Missverständnis beendet

Jörg Schneider. Mainz.
Seine Verpflichtung war sicherlich einer der größten Fehlgriffe der jüngeren Bundesligageschichte des Klubs. Jetzt hat Nikita Rukavytsya das Kapitel Mainz 05 beendet. Der Stürmer wechselt mit sofortiger Wirkung zu den Western Sydney Wanderers, dem aktuellen Vizemeister der australischen A-League. Der Nationalspieler, der zuletzt sporadisch mit dem Drittligateam der 05er trainierte, unterschrieb in seiner Heimat Australien einen Einjahresvertrag. Über die Ablösemodalitäten gibt’s von beiden Vereinen keine Aussagen.

Nikita Rukavytsya wechselt mit sofortiger Wirkung nach Sydney. Foto: Jörg SchneiderFußballtrainer lassen sich oft von einem Gefühl leiten. Bauchentscheidungen heißt das dann. Eine solche Bauchentscheidung hat zu einem der größten Missverständnisse in der jüngeren Personalpolitik des FSV Mainz 05 geführt. Ein Bundesligaspiel Ende März 2012 gab den Ausschlag. Hertha BSC Berlin gewann sein Auswärtsspiel in der Coface Arena dank einer herausragenden Konterstärke mit 3:1. Einer der Flügelsprinter, über den die Hertha ihre Überfallangriffe initiierte und der den Führungstreffer durch Änis Ben-Hatira perfekt vorbereitete, war Nikita Rukavytsya, Thomas Tuchel, der damalige 05-Trainer, war fasziniert und wollte den schnellen Stürmer aus Australien unbedingt haben.

Im Sommer 2012 verpflichteten die 05er den damals 25-Jährigen als Konterwaffe. Nach etwas mehr als zwei Jahren jedoch ist die Bilanz ernüchternd: Ganze acht Bundesligaeinsätze hat Rukavytsya für die 05er absolviert, war im vergangenen Jahr an den FSV Frankfurt ausgeliehen (19 Einsätze in der Zweiten Liga). Im Sommer kehrte der Spieler zurück, weil die Frankfurter kein Interesse, wahrscheinlich auch nicht die finanziellen Mittel hatten, um den Stürmer fest zu verpflichten. Zuletzt trainierte der Nationalspieler sporadisch mit der U23 der 05er am Bruchweg.

Doch auch unter dem neuen  Trainer Kasper Hjulmand war schnell klar, dass der Profi nicht Bestandteil des Bundesligakaders werden würde. Rukavytsya, dessen fußballerische Defizite stets auffallend waren, fuhr nicht mit ins Trainingslager nach England. Christian Heidel erhielt einige Angebote für den Australier, der jedoch dankend ablehnte. Was wiederum Kopfschütteln bei Heidel auslöste.

Der 05-Manager äußerte mehrfach seinen Eindruck, Rukavytsya, der am Bruchweg einen bis nächsten Juni laufenden und sicherlich nicht schlecht bezahlten Bundesligavertrag hatte, sei genügsam und zufrieden mit der Situation, fühle sich wohl und sitze seine Zeit in Mainz offenbar geduldig ab.

Nun hat Rukavytsya diese Situation beendet. Der Stürmer wechselt mit sofortiger Wirkung in seine australische Heimat. Und zwar zum aktuellen Vizemeister, den Western Sydney Wanderers, die am Wochenende ihr Auftaktspiel in die neue Saison gegen Melbourne Victory ohne den Neuzugang 1:4 verloren. Der neue Arbeitgeber empfängt den Angreifer mit offenen Armen. Rukavytsya sei eine Klasse-Verpflichtung für den Klub, sagte dessen Vorsitzender John Tsatsimas den australischen Medien. Ein Spieler, der die A-League kenne und eine gute Vita habe. Einen australischen Spieler zu verpflichten, sei ein Bonus und könne nur gut sein für die Wanderers und den Fußball im Lande.

Am Mittwoch wird der Neuzugang, der auch ein Angebot von Perth Glory hatte, sich aber für den Vizemeister entschied, in Sydney erwartet. Wie hoch die Ablösesumme ist, die der Klub für den 05-Stürmer hinblättern muss, darüber sei Stillschweigen verabredet worden, heißt es bei Mainz 05. Auch über die Hintergründe des Wechsels war bisher nichts zu erfahren.

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