Mehr Rabatz auf dem Platz

Jörg Schneider. Mainz.
Ungeachtet der Suche nach einem Kreativspieler als Verstärkung auf der Zehnerposition, in der es momentan keinen neuen Stand gibt, bereiten sich die Fußballprofis des FSV Mainz 05 intensiv auf das Heimspiel gegen Borussia Dortmund am Sonntag in der Opel Arena vor. Martin Schmidt und dessen Team wollen nicht auch die vierte Partie hintereinander gegen Ex-Trainer Tomas Tuchel verlieren. „Eines unserer Ziele ist, möglichst gut Schritt zu halten mit der Punktausbeute der vergangenen Rückrunde. Jetzt sind wir drei Zähler hinten dran und müssen die irgendwo holen, wo wir in der Vorrunde nichts geholt haben. Am besten fangen wir damit an, wenn Dortmund kommt“, sagt der Coach.

Im Moment gibt es keine Anzeichen dafür, dass der FSV Mainz 05 am Sonntag im Heimspiel zum Rückrundenauftakt in der Opel Arena gegen Borussia Dortmund bereits einen neuen Kreativspieler fürs offensive Mittelfeld präsentiert und bis dahin einen Ersatz für den nach Wolfsburg gewechselten Yunus Malli an Land zieht. Und auch die Möglichkeit, dass der Bundesligist vor dem 18. Spieltag noch einen Kaderspieler abgibt, ist derzeit kaum vorstellbar. Rouven Schröder ist zwar im Dauereinsatz und „komplett überterminiert“, wie der Sportdirektor dieser Tage sagte, doch einen neuen Stand der Dinge hat der 41-Jährige bis heute nicht verkünden können. Der 05-Trainer muss also im Duell mit dem Top-Team aus dem Ruhrgebiet erneut mittels Systemumstellung und richtiger Personalbesetzung versuchen, den abgewanderten Zehner intern zu ersetzen und gleichzeitig das Fehlen des noch ein letztes Mal gesperrten Jhon Cordoba aufzufangen.

Im letzten Heimspiel gegen den BVB, im Oktober 2015, gab es für Yoshinori Muto und Pablo De Blasis trotz guter Leistung nichts zu holen gegen Sokratis und Co. Wie läuft's diesmal für die wahrscheinliche Doppelspitze der Mainzer? Foto: Ekkie Veyhelmann„Dass wir Yunus Malli nicht sofort eins zu eins ersetzen können, war uns ja auch klar“, sagt Martin Schmidt. „Da muss jetzt ein anderer reinwachsen, oder wir müssen es anders lösen.“ Solche Lösungen gibt es offenbar, an denen Schröder arbeitet. Doch, ob es möglich ist einen der zwei oder drei Wunschspieler, die Trainer und Sportdirektor ins Auge gefasst haben, zu wirtschaftlich verträglichen Konditionen zum Bruchweg zu locken, wird sich erst auf der Zielgeraden der Transferperiode herausstellen. Das Fenster ist offen bis kommenden Dienstag 18 Uhr. Schmidt selbst hat dieses Thema für sich erst einmal verdrängt. „Ich konzentriere mich im Moment völlig auf das bevorstehende Spiel. Was die Kreativposition betrifft, die wir besetzen wollen, haben wir klar über unsere Optionen gesprochen. Der Rest läuft im Hintergrund. Da werde ich nicht jeden Tag upgedatet. Ich will’s auch nicht. Ich will irgendwann hören, in welche Richtung es geht“, sagt der 49-Jährige. Das gelte auch für den Fall eines plötzlichen und überraschenden Abgangs im Kader. „Ohne dem Sportchef vorgreifen zu wollen, es ist alles recht ruhig. Dass an unseren Spielern gebaggert wird, ist meines Wissens nicht der Fall.“ Es scheint dennoch so, dass der 05-Coach dem Frieden noch nicht traut. „Ich weiß, dass die letzten Tage der Transferperiode immer sehr turbulent werden. Je länger das geht, desto mehr spielt das Geld eine Rolle. Wenn ein Engländer das Gefühl hat, er muss beispielsweise noch einen Top-Innenverteidiger aus Deutschland haben und sagt, na gut, dann geben wir nicht 20 Millionen aus sondern 30 und machen nicht Euro sondern Pfund, dann ist der weg. Dann holt dieser Verein einen Ersatz und der Rattenschwanz geht nach unten weiter. Da ist im Moment noch wenig Bewegung drin. Vielleicht bleibt’s ja diesmal ruhig, aber ich glaube nicht dran. Viele warten sicher noch den Spieltag ab. Ich glaube, dann gibt’s noch Rundumschläge und Harakiri-Aktionen. Aber im Moment ist meines Wissens kein Angebot an einen unserer Spieler da.“ Einzig in Sachen Gianluca Curci kann kurzfristig etwas passieren. Der italienische Torhüter, der beim Bundesligisten in der Rückrunde keine Rolle mehr spielt, war zum Probetraining bei Cardiff City. „Ich weiß aber nicht genau, wie es weiter läuft. Gianluca ist wohl Optionen am verhandeln“, sagt Schmidt.

