„Mein Schwerpunkt ist Fußball“

Jörg Schneider. Mainz.
Sandro Schwarz arbeitet seit seinem Amtsantritt beim FSV Mainz 05 mit zwei Co-Trainern: Der Cheftrainer holte sich den erfahrenen Jan-Moritz Lichte in sein Team und brachte seinen Assistenten Michael Falkenmayer (34) von der U23 mit zu den Profis. „Es gibt so viel, was du machen kannst. Da haben auch zwei Co-Trainer genug zu tun. Ich glaube, dass wir im ganzen Staff das Wort Team leben. Es ist eine ständige Kommunikation“, sagt Lichte. Der 37-Jährige fühlt sich wohl in der neuen Umgebung. „Die Arbeit im Team und mit dem Team macht mir sehr viel Spaß. Ich würde es sofort unterschreiben, wenn wir es viele Jahre miteinander machen könnten.“

Entspannte Momente gab es vor allem im Trainingslager der 05er selten für Jan-Moritz Lichte und Michael Falkenmayer. Die beiden Co-Trainer steckten tief in der Arbeit mit den 05-Profis. Foto: Jörg SchneiderSandro Schwarz übt auf der linken Seite des Trainingsplatzes mit seiner Offensive: Anspiel von der Mittellinie auf die Doppelsechs, direkter Pass in eine von mehreren markierten Linien oder Anspiele über den Zehner in die einzelnen Korridore. Die erfolgreichen Abschlüsse werden genau mitgezählt. Auf der rechten Rasenseite probt Jan-Moritz Lichte mit dem Defensivblock taktisches Laufen. Der Co-Trainer marschiert mit Ball die Mittellinie rauf und runter, die Spieler, alle auf die unterschiedlichen Positionen verteilt, verschieben permanent mit im Schritttempo. Dann schiebt Lichte von irgendeiner Stelle den Ball in den Pulk, und der komplette Block bewegt sich entsprechend zum Ball hin. Immer wieder unterbrochen von kleinen Korrekturen und Anmerkungen. Zuvor hat Michael Falkenmayer, Co-Trainer Nummer zwei, mit diversen Gruppen Passübungen geleitet und gecoacht.

Im Training des FSV Mainz 05 ist die Aufteilung der Arbeit in den einzelnen Inhalten Normalität in dieser Saisonvorbereitung. Der Cheftrainer des Bundesligisten und dessen zwei Assistenten besprechen sich ständig auf dem Platz, etliche Aufgaben übernehmen die Co-Trainer selbstständig. „Es gibt so viel, was du machen kannst. Da haben auch zwei Co-Trainer genug zu tun“, sagt Lichte, der in diesem Sommer nach Mainz gekommen ist. Der Teamgedanke stehe über der klaren Hierarchie. „Ich glaube, dass wir im ganzen Staff das Wort Team leben. Es ist eine ständige Kommunikation. Wir diskutieren, jeder bringt seine Meinung ein“, sagt der 37-Jährige. „Wir haben ein gemeinschaftliches Büro. Wir sehen uns von morgens bis abends. Da wird alles durchgesprochen.“ Als Co-Trainer sei er für Sandro Schwarz Dialog- und Ansprechpartner. „Wenn dir was auffällt, sprichst du es an. Der Cheftrainer muss am Ende entscheiden, wie er es sieht. Für mich ist immer wichtig: Ich sage, was ich sehe, was ich denke, auch kritische Sachen. Das Entscheidende ist, dass der Cheftrainer sich darüber Gedanken macht. Wie er am Ende entscheidet, muss er wissen. Für mich ist es wichtig, dass er es ernst nimmt.“

Falkenmayer: Eine Art Lehre

Michael Falkenmayer sieht seinen Job als Co-Trainer bei den 05-Profis als eine Art Lehre an. Als der Coach ihm das Angebot gemacht habe, habe er sofort gesagt, er gehe den Weg gerne mit. Nicht zuletzt, weil es Sandro Schwarz war, der den ehemaligen 05-Spieler nach dessen Karriereende vor zwei Jahren auch zum Co-Trainer in seinem U23-Team beförderte. „Ich hatte zuvor nie daran gedacht, so richtig in den Trainerbereich zu gehen.“ Der nahtlose Übergang habe dann den Frust gemildert, nicht mehr aktiv zu sein. „Ich habe irgendwann gemerkt, es klappt nicht mehr als Spieler. Der Körper gab es nicht mehr her mit den ganzen Knieverletzungen. Ich habe dann mit der Reha aufgehört und gesagt: das war‘s dann. Es macht es einfacher, wenn man im Fußball bleiben kann“, sagt Falkenmayer. 

Acht Zweitligaspiele hatte der Mittelfeldspieler für die 05er bestritten, 15 Drittligabegegnungen, 44 Regionalligaspiele absolviert. Nach Stationen in Trier, Primasens und Pfullendorf kehrte Falkenmayer, der 2002 von TuS Koblenz nach Mainz gekommen war, 2013 zurück zum Bruchweg. Nun ist er Co-Trainer bei den Profis. „Ich bin sehr geprägt von Sandro Schwarz, was Spielidee und so weiter angeht, habe mich mit ihm entwickeln können, was sehr schön war“, sagt er. „Sandro wollte mich jetzt als Co-Trainer dazu nehmen, was für mich sehr wichtig war, weil ich noch ganz in den Anfängen bin. Ich habe ja nur den ersten Trainerschein und werde jetzt versuchen, mich Schritt für Schritt im Trainerbereich weiterzubilden“, sagt der 34-Jährige.

