Mallis Vorlage, Baloguns Tabellenführung

Christian Karn. Mainz.
Weil ein Mitspieler sich beim Torjubel innovativ weh tat, war ein Ex-Mainzer beim nächsten Mal vorsichtiger. Weil der Stürmer die Schiedsrichterentscheidung vorweg nahm, wäre ein Tor fast nicht gefallen. Und weil die Startelf auch die Schlusself war, blieb es bei zwei Einsätzen von Profis des FSV Mainz 05 in den Samstags-Länderspielen: Yunus Malli bereitete beim 2:0 der Türkei gegen Kosovo das erste Tor vor, Leon Balogun verteidigte mit Nigeria die Tabellenführung.

Alle Spiele

Do., 10. November:
15.00: ITA - U20 0:1
18.00: U21 - TUR 1:0
18.45: FRA U21 - CIV 5:1
19.00: Karbach - 05 0:3

Fr., 11. November:
20.45: DEN - KAS 4:1

Sa., 12. November:
17.00: NGR - ALG 3:1
18.00: TUR - KOS 2:0
18.00: AUT - IRL 0:1

So., 13. November:
15.30: U19 - CZE
13.00: U18 - IRL

Mo., 14. November:
14.00: U18 - NED
18.00: U20 - POL
20.45: FRA U21 - ENG

Di., 15. November:
18.00: AUT - SVK
18.30: POL - U21
20.30: CZE - DEN

Es dürfte mit die kurioseste Szene des Länderspiel-Samstags gewesen sein: Gerade war die Türkei gegen Kosovo 1:0 in Führung gegangen, als Volkan Sen behandelt werden musste: Der Rechtsaußen von Fenerbahce war auf den Pulk der Mitspieler gesprungen, die dem Torschützen gratulierten, und hatte nicht auf Gegenverkehr geachtet. Auf der anderen Seite hatte der Linksverteidiger Hasan Ali Kaldirim (auch Fenerbahce, 2009 kurzzeitig Mainz 05) die gleiche Idee, hoch oben über den Kollegen knallten beide mit den Köpfen zusammen. Kaldirim lernte seine Lektion, sah wenige Minuten später, beim 2:0, erst nach, ob der Weg frei war, sprang dann. Torschütze war: Volkan Sen.

Enis Alushis Grätsche kommt zu spät. Der Nürnberger räumt zwar Yunus Malli noch ab, aber dessen Querpass zum 1:0 von Burak Yilmaz (Nr. 17) ist schon unterwegs. Foto: imagoDie Türken waren überlegen gegen den jungen Gegner. Sie hatten den Ballbesitz, die Kontrolle, die Torchancen, aber aufs 1:0 mussten sie lange warten. Yunus Malli, der zur Halbzeit eingewechselte Mainzer, war's, der in der 51. Minute mit einem seiner typischen Läufe halbrechts in den Strafraum die Führung vorbereitete. Malli hätte sich den Elfmeter holen können, die Einladung war da, brachte aber unter Druck den kurzen Querpass in die Mitte zu Burak Yilmaz. Der zweitgrößte Torjäger, den die Türkei ja hatte (und Hakan Şükür ist nun einmal Hakan Şükür), drehte sich um den Verteidiger, schob den Ball zum 1:0 ins Tor, und hätte vier Minuten darauf fast das 2:0 nachgelegt: Arda Turan brachte den Ball mit einem Lupfer, den er womöglich vom Barça-Kollegen Andres Iniesta gelernt hat, zum Mittelstürmer, dessen Heber aufs lange Eck an die Latte ging. Sen nahm den Abpraller mit hohem Bein volley und schnickte ihn ins Tor.

Die Mannschaft aus Kosovo, die ohne den 05er Besar Halimi auskam, von An- bis Abpfiff mit der gleichen Elf spielte, ist so etwas wahrscheinlich inzwischen gewohnt. Seit dem 1:1 im ersten offiziellen Länderspiel in Finnland im September hat das junge Team kein Tor mehr geschossen, 0:6, 0:3 verloren, nun wieder einen deutlichen Rückstand hinnehmen müssen. Defensiv, das haben wir schon öfter gesehen, ist die Mannschaft nicht gut. Aber sie kann spielen, hat eine flotte Offensive, ist angriffslustig. Es war gefährlich, wie die Türken das 2:0 verwalten wollten. Nach vorne kam nicht mehr viel, Malli war nicht gut eingebunden, hatte lediglich in der 67. Minute eine kleine Torchance, kam aber nicht richtig hinter den Ball, schaffte keinen gefährlichen Schuss. Gegen Ende wollte das Publikum einen Elfmeter für den Mainzer, aber der Gegenspieler Herolind Shala hatte tatsächlich mit viel Risiko den Ball gespielt. Letztlich ging es gut. Mit dem 2:0, ihrem ersten Sieg in der Qualifikation für die Weltmeisterschaft in knapp zwei Jahren, hielt die Türkei den Kontakt an Island (0:2 gegen Tabellenführer Kroatien) und die Ukraine (1:0 gegen Finnland). Kosovo bleibt Tabellenletzter.