In keinem Spiel chancenlos

Trainer und Mannschaft bereiten sich derzeit intensiv auf die Begegnung mit den Dortmundern vor. Es ist das vierte Treffen mit dem ehemaligen Cheftrainer Thomas Tuchel, der bisher alle Spiele gegen seinen Ex-Klub gewonnen hat.  „Wir waren in keinem Spiel chancenlos und sind in jedesmal etwas näher gekommen an sie“, betont der Schweizer. „Im August, beim 1:2 in Dortmund, ist die Partie über Standards entschieden worden. Aus dem Spiel heraus haben wir faktisch dem Gegner keine Chance zugelassen. Wenn wir noch einen Tick mehr an uns glauben, vor allem nach Balleroberung und im eigenen Ballbesitz, dann können wir sicher noch mehr rausholen. Ich glaube, dass jede Möglichkeit, in der wir uns mit dem BVB auf Augenhöhe messen können, dazu führt, dass wir besser werden. So, dass wir noch näher an sie herankommen können.“

Das Aufeinandertreffen mit Tuchel sei dabei keine Extra-Motivation fürs Team. „Dortmund ist die Motivation. Eine Top-Mannschaft, viele junge, schnelle Spieler. Das verteidigen zu können. Das ist unsere Herangehensweise. Wir wollen auch in diesem Spiel ungeschlagen bleiben, die Heimstärke wahren.“ Der Punktgewinn gegen die Kölner am vergangenen Wochenende sei dafür wichtig gewesen. 21 Zähler nach der Vorrunde, drei weniger als im vergangenen Jahr, das passe grundsätzlich nach der komplizierten Hinserie mit der Europaliga. „Ich denke, die Punktzahl spiegelt unsere Leistung wider. Wir haben diesmal alle Laufdaten klar gewonnen. Daran sieht man, wenn wir aus der Frische kommen und der Tank voll ist, dass da noch vieles geht. Es ist wichtig, dass wir zu null gespielt haben, dass man sieht, die Kilometer und die Tiefensprints haben wir drin, dass es wieder kommt, dass wir bereit sind und uns mit Selbstbewusstsein in den nächsten Spielen steigern können. Eines unserer Ziele ist, möglichst gut Schritt zu halten mit der Punktausbeute der vergangenen Rückrunde. Jetzt sind wir drei Zähler hinten dran und müssen die irgendwo holen, wo wir in der Vorrunde nichts geholt haben. Am besten fangen wir damit an, wenn Dortmund kommt.“

Die Partie gegen den Tabellenvierten dürfte unterhaltsamer werden und mehr Höhepunkte bieten als das vergangene Heimspiel, in dem es den Mainzern um Defensiv-Stabilität gegangen war gegen einen Gegner, der ähnlich ausgerichtet und in erster Linie auf den Punktgewinn aus war. Das 0:0 war von der Gesamtleistung her okay, aber so richtig erwärmen konnten sich die Zuschauer in der frostigen Arena daran nicht. „Ich glaube, dass wir diesmal etwas mehr Rabatz machen müssen auf dem Platz, sonst erfrieren die Zuschauer irgendwann“, sagt der Trainer. „Wir sehen aber in jedem Spiel unsere Chancen. Wir wollen in jedem Spiel die Chance wahrnehmen zu gewinnen, wer auch immer da kommt. So werden wir das Spiel angehen.“

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