Mehr Sechser entlasten Schlüsselspieler Malli

Christian Karn. Mainz.
Zu den Schwerstbelasteten beim FSV Mainz 05 gehören die beiden zentralen Offensivspieler. Jhon Córdoba konnte zweimal geschont werden; durch Yoshinoris Verletzung wird das vorerst kaum noch gehen. Vor allem aber Yunus Malli war bisher konkurrenzlos, "der Spieler", sagt 05-Trainer Martin Schmidt, "der am schwersten zu ersetzen ist. Darin liegt eine Gefahr." Die bevorstehende Rückkehr von André Ramalho ins Training und die bald ablaufende Sperre von José Rodríguez sollen aber für die Verschiebungen in der Aufgabenverteilung führen, die den türkischen Nationalspieler entlastet.

Eine Länderspielpause bedeutet im Profifußball einen Einschnitt, eher eine Muss-halt- als eine Sollbruchstelle, eine Zäsur aber, die beim FSV Mainz 05 schon ein bisschen herbeigesehnt wurde. Neun Pflichtspiele mit nur zwei Niederlagen, ordentliche Platzierungen in den Tabellen der Bundesliga und Europa League, die Zweitrunden-Teilnahme im DFB-Pokal, eine sich allmählich stabilisierende Defensive - das klingt nicht so problematisch. In der Länderspielpause, so hieß es dennoch, würden sich einige Probleme lösen lassen.

Das hängt vor allem zusammen mit der Rückkehr einiger Spieler ins Team. Jairo Samperio, der sich im Pokalspiel in Unterhaching verletzte und seit Ligastart fehlt, trainiert seit Mittwoch wieder. André Ramalho, dessen Pflichtspieldebüt für die 05er noch aussteht, soll ebenfalls in dieser Woche ins Training zurückkommen. Leon Baloguns Comeback stehe unmittelbar bevor, sagte 05-Trainer Martin Schmidt, auch Philipp Klement wäre bald wieder dabei. Lediglich bei Danny Latza, der aber auch auf einem guten Weg sei, und natürlich beim Phantom Emil Berggreen wird es noch etwas länger dauern.

"Danny läuft in dieser Zwischenwoche", sagt Schmidt. "Nächste Woche geht seine Reha in die nächste Phase. Wir sind dran, ihn so weiterzubringen, dass er im November irgendwann auf den Platz zurückkommt." Der 26-jährige Sechser, der sich in der vergangenen Saison als Neuzugang vom VfL Bochum in Fabian Freis langer Verletzungspause beeindruckend schnell und stabil in der Bundesliga etablierte, 27 Mal spielte, 20 Mal in der Startelf stand, hat nach der Sommerpause noch keine Minute spielen können, weder in Pflicht- noch in Vorbereitungsspielen. Durch den Abgang von Julian Baumgartlinger und Latzas Adduktorenverletzung fehlte den 05ern von Anfang an der komplette eingespielte Mittelfeldblock. Frei, der sich wesentlich verbessert hat, und der junge Neuzugang Jean-Philippe Gbamin haben sich zunächst als neue Doppelsechs etabliert, auch weil alle anderen Kandidaten (Ramalho, Suat Serdar, José Rodríguez) zwischendrin verletzt oder gesperrt waren. Aber auch Gbamin hat drei Spiele verpasst, auch Frei hat's jetzt erwischt. "Wir brauchen alle", sagt Schmidt, "das haben wir gesehen. Für unsere Spielweise müssen wir auf der Position drei oder vier Leute auf Topniveau haben. Wenn wir im Frühling nicht mehr europäisch spielen, haben wir viele, aber im Moment braucht man die."

