Mainz 05 treibt Schulden mit Hilfe der Fifa ein

Jörg Schneider. Mainz.
Der FSV Mainz 05 gehört zu jenen deutschen Vereinen, die schlechte Erfahrungen mit Spieler-Transfers in die Türkei gemacht haben. Laut einer Exklusiv-Story von „Sueddeutsche.de“ stehen derzeit in rund 30 Fällen Zahlungen ausländischer Vereine in Höhe von insgesamt 13 Millionen Euro aus. 05-Manager Christian Heidel wartet demnach noch immer auf 175.000 Euro, die Kayserispor aus der Türkei den Mainzern aus dem Transfer von Hasan Ali Kaldirim aus dem Jahr 2010 schuldig ist. Inzwischen gibt es durch einen Transfer von Deniz Yilmaz einen weiteren zahlungsunwilligen Schuldner.

Deutsche Klubs, die einen Spieler ins Ausland, vor allem nach Italien oder in die Türkei transferieren, warten oft ewig auf ihr Geld. Das geht aus einer Exklusiv-Geschichte von „Süddeutsche.de“ hervor, die sich mit der schlechten Zahlungsmoral im Fußball beschäftigt. Der Autor Hans Leyendecker schreibt, dass in den beiden höchsten deutschen Fußball-Ligen derzeit in rund 30 Fällen Zahlungen ausländischer Vereine ausstünden. „Insgesamt geht es geschätzt um knapp 13 Millionen Euro“, heißt es in dem Artikel.

Leyendecker hat unter anderem den Fall Rafinha herausgearbeitet. Der Brasilianer, der heute beim FC Bayern München spielt, war im Sommer 2010 vom FC Schalke 04 zum FC Genua nach Italien in die Serie A gewechselt. Für eine Ablösesumme von sieben Millionen Euro. Der italienische Erstligist hat nach Informationen von „Sueddeutsche.de“ im September 2011 die erste Rate in Höhe von 3,25 Millionen Euro gezahlt. Und danach nichts mehr. Ein Fall, der die DFL, den DFB, UEFA und FIFA beschäftigte. Trotzdem hat der FC Genua bis heute nicht alles gezahlt. Mit Verzugszinsen sollen die Schalker eine Restschuld von über 4,7 Millionen Euro bislang vergebens einfordern. Nach einem Urteil des Fifa-Disziplinargremiums von Anfang Oktober, das der „Süddeutschen Zeitung“ vorliege, droht Genua ein Punktabzug, falls der Klub nicht binnen 90 Tage bezahlt habe. „Falls der Verein dann immer noch stur bleibt, droht der Zwangsabstieg in die Serie B. Und falls der italienische Verband Anweisungen der FIFA ignorieren sollte, könnte das, so Punkt sechs der Entscheidung, zum Ausschluss Italiens von allen Fifa-Wettbewerben führen‘“, heißt es in dem Artikel.

Doch die Schalker sind nicht die einzigen, die aufs Geld warten. Betroffen sind nach Leyendeckers Recherchen unter anderen auch der 1. FC Köln, der FSV Frankfurt, der 1. FC Kaiserslautern, der VfL Wolfsburg, Bayer Leverkusen und auch der FSV Mainz 05.

Links: Hasan Ali Kaldirim im 2009er-Trikot von Mainz 05. Fünf Jahre später ist der Verteidiger Nationalspieler der Türkei; die komplette Ablöse haben die 05er immer noch nicht erhalten. Rechts: Deniz Yilmaz, der 2011/12 für die 05er spielte, nun von Elazigspor zu Trabzonspor gewechselt ist; auch an diesen Transfer steht den 05ern vertragsgemäß ein Anteil an der Ablöse zu.„Sueddeutsche.de“ schildert ausführlich die beispielhafte Geschichte um den Wechsel von Hasan Ali Kaldirim zum türkischen Klub Kayserispor im Januar 2010. Kaldirim, vom 1. FC Kaiserslautern nach Mainz gewechselt, hatte 19 Einsätze für das 05-Regionalligateam absolviert und wechselte für eine Ablösesumme von 100.000 Euro in die Türkei. Diesen Betrag zahlte der aufnehmende Klub auch. Die Zusatzvereinbarung, nach der den 05ern bei einem weiteren Wechsel innerhalb der Vertragslaufzeit 20 Prozent der Transfersumme zustand, ignorierte Kayserispor, als Kaldirim für 3,75 Millionen Euro zu Fenerbahce Istanbul wechselte. Die 05er gingen durch alle Instanzen bis zum FIFA-Einzelrichter und erhielten rund 600.000 Euro aus der Türkei. Auf die restlichen rund 175.000 Euro wartet 05-Manager Christian Heidel bis heute. Trotz eines neuen FIFA-Urteils. Kaldirim stand derweil mit dem türkischen Spitzenklub 2013 im Halbfinale der Europa League, er wurde türkischer Pokalsieger, Meister und Nationalspieler. „Sueddeutsche.de“ hat den Fall Hasan Ali Kaldirim in einer Chronik dokumentiert.

„Das Verhalten vieler türkischer Clubs ist einfach skandalös“, sagte Heidel am Samstag der nullfünfMixedZone. Der 05-Manager bestätigte noch einmal die Fakten, erklärte aber auch, dass es inzwischen einen neuen Streit gibt, in dem der Bundesligist als Gläubiger auf sein Geld wartet. „Mit rund 400.000 Euro aus einer Beteiligung am Weitertransfer von Deniz Yilmaz von Elazigspor zu Trabzonspor haben wir in einem weiteren Fall die Fifa eingeschaltet.“

Yilmaz war 2011 vom FC Bayern München an den Bruchweg gewechselt, hatte aber nur zwei Bundesligaspiele für die 05er absolviert und den Durchbruch nicht geschafft. Es folgte eine Ausleihe an den SC Paderborn, danach der Transfer zu Elazigspor Kulübü und im Sommer nun der Wechsel zu Trabzonspor. „Elazigspor hat auf Dutzende von Emails nicht einmal reagiert“, sagte Heidel. „Wir ziehen die Verfahren aber immer durch, lehnen alle Vergleiche, die später kommen, ab. Bisher haben wir jeden Fall gewonnen und unser Geld immer bekommen. Es dauert allerdings in der Regel zwei bis drei Jahre.“ Das einzig Gute an solchen Fällen, sagte der 05-Manager, sei die fünf-prozentige Verzinsung dieser Forderungen. „In diesen Verfahren bin ich inzwischen leider ein Profi.“

Eines dieser Verfahren war das Gerangel um den Transfer von Aristide Bancé zu Al-Ahli. 2010 war der damalige 05-Mittelstürmer nach Dubai gewechselt. Der Klub hatte zunächst nur die Hälfte der 5,5 Millionen Euro Ablöse bezahlt. Weil sich Bancé als Transfer-Flop erwies und nur ein paar Spiele absolvierte, weigerte sich Al-Ahli den Rest zu bezahlen und überwies das Geld erst, nachdem die 05er durch die Instanzen gegangen waren.

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