Mainz 05 gewinnt gegen Heinz Müller

Jörg Schneider. Mainz.
Der FSV Mainz 05 hat einen wichtigen Erfolg vor dem Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz errungen. Die vierte Kammer unter Vorsitz von Richter Michael Bernardi kippte am Mittwoch die erstinstanzliche Entscheidung des Arbeitsgerichtes Mainz im Falle Heinz Müller. Das LGA stellte in seinem Urteil fest, dass die Befristung von Müllers Arbeitsvertrag wegen der Eigenart der geschuldeten Arbeitsleistung als Profi-Fußballer sachlich gerechtfertigt war. Dem Ex-Torhüter steht danach auch keine Abfindung zu. Das Gericht hat jedoch eine Revision vor dem Bundesarbeitsgericht zugelassen.

Niederlage für Heinz Müller vor dem Landesarbeitsgericht gegen Mainz 05: Der befristete Arbeitsvertrag des ehemaligen 05-Torhüter war zulässig. Der 37-Jährige erhält keine nachträglichen Prämienzahlungen. Foto: Jörg SchneiderBundesligavereine dürfen auch weiterhin befristete Arbeitsverträge abschließen. Das hat die vierte Kammer des Landesarbeitsgerichts Rheinland-Pfalz am Mittwoch in Mainz in der Berufungsverhandlung zwischen dem FSV Mainz 05 und dessen früheren Torhüter Heinz Müller entschieden. Der vorsitzende Richter Michael Bernardi kippte damit das erstinstanzliche Urteil des Mainzer Arbeitsgereichtes mit der Begründung, dass die Befristung eines Arbeitsvertrages zwischen einem Bundesligaverein und einem Lizenzspieler zulässig ist, wenn sie durch einen sachlichen Grund gerechtfertigt ist. Im Fall Müller sei die Befristung wegen der Eigenart der geschuldeten Arbeitsleistung als Profi-Fußballer gerechtfertigt.

Die Entscheidung darüber, ob ein Spieler in Bundesligaspielen eingesetzt werde, unterliege dem freien Ermessen des Trainers. Die Entscheidung von Mainz 05, dem Torhüter die Chance auf die Teilnahme am aktiven Spielbetrieb zu verweigern und ihm damit die Möglichkeit zu nehmen, die vereinbarte Punkteprämie in der Rückrunde der Saison 2013/14 zu erreichen, sei rechtlich nicht zu beanstanden gewesen. Bernardi bekräftigte dabei, dass er den Aussagen des damaligen Trainers Thomas Tuchel folge, dessen subjektive Einschätzung in Sachen Müller nachvollziehbar und ausschlaggebend gewesen sei. Deshalb bestehe auch kein Anspruch auf eine Zahlung der entgangenen Prämien. Müller hätte damals 23 Spiele absolvieren müssen, damit die Option auf Vertragsverlängerung beim Klub gegriffen hätte. Weil ihn Tuchel ihn nach zehn Einsätzen in die zweite Mannschaft abgeschoben hatte, klagte Müller auf Zahlung von 261.000 Euro plus fünf Prozent Zinsen für entgangene Prämien. Das Gericht stellte zudem fest, dass dem Ex-Keeper auch keine Abfindung zusteht. Der 37-Jährige muss die Kosten des Verfahrens tragen.

Bernardi hatte bereits vor der Urteilsverkündung angekündigt, dass seine Kammer eine Revision zulassen werde. Das bedeutet, dass der Fall an das Bundesarbeitsgericht (BAG) in Erfurt oder sogar gleich an den Europäischen Gerichtshof (EuGH) weitergegeben werden könnte, falls sich Müller und dessen Rechtsvertreter dazu entschließen, erneut in Berufung zu gehen. „Wir lassen uns dieses Urteil in allen Einzelheiten erst einmal schriftlich zukommen, werden es dann in Ruhe bewerten und intern beraten, ob wir in die nächste Instanz gehen. Immerhin ist heute deutlich geworden, welche Bedeutung das Gericht der Thematik grundsätzlich beimisst, weil es den Weg zum Bundes-Arbeitsgericht offen lässt“, sagte Müller-Anwalt Horst Klettke. „Ob wir diesen Weg gehen, müssen wir sehen. Wir sehen das Urteil heute nicht als Niederlage sondern als ein Urteil zwischen der ersten und der dritten Instanz. Es gibt für alle Positionen Begründungen, die man nicht mit einem Fingerstreich wegwischen kann.“

