"Martin ist kein Interimstrainer"

Jörg Schneider/Christian Karn. Mainz.
In aller Ausführlichkeit begründete Christian Heidel am Dienstag den Trainerwechsel beim FSV Mainz 05. Die Kernaussagen des 05-Managers: Kasper Hjulmand sei ein überragender Trainer, aber nicht der richtige, um in den verbleibenden 13 Spielen den Klassenverbleib zu schaffen. Die Mannschaft brauche mehr Emotionalität. Der Zeitpunkt des Wechsels habe sich aus dem Procedere ergeben. Und Martin Schmidt werde der Mannschaft das wenige, was ihr zum Erfolg fehle, beibringen.

Christian Heidel im O-Ton:

"Die Entscheidung, uns von Kasper Hjulmand zu trennen, war eine sehr, sehr schwierige Entscheidung für uns, die wir uns nicht einfach gemacht haben. Deswegen hat es auch zwei, drei Tage gedauert. Um es gleich zu sagen: Hjulmand ist ein sehr guter Trainer. Warum beurlauben wir ihn dann?

Christian Heidel mit Pressechef Tobias Sparwasser und Martin Schmidt in der 05-Pressekonferenz. Foto: Jörg SchneiderWir sind im Sommer zusammen in die Saison gegangen mit dem klaren Plan, diese Mannschaft weiterzuentwickeln. Ich glaube, dass Kasper ein überragender Trainer ist, um eine Mannschaft zu entwickeln und weiterzuentwickeln. Wir sind dann leider im Herbst in eine Negativspirale reingekommen, teilweise auch durch Verletzungen und Ausfälle. Bis zum heutigen Tag sind wir da nicht mehr rausgekommen. Wir haben lange überlegt, ob er der richtige Trainer ist für die letzten 13 Spiele, wenn es um das Thema Klassenverbleib geht. Wir haben ihn acht Monate kennengelernt. Es gibt viele positive Dinge über ihn zu sagen. Die Entscheidung hat schließlich gebracht: Wir glauben einfach, dass die Mannschaft für diese 13 Spiele einen Wechsel braucht, weil jetzt andere Dinge gefordert sind. Und wir waren nicht der Auffassung, dass Kasper für uns in dieser Situation in den nächsten 13 Spielen noch der richtige Trainer ist. Wir haben etwas Erfahrung mit Abstiegskämpfen. Wir sind der Meinung, wir brauchen neben Taktik viel Emotion. Hier muss eine Mannschaft wieder mit ihren Fans zusammenwachsen. Hier muss Leidenschaft und Power auf das Spielfeld. Das beste Beispiel dafür ist Werder Bremen. Da ist ein Ruck durch die Mannschaft gegangen. Man spürt die Leidenschaft, die sich auf die ganze Stadt übertragen hat. Das ist eminent wichtig in der Phase, in der wir jetzt sind. Wir trennen uns nicht von Kasper, weil wir 14. sind. Das kann in Mainz immer passieren. Und wenn wir am Ende 14. werden, ist die Welt in Ordnung. Wir hatten eher das Gefühl, dass wir unter Umständen die Negativspirale nicht aufhalten können. Das ist keine Panikreaktion. Sondern eine Analyse nach acht Monaten Kennenlernens. 

Zum Ablauf: Wir haben in Dortmund 2:4 verloren und ich habe anschließend beschlossen, mich nicht der Presse zu stellen. Ich weiß, dass die Frage gekommen wäre: Sitzt Kasper Hjulmand gegen Frankfurt noch auf der Bank? Ich hätte wahrheitsgemäß antworten müssen: Stand jetzt: ja. Ich habe es vorgezogen, mich nicht zu äußern, weil ich und wir uns nicht hundertprozentig sicher waren. Bevor ich die Öffentlichkeit anlüge, habe ich es vorgezogen, nicht zu reden. Wir haben uns Samstag und Sonntag dann sehr, sehr viele Gedanken gemacht, wie es weiter gehen soll und sind zu der Entscheidung gekommen, den Wechsel am Dienstag über die Bühne zu bringen. Warum am Dienstag? Auch das ist ganz logisch. Für uns war das Wichtigste, den Trainer als allerersten darüber zu informieren. Das haben wir am Montag getan. Wir hatten ein sehr gutes Gespräch. Er ist enttäuscht und traurig, aber er sagte, dass er die Entscheidung nachvollziehen kann und Verständnis für den Verein aufbringt. Uns war auch wichtig, vor einer Veröffentlichung die Mannschaft zu informieren. Das haben wir heute Morgen getan. Wir können nicht verhindern, dass spekuliert wird. Dass uns aber von verschiedenen Medien vorgeworfen wird, wir hätten eine stillose Beurlaubung vorgenommen, das kann ich nicht nachvollziehen. Wir sind genau den Weg gegangen, der sich gehört. Wir haben uns zwei Tage gekümmert um eine Entscheidung. Diese Zeit braucht der Verein. Ich bedauere es sehr, weil wir ein gemeinsames Projekt angegangen sind. Wenn man nach acht Monaten so entscheiden muss, einen anderen Weg gehen zu wollen, dann hat es nicht so gefruchtet, wie wir uns das vorgestellt haben. Dieser Kritik müssen wir uns stellen, der stellen wir uns natürlich auch. Aber wir glauben, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben.

Wir sind felsenfest davon überzeugt, dass das kleine Bisschen, was dieser Mannschaft fehlt, um erfolgreich zu spielen, Martin Schmidt der Mannschaft beibringen wird. Er hat unser Vertrauen. Um es klar zu sagen: Martin ist kein Interimstrainer. Wir haben uns nicht über Laufzeiten und so etwas unterhalten. Er hat unser uneingeschränktes Vertrauen, diese Mannschaft zum Klassenverbleib zu führen. Und wir sind sicher, dass wir das gemeinsam hinbekommen."