Mainz 05 holt Levin Öztunali

Christian Karn/Jörg Schneider. Mainz.
Zwei Tage vor dem Start in die neue Bundesligasaison hat der FSV Mainz 05 einen weiteren Neuzugang verpflichtet: Wie der Verein am Donnerstag vermeldete, unterschrieb Levin Mete Öztunali einen Fünfjahresvertrag am Bruchweg. Der 20-Jährige war zuletzt von Bayer Leverkusen an Werder Bremen verliehen. Der Juniorennationalspieler, den die 05er als Option für alle Offensivpositionen sehen, erhält die Rückennummer 8. „Die Konstellation war so günstig und so elegant, dass wir das einfach machen mussten“, sagte Rouven Schröder. „Das ist für einen Trainer wie mich eine Hammersache, einen solchen Spieler dazu zu kriegen", erklärte Martin Schmidt.

Levin Mete Öztunali

* 15.03.1996 in Hamburg, 185 cm, 74 kg.

Bisherige Vereine: TuRa Harksheide (bis 2004), Eintracht Norderstedt (2004-06), Hamburger SV (2006-13), Bayer Leverkusen (2013-14), Werder Bremen (2015-16), Bayer Leverkusen (2016).

Spiele und Tore: 56 Bundesliga/2 Tore (15 für Leverkusen, 41/2 für Bremen), 13 Regionalliga/1 Tor für Leverkusen II, 6 DFB-Pokal (1 für Leverkusen, 5 für Bremen), 1 Champions League für Leverkusen, 48 U15-U21-Länderspiele/ 6 Tore für Deutschland.

U19-Europameister 2014.

Die Diskretion, in der Rouven Schröder seine Transfers abwickelt, ist erstaunlich. Ohne Vorwarnung und ohne durch die Gerüchteküche zum müssen, verpflichtete der FSV Mainz 05 zwei Tage vor dem Bundesligastart bei Borussia Dortmund den Mittelfeldallrounder Levin Mete Öztunali. Der 20-jährige Hamburger, ein Enkel der Stürmerlegende Uwe Seeler, soll am Buchweg die Offensive verstärken. Öztunali unterschrieb einen Vertrag über fünf Spielzeiten. Wie hoch die Ablöse ist, die die Mainzer nach Leverkusen überweisen müssen, ist nicht bekannt. Die Äußerungen des 05-Sportdirektors dazu, lassen jedoch vermuten, dass der zuletzt von Bayer 04 an Werder Bremen ausgeliehene Profi, eine Art Schnäppchen für den Bundesligisten war. „Die Konstellation war so günstig und so elegant, dass wir das einfach machen mussten“, sagte Rouven Schröder im Rahmen der Pressekonferenz am Donnerstag. „Levin Öztunali ist ein hoch veranlagter wie flexibler offensiver Mittelfeldspieler, der in Leverkusen und Bremen sein Leistungsvermögen bereits nachhaltig unterstrichen hat. Wir freuen uns, dass wir mit ihm unsere Qualität im Kader noch einmal steigern können.“

Martin Schmidt zeigte sich begeistert von dieser Verpflichtung. „Das ist für einen Trainer wie mich eine Hammersache, einen solchen Spieler dazu zu kriegen. Der wird jetzt bei uns die Konkurrenz noch einmal befeuern. Das ist das, was wir unbedingt brauchen“, sagte der 05-Trainer. „Er ist ein 96er Jahrgang, ein junger Spieler der schon seit drei Jahren in der Bundesliga aufläuft, ein schon gestandener Spieler. Eine unheimliche Kanone auf der Außenbahn. Er kann da vorne alle Positionen spielen. Wir haben uns gesagt, wenn wir was machen, dann suchen wir einen der links, rechts und hinter der Spitze spielen kann. Da die Möglichkeit plötzlich da war, haben wir es gemacht. Wir kriegen einen topfitten Spieler, der bei Leverkusen die komplette Vorbereitung gemacht hat, die Testspiele, in allen Inhalten eingebunden war.“

Künftig Kollegen im 05-Angriff: Jhon Cordoba und Neuzugang Levin Öztunali. Foto: ImagoVor ein paar Jahren wurde Öztunali als eins der größten Talente des deutschen Fußballs gehandelt. Tatsächlich hat der 20-Jährige noch nicht auf allerhöchstem Niveau durchgesetzt, nur so kann er für die 05er erschwinglich geworden sein. Dennoch hat Öztunali in seinem jungen Alter schon bemerkenswerte 56 Bundesligaspiele absolviert, zuletzt während einer 51 Spieltage währenden Leihe 41 für Werder Bremen, selten über 90 Minuten, überwiegend aber in der Startelf. Werder hätte den U19-Europameister von 2014 und aktuellen U21-Nationalspieler gern gehalten, konnte sich aber mit Leverkusen auf keinen erneuten Transfer verständigen.

„Wir haben immer gesagt, dass wir uns grundsätzliche Gedanken machen. Durch den Ausfall von Emil Berggreen und nun auch von Jairo mussten wir uns zusammensetzen. Wir haben immer gesagt, wenn wir von einem Spieler hundertprozentig überzeugt sind und er uns kurzfristig helfen kann, werden wir es gerne tun. Diese Konstellation hat nun perfekt gepasst. Wir sind alle sehr zufrieden, dass es geklappt hat“, erklärte Schröder. Und auch warum die Mainzer der Konkurrenz wie dem ebenfalls interessierten Hamburger SV den Spieler wegschnappen konnten. „Ich glaube einfach, dass wir mit der Nische des Vereins, mit der Strahlkraft des Vereins, mit dem Cheftrainer, mit allem, was wir zu bieten haben, ein wichtiges Faustpfand besitzen. Wir können authentisch zeigen, was wir sind, was wir können und welche Perspektiven wir Spielern aufzeigen können. Wir können mit dem Werben, was wir haben. Das hat den Ausschlag gegeben“, so der Sportdirektor.

„Mainz 05 ist genau der richtige Verein für den nächsten Schritt in meiner Karriere. Die Spielweise von Mainz 05 ist aggressiv und immer nach vorne ausgerichtet. Das passt gut zu mir. Ich möchte hier sofort Gas geben, schnell in der Mannschaft Fuß fassen und ihr auf dem Platz helfen“, sagte Öztunali bei der Vertragsunterschrift. Der 20-Jährige wird heute erstmals im Nachmittagstraining am Bruchweg zu sehen sein und am Freitag das Abschlusstraining mit den 05ern absolvieren. Ob Öztunali dann in Dortmund bereits seinen ersten Einsatz hat, „muss dann der Trainer entscheiden, wann der richtige Zeitpunkt da ist. Die Spielgenehmigung wird auf jeden Fall da sein“, betonte Schröder. Normalerweise sollte die Kaderplanung der 05er mit diesem Transfer abgeschlossen sein, doch das Wechselfenster ist noch bis zum 31. August offen. Da kann sich noch etwas tun. Auch in Sachen Abgänge. „In den letzten Tagen vor Toresschluss kommen die skurrilsten Geschichten auf den Tisch. Da kommen die tollsten Menschen auf die tollsten Gedanken, aber es ist nichts spruchreif“, sagte Schröder, räumte aber ein: „ausschließen kann man es nicht.“

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