Lockere Vögel vergeblich gesucht

Jörg Schneider. Mainz.
Gelingt es dem FSV Mainz 05 erstmals seit dem vergangenen September, mal wieder zwei Spiele hintereinander zu gewinnen? Der Wunsch und die mentale Einstellung dafür seien da, sagt Martin Schmidt, dem 2:0-Auswärtssieg in Leverkusen einen weiteren Erfolg am Samstag zu Hause gegen den VfL Wolfsburg folgen zu lassen. „Alle wissen, jetzt müssen wir daheim nachlegen. Die Chancen sind groß“, beschreibt der 05-Trainer die Stimmungslage seines Teams. Der Auftrag an die 05er: Ein Heimspiel draus machen und das zurecht biegen, was gegen Bremen verbogen worden ist.

Anzeichen, die befürchten lassen, die Profis des FSV Mainz 05 könnten nach dem souveränen 2:0-Auswärtssieg bei Bayer Leverkusen in dieser Woche in einen Trott zurückfallen wie vor dem Bremen-Spiel, hat der Trainer in den vergangenen Tagen nicht erkennen können. Vor zwei Wochen war das Bundesligateam zu Hause nach dem Erfolg gegen die Augsburger mit etwas zu viel Laissez-faire in die nachfolgende Partie in der Opel-Arena gegangen hat hatte prompt die Quittung dafür erhalten in Form einer 0:2-Niederlage.

Jhon Cordoba und Yoshinori Muto: Beide warten noch auf ihr erstes Tor im neuen Jahr. In Leverkusen stimmte jedoch die Leistung. Gibt's für das Duo nun einen gemeinsamen neuen Anlauf gegen die Wolfsburger? Foto: Imago„Die Fokussierung auf dieses Spiel ist sehr gut“, sagte Martin Schmidt in der Spieltags-Pressekonferenz am Donnerstag. „Ich war überrascht, mit welcher Konzentration die Mannschaft schon nach dem Rosenmontag wieder trainiert hat. Es war kernig. Ich bin sehr zufrieden. Man hat gemerkt, dass dieses für uns wichtige Spiel ansteht.“ Außerdem habe wohl auch der Trainerwechsel beim Gegner Anfang der Woche die 05-Spieler zusätzlich aufgerüttelt. „Sollten da Gedanken aufkommen, dass die Mannschaft, gegen die wir nun spielen, in den vergangenen Wochen nicht so gut war und wir sie eigentlich locker schlagen können, hat das vieles verändert. Jetzt wissen alle: Neuer Trainer. Neues Spiel, neues Glück. Jetzt geht’s ab. Da war nix von lockeren Vögeln zu sehen bei uns. Eine gewisse Gelassenheit ist natürlich da, weil man ein gutes Spiel abgeliefert hat, aber es ist auch sehr viel Selbstbewusstsein und Vertrauen da. So kommt es rüber. Alle haben volles Rohr trainiert.“

Die Zuversicht beim 49-Jährigen ist jedenfalls groß, dass seine Mannschaft am Samstag im eigenen Stadion ähnlich auftritt wie zuletzt in der Fremde und von der ersten Minute an zeigt, dass sie diese Partie gewinnen, die gute Gelegenheit nutzten will, sich mit einem weiteren Erfolg über die 30-Punkte-Marke zu schieben. „Man kann ja aus der jüngsten Geschichte viel lernen“, sagt Schmidt. „Als Trainer kann man sagen, macht es nicht so wie beim letzten Mal, lasst nicht nach. Ihr wisst, was sonst passieren kann. Das ist sicher ein Instrument, das man nutzt. Dazu kommt, dass man mit diesem Auswärtssieg, der gut getan hat, den Bann gebrochen hat. Das ist bei den Spielern jetzt ebenfalls drin. Das Grundgefühl ist da. Alle wissen, jetzt müssen wir daheim nachlegen. Die Chancen sind groß.“ Ein Heimspiel draus machen und das zurecht biegen, was gegen Bremen verbogen worden ist. Das ist der Auftrag an das 05-Team. „Das haben die Spieler ja auch selbst direkt nach dem Sieg in Leverkusen gesagt. Das ist spontan aus ihnen herausgekommen. Das kann man durchaus als Stimmungsbild nehmen, und so habe ich das Team diese Woche auch gesehen.“

