Malli: Viele Gedanken, wenig Matchglück

Jörg Schneider. Mainz.
Yunus Malli feiert am heutigen Mittwoch seinen 24. Geburtstag. Die perfekte Stimmung dürfte beim Zehner des FSV Mainz 05 nicht aufkommen, denn Malli läuft in der Rückrunde etwas der Musik hinterher. Auch wenn sich der Nationalspieler, wie sein Trainer sagt, in diversen Bereichen gesteigert hat, fehlen ihm die Tore und auch die entscheidenden Vorlagen. „Ich habe ihm gesagt, dass es übers Training gehen muss. Er muss im Training beginnen, seine Aktionen zu haben, dass er viele Tore macht, dass er viele Pässe spielt“, sagt Martin Schmidt.

Seit seinem Treffer zum 2:0 im Derby gegen die Eintracht wartet Yunus Malli auf einen Torerfolg. Am heutigen Mittwoch feiert der 05-Profi seinen 24. Geburtstag.  Seinen letzten Treffer erzielte Yunus Malli am 28. November des vergangenen Jahres. Beim 2:1-Sieg am 14. Spieltag gegen Eintracht Frankfurt legte der Zehner des FSV Mainz 05 mit seinem Tor zum 2:0 die Basis für den Derby-Erfolg. Der achte Saisontreffer und bis heute sein letzter. Doch es sind nicht nur die Abschlüsse, die Malli im Moment fehlen. Der türkische Nationalspieler, der am heutigen Mittwoch seinen 24. Geburtstag feiert, läuft in der Rückrunde auch etwas seiner Form hinterher. Und das, obwohl sich Malli, wie sein Trainer sagt, in etlichen Bereichen des Spiels klar gesteigert hat. „Er hat heute Dinge drauf, die er im Herbst noch nicht hatte“, erklärt Martin Schmidt. Malli habe seine Lauf- und Sprintleistung deutlich gesteigert. „In Hoffenheim ist er 12,5 Kilometer gelaufen“, so der Trainer. Das sei sein Durchschnitt. „Er hat unheimlich gute Lauf- und Sprintwerte. Er sprintet mehr als früher. Nach Julian Baumgartlinger und Danny Latza läuft er am meisten bei uns.“

Das Spiel des Edeltechnikers sei zudem aggressiver geworden. „Yunus hat seine Zweikampfquote erhöht. Nach dem Schalke -Spiel haben wir ihm mehrere Szenen gezeigt, in denen er in der zweiten Halbzeit sogar grätscht, tackelt und Bälle holt. Auch wenn man nach dem Spiel denkt, heute war Yunus nicht so dabei, dann sieht man nachher in der Video-Analyse oft, dass er in der Balleroberung häufig mit dabei ist, dass er die Chancen einleitet. In Hoffenheim hatte er solche Dinge, wo er dann nicht durchkam. Aber hat den Pass auf Christian Clemens gespielt zu dessen Großchance. In der zweiten Halbzeit ist er alleine durch, da ging der Kollege nicht auf seine Idee ein. Als Baumi an der Grundlinie war, kam Yunus von hinten auf den Elfer und war blitzblank, aber Baumi spielte nicht dahin. Yunus hat momentan auch etwas Pech in den jeweiligen Aktionen, aber ist immer dabei. Sein letzter Pass muss noch genauer werden.“ Dem Spieler habe aber zuletzt auch häufig das Matchglück gefehlt. „Er ist bei allen Aktionen immer dabei. Das ist wichtig. Schlimmer wäre es, wenn er diese Aktionen gar nicht hätte.“

Klar sei jedoch, Malli sei im Moment vom Tor relativ weit entfernt. Das, so der 05-Trainer, könne auch damit zusammenhängen, dass der Profi in den Aktionen zu viel grübele, zu stark auf den eigenen Torabschluss fixiert sei. „Yunus hat sich, nachdem klar war, dass er hier bleibt, ganz klar zum Ziel gemacht, seine eigene Hinrunde zu bestätigen. Das würde bedeuten, dass er bei 15, 16 Toren rauskäme aus der Saison.“ Und das könnte bedeuten, dass er sich zu stark darauf verlege, unbedingt selbst zum Abschluss kommen zu müssen. Beim 2:3 in Sinsheim hatte Malli bereits nach zehn Minuten die Möglichkeit, Jhon Cordoba mit einem simplen Querpass im Strafraum erfolgsversprechend einzusetzen. Malli versuchte es allein, scheiterte dann im Dribbling an drei Gegenspielern. „Es kann schon sein, dass er in solchen Situationen denkt, jetzt muss mein erstes Tor kommen. Jetzt sind fünf Spiele rum, und ich habe kein Tor geschossen. Yunus hat sich ein klares Ziel gesetzt im Winter und das war auch ein Grund dafür, warum er hier geblieben ist, dass er hier seine Quote verbessern kann. Diese Zielsetzung hat er mit reingenommen“, sagt Schmidt, der jedoch auch befürchtet, dass der geplatzte Wechsel im Januar zu Borussia Dortmund vielleicht doch nicht so ganz spurlos vorbei gegangen ist an dem Zehner. Und auch der Druck, der auf dem 24-Jährigen im Hinblick auf seine Nationalmannschafts-Karriere lastet, spielt sicherlich eine Rolle. „Das ist auch ein Faktor. Wenn du jetzt nicht aufgeboten wirst im Nationalkader, ist es nichts mit der EM.“

Möglicherweise überlege Malli unter dem Druck des Toreschießenmüssens zu viel. „Denken hemmt. Das ist im Fußball leider oft so“, betont der 05-Trainer. „Und wir wissen ja auch nicht, wo er sich im Moment mit dem Kopf befindet.“ Schmidt hat in der vergangenen Woche mit dem Profi viel gesprochen und Malli auch am Wochenende wieder zur Seite genommen. „Ich habe ihm gesagt, dass es übers Training gehen muss. Er muss im Training beginnen, seine Aktionen zu haben, dass er viele Tore macht, dass er viele Pässe spielt. Da muss er sich die Sicherheit holen. Und wir kennen alle den Fußball. Irgendwann trifft er wieder, dann legt er zwei nach und nimmt den Ball wieder mit heim. Das Phänomen sieht man oft.“ Es gebe keinen anderen Weg, betont Schmidt. Gute Trainingswochen. Lockerheit finden, „dann sehen wir auch wieder einen erfolgreichen Malli.“

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