Und Schwarz nimmt Lichtes Urteil sehr ernst. Deshalb hat der neue 05-Coach den fast gleichaltrigen und ziemlich erfahrenen Trainerkollegen haben wollen in seiner Crew. Einen Mann, der von außerhalb kommt und neue Ansätze mitbringt von seinen bisherigen Stationen. „Ich glaube, wir haben schon gemeinsame Ansätze, wie wir uns Fußball vorstellen. Im Detail ist das dann immer etwas unterschiedlich, aber das macht es ja aus. Wenn einer die Dinge etwas anders sieht, muss das nicht besser sein, aber du kannst dir Gedanken darüber machen, ob wir in diese Richtung gehen oder es genauso weitermachen wollen wie vorher“, betont Lichte. Falkenmayer dagegen kennt das komplette Umfeld. Der 33-Jähige hat am Bruchweg gespielt als Profi, später als Amateur, hat sich in der Dritten Liga als Assistent an der Seite von Schwarz entwickelt und ist von dessen Spielidee stark geprägt. Das Trio ergänzt sich, doch Falkenmayer sieht seinen Job als Lehre, will möglichst viel mitnehmen an Erfahrungen und Wissen von Schwarz und Lichte.

Jan-Moritz Lichte. Geboren im Januar 1980. Als Spieler aktiv beim KSV Baunatal und beim SC Paderborn II. 2011 als Jahrgangsbester mit dem Fußballlehrerzertifikat ausgestattet.  Nachwuchskoordinator in Paderborn. Dann Co-Trainer von André Schubert in Paderborn und St. Pauli. Co-Trainer unter Sascha Lewandowski und Sami Hyppiä bei Bayer Leverkusen. Co-Trainer von Michael Frontzek bei Hannover 96. Zuletzt Leiter des Nachwuchs-Leistungszentrums beim ersten 05-Ggener der neuen Saison. Ein routinierter Mann im Geschäft, der schon viel gesehen hat und den Schwarz unbedingt an seiner Seite haben wollte am Bruchweg. Anderthalb Tage habe er gebraucht, um das Angebot von Mainz 05 anzunehmen, betont Lichte, dessen Bruder Henning von 2004 bis 2007 für die 05er in der Ober- und Regionalliga gespielt hat.

„Ich habe mir irgendwann überlegt, ich würde gerne mit Fußball mein Geld verdienen. Dass es als Spieler nicht reicht dafür, war klar. Aber ich beschäftige mich gerne mit Fußball, bin an allem interessiert. So hat es dann irgendwann angefangen und sich top entwickelt, für jemand, der nicht selber in den höchsten Ligen gespielt hat“, sagt der 37-Jährige, der als Tüftler gilt, Trainingsformen entwickelt und sich Übungen ausdenkt. Lichte betont, dass er den Job in Mainz nicht als Durchgangsstation sieht. „Es geht immer darum, den nächsten Schritt zu gehen, sich zu entwickeln, noch was zu lernen. Du kannst immer was mitnehmen, überall. So sehe ich das. Wohin es mich irgendwann schlägt, weiß ich nicht. Ich hoffe jetzt erstmal so lange wie möglich hier zu bleiben. Die Arbeit im Team und mit dem Team macht mir sehr viel Spaß. Ich würde es sofort unterschreiben, wenn wir es viele Jahre miteinander machen könnten. Ich habe aber auch schon Sachen erlebt, dass es dann doch ziemlich schnell gehen kann. Man kann es sich nicht immer aussuchen, was man machen möchte.“

Entspannte Momente gab es vor allem im Trainingslager der 05er selten für Jan-Moritz Lichte und Michael Falkenmayer. Die beiden Co-Trainer steckten tief in der Arbeit mit den 05-Profis. Foto: Jörg SchneiderWas Lichte am Bruchweg macht, ist mit einem Wort umrissen. „Fußball“, sagt er. „Als Co-Trainer ist dein Schwerpunkt Fußball. Der Cheftrainer hat ja noch viele andere Dinge zu tun, Mediengespräche, Marketingveranstaltungen und solche Dinge. Als Co-Trainer machst du alles, was konkret mit Fußball zu tun hat. Training vorbereiten, nachbereiten, die Spiele vor- und nachbereiten. Individuelle Videoanalysen. Individuelle Geschichten auf dem Platz.“ Und natürlich Spielbeobachtung. Der Co-Trainer hat sich schon intensiv mit dem Pokalgegner Lüneburger SK beschäftigt, war zweimal vor Ort. „Bis jetzt ist die Absprache so, dass Michael und ich uns mit dem Gegner beschäftigen, unterschiedliche Spiele gucken. Dann packen wir es zusammen und besprechen das Ganze mit Schwarz. Jeder sieht ein Spiel etwas anders. Je mehr Eindrücke, desto besser.“

Auch die Eindrücke von der eigenen Mannschaft gefallen dem Co-Trainer. „Jeder Trainer sagt, es ist schön, wenn man das, was man trainiert, auch im Spiel sieht. Nicht so schön ist es, wenn man es nicht sieht. Bei uns merkt man, die Jungs versuchen die Dinge umzusetzen.“ Das gelinge noch nicht komplett. Vielleicht auch aus Kopfgründen. „Wenn du noch viel über Abläufe und Prinzipien nachdenken musst, dann ist oft das Spiel einen Tick langsamer als es irgendwann sein wird. Wenn es langsamer ist, geht es dann nicht mehr ganz so einfach, wie es gehen könnte, wenn sie nicht so viel darüber nachdenken müssten. Da ist Geduld etwas, was man mitbringen und trotzdem den Ehrgeiz haben muss, es so schnell wie möglich hinzubekommen.“ Die Entwicklung eines Teams sei nie fertig abgeschlossen. „aber wir sollten schon bis zum Pokal auf einem guten Weg sein“, betont Lichte. 

 

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