Harald Strutz und Christian Heidel verfolgten die Berufungsverhanldung für den verein. Foto: Jörg SchneiderHarald Strutz verfolgte als Vertreter von Mainz 05 die Verhandlung mit unbewegter Miene – zusammen mit Christian Heidel und Rechtsanwalt Dr. Johann-Michel Menke von der Hamburger Kanzlei Heuking-Kühn-Lüer-Wojtek, die den Klub vertrat. Nach dem Urteil zeigte sich der 05-Präsident sichtlich entspannt und hoch erfreut. „Wir sind natürlich enorm erleichtert, auch wenn das Urteil noch nicht rechtskräftig ist", sagte Strutz. „Natürlich stand diese Entscheidung heute im besonderen Fokus. Wenn ein Landesarbeitsgericht in dieser Ausführlichkeit die Argumente für einen befristeten Arbeitsvertrag und die Möglichkeit befristete Arbeitsverträge abzuschließen, so deutlich zu erkennen gibt, dann ist das ein Tag, der nicht nur für Mainz 05 eine besondere Bedeutung hat, sondern auch für den gesamten Profi-Sport.“

Zuvor hatten Strutz und Heidel für eine Überraschung im Prozess-Verlauf gesorgt. Als Richter Bernardi nach einer guten Stunde die Verhandlung unterbrach und einen Vergleich der beiden Parteien vorschlug, kehrten die 05er in den Saal zurück, lehnten Vergleichsverhandlungen ab, bestanden auf einem Urteil. „Wir haben da etwas gezockt“, bestätigte Heidel später. Die Mainzer Verantwortlichen hatten nach Rücksprache in der Pause mit einigen Prozessbeobachtern, Rechtsanwälten der DFL und des DFB, das Gefühl, dass der Richter ihren Argumenten gegenüber aufgeschlossen sei.

„Für uns war es ganz wichtig, Flagge zu zeigen“, sagte Strutz. „Wir haben auch eine Verpflichtung, im Interesse unserer Vereinsmitglieder zu handeln, weil es ging ja nicht nur um die Frage des befristeten Arbeitsvertrages, sondern es standen ja auch sehr hohe Entschädigungsansprüche an. Von daher haben wir uns entschlossen, heute eine Entscheidung herbeizuführen.“ Gerade in der Situation der vergangenen Wochen, in den der 05-Vorstand heftig kritisiert worden sei, sagte der 05-Präsident, „haben wir auch mal gezeigt, dass wir für den Verein kämpfen.“

Die Entscheidung des Gerichts sei zwar vorläufig und noch nicht rechtskräftig, aber die Kammer habe sie mit sehr guten Argumenten bestätigt. „Ich glaube, wir haben jetzt in aller Deutlichkeit ein ausführliches Urteil zu erwarten, in dem alle Aspekte dann auch noch mal schriftlich niedergelegt sind. Ich habe keine Veranlassung, dem nicht entspannt entgegenzusehen.“ Strutz will allerdings nicht nachträglich in Verhandlungsgespräche mit Müller gehen, um dem Torhüter den eventuellen Gang in die nächste Instanz quasi abzukaufen. „Das ist nicht unser Stil. Das wäre auch der falsche Weg.“

Vor dem LGA war es am Mittwoch im Prinzip nur vordergründig um den Streit zwischen Müller und dem Verein gegangen. Müller hatte vor dem Mainzer Arbeitsgericht auf „Feststellung des Fortbestandes als unbefristetes Arbeitsverhältnis" geklagt und gewonnen. Die 05er gingen in Berufung vor dem LGA. Wäre die vierte Kammer nun in der Verhandlung diesem Urteil der ersten Instanz gefolgt, hätte dies möglicherweise tiefgreifende Neuerungen im gesamten Profibereich nach sich ziehen können. Die Profiklubs befürchteten ähnliche Folgen wie nach dem Bosman-Urteil im Jahr 1995. „Dieses Urteil dient dem Fußball und ist eine sehr gute Entscheidung“, sagte Heidel nachher. „Es wäre sonst ein großes Problem für den gesamten Mannschaftssport entstanden. Ein anderes Urteil hätte ein ganzes System aus den Angeln gehoben.“

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