Für Österreich, das sich so spektakulär für die Europameisterschaft qualifiziert, dort den Eindruck aber überhaupt nicht bestätigt hatte, sieht es schon nicht mehr gut aus. Nach der 0:1-Niederlage in Wien gegen Irland haben die Österreicher bereits vier Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz. Karim Onisiwo wurde nicht eingesetzt. Bereits am Freitag wurde Jonas Lössl beim 4:1 Dänemarks gegen Kasachstan ebenfalls nicht gebraucht. Die Dänen sind nun Dritter, deutlich hinter Polen, knapp hinter Montenegro.

Nigeria bleibt vorne

Auf einem sehr guten Weg ist dagegen Nigeria. Nur ein Team der Vierergruppe mit Kamerun, Sambia und Algerien wird an der WM teilnehmen, eine Playoff-Hintertür gibt es in der afrikanischen Qualifikation nicht. Durch ihr 3:1 gegen Algerien ist Nigeria nach zwei Spieltagen Tabellenführer mit sechs Punkten, Kamerun hat als erster Verfolger erst zwei Punkte.

Für den 05er Leon Balogun, der links in der Innenverteidigung spielte, begann das Spiel mit einer kurzen Schrecksekunde: Balogun bekam schon in der dritten Minute ein hartes Tackling ab, konnte aber weiterspielen. Bei der ersten großen Torchance der Nordafrikaner war der Mainzer etwas orientierungslos, mit dem Gegentor hatte er nichts zu tun, insgesamt war Balogun ein stabiler Verteidiger - stabiler als die Abwehrspieler Algeriens auf jeden Fall.

Diese hatten ihre Schwierigkeiten mit dem nigerianischen Angriff. Die Chelsea-Stürmer und Torschützen Victor Moses und John Obi Mikel sowie der junge Kelechi Iheanacho von Manchester City hatten die Algerier nicht im Griff. Moses hatte in der sechsten Minute die erste ernsthafte Torchance, brachte Nigeria schließlich in der 25. Minute in Führung: Mit einer kleinen Passkombination hatten seine Kollegen das Mittelfeld überbrückt. Moses spielte im Prinzip einen Doppelpass mit dem Gegenspieler Hicham Belkaroui, der den Ball hatte, aber wieder zum Stürmer prallen ließ, erkannte die Gasse durch die Abwehr, machte sein erstes Tor. Iheanacho verpasste beim Flugkopfball-Versuch die tolle Flanke von Moses (30.), so dass in der 36. Minute der Ausgleich hätte fallen können. Nabil Bentaleb, schon mit Schalke 04 zweimaliger Torschütze gegen Balogun, hatte viel Platz, weil die rechte Abwehrseite gegen Yacine Brahimi zu passiv war, Balogun auf einmal im Niemandsland stand, der erfahrene Linksverteidiger Elderson Echiéjilé Bentaleb nicht ausreichend behinderte, Balogun zu spät zurück kam - der Schuss ging übers Tor. Riyad Mahrez, der feine Flügelspieler von Leicester City, hatte in der 38. Minute eine weitere Chance, weil der nigerianische Torwart ein Durcheinander in seinem Strafraum anrichtete, dabei Balogun umrannte - wieder nichts.

Und wenn die Kollision von Sen und Kaldirim nicht die kurioseste Szene war, dann vielleicht das 2:0. Denn die ganze Welt dachte, John Obi Mikel sei bei diesem Steilpass zum Elfmeterpunkt abseits gewesen. Die Abwehr dachte es, der Torwart dachte es, Mikel selbst dachte es. Der Linienrichter sah es anders. Der Schiedsrichter pfiff einfach nicht. Eine Sekunde lang stand die Welt still in dieser 42. Minute, dann schaltete Mikel am schnellsten und schoss halt das Tor - ein korrektes Tor, denn Algerien hatte zwar die Abseitsfalle gestellt, der Linksverteidiger aber hatte nicht mitgemacht.

Nach einer guten Stunde aber wurde das Spiel noch einmal interessant. Nach langem Anrennen und wenig Effekt kam mal wieder Bentaleb aus dem Hintergrund. Der Schalker hatte im Mittelfeld viel Platz, weil Nigeria die Räume nicht geschlossen, sich zu sehr auf den Nebenmann konzentriert hatte. Der spielte den Querpass, Bentaleb knallte aus knapp 30 Metern den Ball unter die Latte und auf den Tribünen brauchten die Trompeter eine Weile, um wieder in Schwung zu kommen. Ein Hintergrundraunen konnten sie nicht mehr überstimmen, man zweifelte im schönen modernen Stadion in Uyo, einem kleinen Bruder der Münchner Arena mit Laufbahn.

Denn Algerien hatte noch Chancen. Das Spiel war noch nicht verloren. Den Nigerianern fehlte die Sicherheit, fehlte das Selbstverständnis, fehlte die Überzeugung in der Phase nach dem Anschlusstor. Erst in den letzten Minuten drehten sie noch einmal auf. Die richtige Chance zum 3:1 ergab sich lange nicht, wenn sie auch nahe dran waren. In der 90. Minute hatte Iheanacho die Gelegenheit nach einem tollen Pass vom rechten Flügel zwischen Tor und Abwehr; der harte Schuss auf den oberen kurzen Winkel ging vorbei. In der 92. Minute aber lief der Überzahlkonter, vier Angreifer gegen drei Verteidiger. Ahmed Musa spielte quer, Moses traf.

Für Nigeria, das die Afrikameisterschaft verpasst hat, geht es erst im August weiter. Auch Malli und Halimi kommen schon wieder nach Mainz. Onisiwo und Lössl haben am Dienstag noch Testspiele.

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