Die Frage wird sein, wie der 05-Trainer diesmal aufstellt. Vom Ansatz her dürfte die Wolfsburger Spielweise ähnlich der von Bayer 04 sein. Mit viel Qualität, vor allen Dingen in der Offensive. An der eigenen Abwehr gibt es wahrscheinlich nichts zu verändern. Das Duo Stefan Bell und André Ramalho hat sich bewährt in der Innenverteidigung und strahlt mehr und mehr Sicherheit aus. Gaetan Bussmann empfahl sich im Auswärtsspiel ebenso wie Giulio Donati, dessen Schulterprobleme wieder behoben sind. Möglicherweise rückt Jean-Philippe Gbamin wieder anstelle von Fabian Frei auf die Doppelsechs neben Danny Latza, obwohl der Schweizer zuletzt eine starke Vorstellung geboten hat. „Wir wollten in der Herangehensweise etwas ändern und bei den Spielertypen, wollten nicht nur zwei Ballarbeiter und reine zweikampstarke Sechser haben. Fabian bringt einen Schuss Spiel-Kreativität rein. Gegen den Ball war ich mit den beiden sehr zufrieden. Vor allem mit Frei, denn das ist das, an dem wir ihn messen. Wenn er das erfüllt, bringt er etwas Zusätzliches ein“, erklärte Schmidt. „Das zusätzliche Einbringen, daran müssen wir noch arbeiten, das hat mir noch nicht so gefallen, denn wir haben in Leverkusen nach Balleroberungen zu viele Bälle zu schnell wieder hergegeben. Wir hatten auch wenig Ballbesitz nach Balleroberung. Das war zum Teil so gewollt, aber hin und wieder braucht man auch mal einige Pässe, um das Spiel zu beruhigen. Daran haben wir in dieser Woche weiter gearbeitet. Deshalb bin ich gespannt, welches Duo dann am Samstag auf der Doppelsechs steht.“

In der Offensive hat der Trainer die freie Auswahl. Levin Öztunali und Pablo De Blasis, die in Leverkusen vor allem die erste Halbzeit prägten. Jairo Samperio drängt zurück ins Team. Bojan Krkic hat sich weiter integriert und könnte als technisch starker Passgeber eine Rolle finden in Schmidts Matchplan auf der zehn gegen die Wolfsburger. An Jhon Cordoba geht ohnehin kein Weg vorbei im Moment. Und auch Yoshinori Muto präsentierte sich im Auswärtsspiel in guter Verfassung, auch wenn der Japaner letztlich nur an einer wesentlichen Abschlussszene beteiligt war. „Yoshi wird von Spiel zu Spiel, von Trainingswoche zu Trainingswoche besser. Nach Leverkusen kann man sagen, er ist nah dran am Maximum. Was ihm noch fehlt, ist die Tor-Vorbereitung und eigene Tore. Wir brauchen jedoch für ein Spiel nicht elf Spieler, die bei hundert Prozent sind, sondern mindestens 15.“

Dazu gehört inzwischen auch Robin Quaison. Der Neuzugang gab in Leverkusen sein 05-Debüt, wenn auch nur für kurze Zeit. „Mit ihm bin ich sehr zufrieden“, sagte der 05-Trainer. „Da hat Rouven Schröder ein gutes Händchen gehabt, ihn  zu verpflichten. Er tut uns gut. Wir brauchen ihn, und er wird uns viel Freude bringen. Im Training zeigt er schon, was er zusätzlich hat, was wir so nicht haben. Für ihn war wichtig, mal im Kader zu stehen. Jetzt ist er angekommen. Jetzt hat er gespielt. Jetzt gehört er richtig dazu. Der Druck ist mal weg.  Jetzt kommt der nächste Schritt. Athletisch ist er dabei, in den Abläufen wird er von Woche zu Woche besser“, betonte Schmidt. „Es kommen Spiele, in denen seine Hemdsärmeligkeit, seine Zweikampfstärke gefragt ist, dann werden wir ihn vermehrt auf dem Platz sehen.“

 

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