Rodríguez ist immerhin in der Europa League spielberechtigt; in der Bundesliga muss er noch zwei Fünftel seiner langen Sperre abwarten. André Ramalho würde die Situation weiter entspannen. Schmidt will noch den letzten Arztbericht abwarten, dann soll der von Bayer Leverkusen ausgeliehene Brasilianer wieder am Mannschaftstraining teilnehmen. Der Einstand des 24-Jährigen beim neuen Klub war gut, aber kurz. Im Testspiel gegen den SV Sandhausen zog sich Ramalho eine Muskelverletzung zu. Das Spiel beim Hessenligisten Rot-Weiß Hadamar am Freitag, 19 Uhr, käme zu früh für den Mittelfeldspieler. Ab Dienstag soll er wieder vollwertig dabei sein.

Das könnte auch Yunus Malli entlasten. "Yunus hat bisher alle Spiele gemacht", erklärt Schmidt. "Das bedeutet ein Risiko für den Spieler, dass er nach zehn bis zwölf Spielen verschwindet, weil er durch ist. In den letzten beiden Spielen" - beim 0:0 in Wolfsburg und beim 3:2 in Baku gegen den Qäbälä FK - "hat man gesehen, dass er länger brauchte, um auf Temperatur zu kommen. In Wolfsburg war er irgendwann drin, aber anfangs hatte er große Mühe." Auch Jhon Córdoba sei gefährdet, so der Trainer: "Der muss auch frisch und spritzig sein." International entlastete Schmidt den Kolumbianer; in beiden Europa-League-Spielen kam Córdoba erst in der Schlussphase auf den Platz, bis dahin spielte Yoshinori Muto ganz vorne. Der Japaner fehlt nun wochenlang und weil auch Emil Berggreen auf kaum absehbare Zeit ausfällt, gibt es den klaren Stellvertreter für den Mittelstürmer momentan nicht.

Suat Serdar wurde bisher als Sechser eingesetzt. Wenn die Auswahl dort wieder ein bisschen größer ist, kommt der Juniorennationalspieler auch als Vertreter für Yunus Malli in Frage. Foto: imago"Gegen Köln haben wir Karim Onisiwo ausprobiert. Auch Pablo de Blasis in der Vorbereitung, als Jhon und Yoshi gefehlt haben", zählt Schmidt auf. "Pablo, Karim, auch Jairo wäre ganz vorne eine Option. Gegen den HSV haben wir es auch schon mit Jairo hinter Jhon versucht. Die Herangehensweise muss aber zum Gegner passen. Gegen tief stehende Mannschaften braucht man das anders."

Malli, so Schmidt, sei bisher der Schlüsselspieler. "Seine Position ist so speziell", erklärt der Trainer, "weil er im Anlaufverhalten wie ein Stürmer agiert, weil er zwölf Kilometer abspulen kann" - fast elf waren es in Wolfsburg bis zur Auswechslung, 11,5 gegen Leverkusen, 11,85 in Bremen - Tendenz fallend. "Auf der anderen Seite ist er ein begnadeter Techniker", so Schmidt weiter, "ein Ballschlepper im Zentrum, der das Umschaltspiel befruchtet. Auf der anspruchsvollen Position ist Yunus der Spieler, der am schwersten zu ersetzen ist." Darum habe Malli alle sieben Spiele absolviert. "Er will auch jedes spielen. Aber wenn er das macht, verschwindet er, weil man das nicht wegstecken kann", warnt der Trainer. "Raffael in Gladbach ist auch so einer. Er ist konkurrenzlos und verletzt sich. Bellarabi war bei Leverkusen so einer. Die Gefahr liegt darin, Spieler über Gebühr zu fordern." Suat Serdar könnte Malli vertreten, wenn er auf der Doppelsechs nicht mehr so dringend gebraucht wird. "Suat kann das", sagt Schmidt, "er macht das sehr gut." Klement dagegen sei zu sehr der klassische Zehner, "das Läuferische versteckt er noch gut", so der Trainer. "Pablo macht es auch, ist aber bei Ballbesitz wieder ein anderer Typ. Wenn ich aber mehr Sechser habe, spiele ich gern mal wieder wie in Dortmund", mit nur einem echten zentralen Offensivspieler zwischen den beiden offensiven Flügeln.

► Alle Artikel zur Saisonarbeit

► Zur Startseite