannschaften in der Bundesliga, die es in der Vergangenheit immer wieder mal geschafft haben, den großen FC Bayern München zu schlagen. Zuletzt gelang dies in der Rückrunde der vergangenen Saison. Heute Abend erwarten Martin Schmidt und dessen Profis jedoch einen Rekordmeister in der Opel Arena (20.30 Uhr), der vom Gejagten zum Jäger geworden ist, also entsprechend gereizt und zielorientiert sein dürfte. „Die Herausforderung für uns ist nicht kleiner geworden“, sagt der 05-Trainer. „Egal, wo die stehen, die wissen was sie zu tun haben. Das wird ein Spiel werden, dass uns absolut alles abverlangt.“

So jubelten die 05er im März dieses Jahres nach dem Treffer von Jhon Cordoba zum 2:1-Sieg beim FC Bayern München. Was geht heute Abend bei den Mainzern in der Opel Arena? Foto: ImagoGroße Bühne für die Profis des FSV Mainz 05. Erstmals in dieser Saison ist die Opel Arena komplett ausverkauft. Die Partie heute Abend um 20.30 Uhr gegen den FC Bayern München wird live im Free-TV ausgestrahlt bei „sky Sport News HD“. Die Chance für Martin Schmidt und dessen Mannschaft, sich einem breiten Publikum von seiner besten Seite zu zeigen. Möglicherweise sogar so, wie im März dieses Jahres, als die Mainzer durch die Treffer von Jairo und Jhon Cordoba einen überragenden 2:1-Sieg in der Allianz Arena gegen die bayerische Weltauswahl feierte?

„Dieses Spiel im Frühling ist sicher in den Köpfen unser Spieler drin“, sagt der 05-Trainer vor dem Flutlicht-Knüller. „Vor allem die Gewissheit: Wir können Bayern schlagen. Sonst erzählst du als Trainer immer nur, dass wir das können und es auch schon andere geschafft haben. Jetzt ist der Ansatz da, dass wir sagen können, wir haben es geschafft. Dann wächst im Kopf, man kann es, wenn man alles reinwirft, was man hat und an einem Tag alles richtig macht“, erklärt der 49-Jährige. „Das ist erstmal wichtig, aber man muss auch sehen, die haben jetzt die erste richtige, komplette Trainingswoche gehabt seit Wochen und Monaten. Die haben Vollbestand im Kader. Und sie wissen, sie haben das letzte Spiel gegen Mainz verloren.“ Deshalb richten sich Trainer und Team auf einen nicht zuletzt auch aufgrund der aktuellen Situation extrem gereizten und motivierten Gegner ein. Einen Gegner, der in dieser Saison unter seinem neuen Trainer Carlo Ancelotti bereits neun Punkte hat liegen lassen und mit drei Zählern Rückstand auf die Leipziger nur Platz zwei in der Tabelle belegt. Einen Gegner, der wie Schmidt es mal beschrieben hat, die Mainzer längst nicht mehr als kleines „Mainz-komma-nullfünf“ betrachtet, sondern der aufgrund seiner Erfahrungen mit den Rheinhessen seit geraumer Zeit höchst konzentriert und vor allen Dingen zielorientiert zu Auswärtsspielen in der Arena erscheint. Die letzten vier Begegnungen in Mainz gingen alle an den Rekordmeister.  

„Wir haben sie im Frühling auf einem leichten Fuß erwischt“, erinnert sich der 05-Trainer. „Wenn du einen großen Vorsprung in der Tabelle hast, kann es sein, dass eine Phase aufkommt, in der man nur 99 Prozent statt hundert gibt. Jetzt haben wir andere Voraussetzungen. Da, wo sie jetzt stehen, auf dem zweiten Platz, da wollen sie nicht bleiben. Sie wollen unbedingt mehr und unbedingt gewinnen. Sie sind gierig. Ich glaube nicht, dass dadurch für uns ein Vorteil entsteht. Im Gegenteil. Wir erwarten eher eine heftige Reaktion, auf die wir gefasst sein müssen. Die Herausforderung für uns ist nicht kleiner geworden. Egal, wo die stehen, die wissen was sie zu tun haben.“ Man dürfe sich in Mainz nicht einreden, sagt Schmidt, dass da durch einen neuen Trainer und das eine oder andere nicht so gut gelaufene Spiel etwas Leichteres auf die 05-Profis zukomme. „Das wird ein Spiel werden, dass uns absolut alles abverlangt.“

Verfolgt der Coach einen besonderen taktischen Ansatz, beim Versuch dem Meister erneut ein Bein zu stellen? „Es gibt verschiedene Ansätze, die Bayern zu schlagen“, weiß der Schweizer. „Man hat diese Saison gesehen, dass diejenigen, die gegen Bayern gewonnen oder gepunktet haben, ganz unterschiedliche Ansätze pflegten. Man kann jedoch nicht sagen, mit dem System hat man eine Chance und mit dem System gewinnt man.“ Für Schmidt steht deshalb die Systemfrage heute Abend nicht im Vordergrund. „Sondern das, was das Team leistet und das, was wir an anderen Komponenten in die Waagschale werfen müssen. So, wie ich unseren Erfolg im Frühling auch nicht an der Taktik festmache, die wir gewählt haben, sondern an der Leistung und den Werten. Das ist das, was wir brauchen. Die richtige Einstellung, die Kampfeslust.“

Der 05-Sportdirektor sieht das genauso. „Das, was uns ausmacht, müssen wir in dieses Spiel einbringen. In der Gruppe bestehen, alles abrufen, funktional sein, ein echtes Heimspiel abliefern und das nötige Quäntchen Glück haben, dann hast du gegen jeden Gegner eine Chance“, betont Rouven Schröder. „Wir wissen, wer uns gegenübersteht und sind hundertprozentig davon überzeugt, dass wir eine gute Leistung abliefern werden.“

Die Zuversicht ist groß beim Bundesligisten. Ein Punktgewinn heute Abend wäre ein starkes Signal im Hinblick auf das Restprogramm bis Weihnachten. Mit den Auswärtsspielen in Gladbach und Frankfurt sowie zu Hause gegen den Hamburger SV wartet anschließend noch viel und harte Arbeit auf die 05-Profis. „Das letzte Spiel haben wir verloren, im Spiel drauf muss man wieder in die Spur kommen und punkten. Das steht im Vordergrund“, sagt Schmidt. „Wir haben dem Team ein Ziel gestellt, was wir bis Winter erreichen wollen. Das wollen wir angehen.“

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