Malli: Hinten anstehen und zuschauen

Jörg Schneider. Marbella.
Der Kampf um die Kaderplätze prägt die Arbeit im Trainingslager des FSV Mainz 05. Einsatz, Aggressivität und Intensität bestimmen die Einheiten auf dem Rasenplatz des Marbella Football Center. Wer nicht voll mitzieht, muss sich hinten anstellen. Das bekam am Donnerstag Yunus Malli zu spüren. Der Nationalspieler musste wegen mangelnden Engagements vorzeitig Feierabend machen und beim abschließenden Trainingsspiel zuschauen. „Wenn ein Spieler nicht ganz teilnimmt und sich nicht richtig einbringt, dann wird schon mal der Ton schärfer und dann passiert so etwas einfach“, sagte der 05-Trainer nachher.

Draufsicht: Die 05-Profis bei der Arbeit auf ihrem Hauptplatz im Marbella Football Center. Foto: Jörg Schneider Das Motto, das Martin Schmidt seinen Profis in diesem Trainingslager in Marbella vorgegeben hat, zeigt auf dem Trainingsrasen im Football Center deutliche Wirkung. Wer im Bus sitzen wolle, der nach Ingolstadt fährt, der solle dies in diesen Tagen in Andalusien deutlich unterstreichen, hatte der Trainer des FSV Mainz 05 vor dem Start nach Spanien erklärt. Und die Spieler sendeten am ersten Tag im sonnigen und warmen Marbella deutliche Signale in den beiden langen und intensiven Einheiten auf dem Rasen. Der Konkurrenzkampf um die einzelnen Plätze ist voll im Gange. „Drei gesunde und voll fitte Spieler mehr im Kader, dazu eine Reihe von Akteuren, die im Herbst keine große Rolle gespielt haben, die sich aber jetzt sagen, warte mal ab, diesmal bin ich dabei. Und schon merkt man, dass an Hierarchien und an der Startelf gerüttelt wird. Das bringt dann sofort die nötige Härte ins Training, die wir brauchen, um das in den Rückrunden-Spielen auch zeigen zu können.

Da ging’s gut zur Sache in den Spielformen, die eine simulierte Fußball-Halbzeit mit hohem Wettkampf-Charakter darstellen sollte. „Das war deutlich härter und aggressiver als zuletzt. Da wurden Schiedsrichter-Entscheidungen kritisiert, da ging’s voll zur Sache. Das Ganze war zwar hinten raus spielerisch etwas zäh, auch die Qualität war nicht immer hoch, aber es ging darum, eine wettkampfnahe Einheit zu vermitteln. Ich glaube, den Punkt haben wir getroffen“, stellte der 48-Jährige zufrieden fest.

Yunus Malli (links) musste hinten anstehen. Im Kampf um den Ball tat sich der Zehner nicht genug hervor. Energischer im Duell: Stefan Bell und Neuzugang Karim Osiniwo. Foto: Jörg Schneider Und auch der Ton auf dem Platz wird rauer, wenn dermaßen um jeden Ball, um jeden Zentimeter Raumgewinn gekämpft wird. Das bekam Yunus Malli schmerzlich zu spüren. „Yunus hat keine Lust, der kann den Platz verlassen“, schnauzte Schmidt seinen Zehner an. Für Malli war Feierabend, der Nationalspieler durfte ins abschließende Trainingsmatch nicht mehr eingreifen. Trotz eifriger Diskussion mit dem Trainer. „Ich habe ihm erklärt warum“, sagte Schmidt. Das sei keine besondere Sache. So etwas geschehe häufiger im Training und sei damit erledigt. „Doch wenn ein Spieler nicht ganz teilnimmt und sich nicht richtig einbringt, dann wird schon mal der Ton schärfer und dann passiert so etwas einfach.“

Der Coach könne nicht immer nur die Reservisten und Junioren korrigieren oder tadeln. „Da ist Konkurrenzdruck. Vor allem von unseren Führungsspielern ist jeder in der Pflicht, 90 Minuten lang Leistung zu zeigen in jedem einzelnen Training, um die anderen mitzureißen. Das war nicht bösartig gegenüber Yunus, aber ich war unzufrieden mit seiner Performance und einigen Abläufen.“

Die Tage in Marbella sind für die 05-Profis die intensivsten der gesamten Vorbereitung und gehören bis Sonntag zu einem Zyklus von zehn hochintensiven Belastungen, in den auch in Sachen Kondition nachgebessert werden kann. Dazu gehören auch die beiden Testspiele. Am Samstag in Marbella gegen Standard Lüttich und am Sonntag im Vorort San Pedro de Alcantara gegen den FC Brügge (jeweils um 16 Uhr). In erster Linie geht es in diesen Duellen um die Umsetzung der geplanten Trainingsinhalte, aber die Tests seien auch wichtig für die Belastungs-Steuerung, sagt Schmidt. Wahrscheinlich wird ein Teil des Kaders am Samstag 60 Minuten lang spielen und der Rest die letzte halbe Stunde. Am Sonntag soll dann in umgekehrter Reihenfolge gestartet werden. Gut möglich aber auch, dass der eine oder andere Spieler sogar durchspielt.

Für Schmidt ist der Trip nach Andalusien wie schon die vorangegangenen Impulstage in der Schweiz unter dem Gesichtspunkt der Stärkung der Gemeinschaft wichtig. „Viele der taktisch-technischen Trainingsinhalte könnten wir auch zu Hause abbilden“, sagt der 05-Trainer. In Marbella sei es halt wärmer und die Plätze in besserem Zustand. „Doch ein  Hauptaugenmerk des Trainingslagers liegt darauf, das Team noch mehr zu kitten. Wir sind 24 Stunden zusammen, essen zusammen, die Spieler haben einen Teamraum, in dem sie sich zusammensetzen können. Wir wollen mehr Gespräche untereinander provozieren und den Team-Spirit weiter vorantreiben.“

► Alle Artikel zum Trainingsbetrieb

► Zur Startseite