„Mal sehen, was dabei herauskommt“

Jörg Schneider. Mainz.
Mit Respekt, aber auch mit einem klaren Anspruch reist der FSV Mainz 05 zu seiner ersten Prüfung der neuen Saison. Der Bundesligist will am Sonntag (15.30 Uhr) in der Erstrundenpartie des DFB-Pokals beim Regionalliga-Tabellenführer SpVgg Unterhaching seiner Favoritenrolle gerecht werden. Für Rouven Schröder ist der Auftritt in Bayern das erste Pflichtspiel seiner Amtszeit. „Wir haben eine gute und abwechslungsreiche Vorbereitung hinter uns und fiebern nun alle dem Sonntag entgegen“, sagt der Sportdirektor. „Auch für mich birgt diese Partie eine gewisse Spannung, aber wir wollen unbedingt in die zweite Runde einziehen. Mal sehen, was dabei herauskommt.“

Für 05-Sportdirektor Rouven Schröder ist der Auftritt in Unterhaching das erste Pflichtspiel seiner jungen Amtszeit. Foto: Jörg SchneiderChristof Babatz, von den Fans wegen seines harten Schusses liebevoll „Bum-bum-Babatz“ genannt, trainierte am Freitagmittag mit 86 Kindern und Jugendlichen seiner 05er Fußballschule auf dem Rasen der Opel Arena. Wenige Meter entfernt, im Medienzentrum des Stadions, war gerade die Pressekonferenz zum Pokalspiel des FSV Mainz 05 bei der SpVgg Unterhaching zu Ende gegangen. „Ich wäre bereit“, sagte der Ex-05er im Anschluss an einen kurzen Plausch mit Trainer Martin Schmidt. „Wenn er mich bringt, haue ich wieder einen rein.“ So, wie damals, am 30. August 2002. Babatz, der im September 42 Jahre alt wird, hatte seinerzeit im Erstrundenduell der 05er mit den Hachingern im DFB-Pokal drei Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit einen direkten Freistoß zum 1:1 in die Maschen gedroschen und die damals von Jürgen Klopp trainierten 05er im Unterhachinger Sportpark in die Verlängerung gerettet. Babatz versenkte später im Elfmeterschießen noch einmal einen Elfer zum 2:2. Das nutzte allerdings wenig, da anschließend Sandro Schwarz, der heutige U23-Trainer der 05er, vom Punkt aus scheiterte. Die Mainzer schieden in Haching aus. Der Rest ist bekannt: Am letzten Spieltag der Saison fehlte in Braunschweig ein Tor zum Aufstieg in die Bundesliga. Lange ist’s her.

Jetzt, nach mittlerweile sieben Bundesliga-Spielzeiten in Serie, geht’s für die 05er wieder in den Hachinger Sportpark vor den Toren Münchens. Und wie damals, als die SpVgg aus der Bundesliga bis in die Regionalliga abgestürzt war, ist der Gegner Regionalligist, heute im Gegensatz zu damals also viertklassig. Ein Déja-vu-Erlebnis wollen die Mainzer diesmal allerdings verhindern. Die nächste Runde erreichen. Egal, wie. Das ist die Zielsetzung. „Wir haben eine gute und abwechslungsreiche Vorbereitung hinter uns und fiebern nun alle dem Sonntag entgegen“, sagt Rouven Schröder. Für den neuen Sportdirektor ist der Auftritt der Mannschaft im Pokal das erste Pflichtspiel seiner Amtszeit. „Das ist immer etwas Besonderes“, sagt der 40-Jährige. „Auch für mich birgt diese Partie eine gewisse Spannung, aber wir wollen unbedingt in die zweite Runde einziehen. Mal sehen, was dabei herauskommt.“

Der Trainer hat ein gutes Gefühl vor dieser Mission. „Wir sind gewappnet“, sagt Martin Schmidt. „Wir sind nach der Vorbereitung körperlich bereit. Die Spritzigkeit und die Frische sind zurück im Team. Die Spieler machen im Training den Eindruck, dass sie ungeduldig sind und jetzt endlich von der Leine gelassen werden wollen. Wir werden jetzt noch ein gutes Abschlusstraining draufpacken und uns auch mental richtig vorbereiten.“ Der Coach glaubt, dass er seine Profis gut und richtig auf diese Aufgabe vorbereitet, eingestellt und für alles, was der Gegner aufbieten wird, Lösungen parat hat. „Wir haben Haching dreimal live gesehen. Die überraschen uns nicht mehr, aber die haben einen sehr guten Saisonstart gehabt und sind im Fluss“, sagt der 49-Jährige. Sechs Begegnungen hat das Team von Schmidts Trainerkollege Claus Schromm in der Regionalliga absolviert. Alle sechs gewonnen. Die SpVgg ist souveräner Tabellenführer der Regionalliga Bayern.

„Es muss aber nicht sein, dass man deshalb schlechter ist, wenn die eine Mannschaft schon sechs Spiele hatte und die andere noch keines“, sagt der 05-Coach und verweist auf die Champions-League-Begegnung von Borussia Mönchengladbach unter der Woche bei Young Boys Bern. Die Schweizer hatten schon einige Qualifikationsrunden auf internationaler Ebene hinter sich und waren dennoch beim 1:3 gegen den Bundesligisten weitgehend chancenlos.

Wenn’s für die Mainzer ähnlich laufen soll, dann muss im Pokalspiel eine starke, konzentrierte und klare Leistung her, um die vorhandenen Unterschiede aufzuzeigen. Zumindest der Trainer zeigt keine Tendenzen, den unterklassigen Gegner zu unterschätzen. Im Gegenteil. Der Schweizer hat großen Respekt vor den Hachingern und weiß, dass sein Team viel dafür tun muss, um dort zu bestehen. „Die haben eine sehr gute individuelle Qualität. Sie haben Spieler mit vielen Zweiligaspielen und Bundesligaerfahrung im Kader. Eine routinierte, gute Truppe, bestückt mit schnellen Umschaltspielern auf der Außenbahn“, erklärt Schmidt. „Sie sind dazu eine Pokalmannschaft. Die freuen sich auf die Spiele, weil sie wissen, dass sie im Pokal stark sind. Da kommt der mentale Aspekt bei denen noch hinzu zu ihrem sportlichen Lauf, den sie im Moment haben. Ein sehr ernstzunehmender Gegner.“ Gerade weil es nicht eine Jugendmannschaft sei, die nur Regionalligaerfahrung mitbringe, sondern erfahrene Spieler, die gut hinlangen könnten, die Zweikämpfe zu führen wüssten. „Das kann jedem Erstligisten wehtun. Das ist erst einmal ein Kampf, der ausgeglichen starten wird, in den wir dann aber unsere Dominanz reinwerfen müssen. Zeigen müssen, dass wir der Bundesligist sind.“

An der Rollenverteilung kommen die Mainzer nicht vorbei. „Wir können ja nicht die Favoritenrolle einfach wegschieben, die ist ja klar bei uns“, betont der Coach. „Diese Rolle müssen wir annehmen und mental darauf vorbereitet sein.“ Elfmeterschießen haben die 05-Profis im Übrigen für diese Pokalpartie nicht extra trainiert. „Das machen die Spieler nach den Trainingseinheiten sowieso immer“, sagt Schmidt, der Christof Babatz übrigens nicht auf der Spielkaderliste stehen hat – wegen leichten Trainingsrückstandes.  

 

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