Mit 100 Prozent zum 1:0

Christian Karn. Mainz.
Es geht! Mainz 05 hat nach fünf Niederlagen wieder ein Spiel gewonnen, damit den knappen Vorsprung auf Augsburg gehalten, Ingolstadt wieder auf Distanz gebracht. Danny Latza schoss das entscheidende Tor beim 1:0 gegen Hertha BSC in der Nachspielzeit der ersten Hälfte, die Berliner waren freilich ein viel schwächerer Gegner als ihre Vorgänger in den letzten Wochen. Und der letzte von diesem Kaliber. Aber das ist ein Thema für kommende Tage. Am Samstag zählten nur die drei Punkte. Die haben die 05er dank einer konzentrierten Abwehrleistung, dank zweier starker Sechser, dank Jannik Huth, der an seinem 23. Geburtstag die beiden anspruchsvollen Bälle hielt und zur Belohnung zur Humba auf den Zaun gerufen wurde.

FSV Mainz 05 - Hertha BSC 1:0 (1:0)

Samstag, 14. April 2017, 30.579 Zuschauer.

FSV Mainz 05: Huth - Donati (79. Balogun), Bell, Hack, Brosinski - Jairo, Frei, Latza, Quaison (78. Onisiwo) - Muto, Córdoba (86. de Blasis).
Reserve: Lössl, Bojan, Ramalho, Bungert. Trainer: Schmidt.

Hertha BSC: Jarstein - Pekarík, Langkamp, Brooks, Plattenhardt - Skjelbred, Allan - Haraguchi (60. Allagui), Kalou, Mittelstädt (60. Esswein) - Ibisevic .
Reserve: Kraft, Duda, Kohls, Kade, Torunarigha. Trainer: Dárdai.

Schiedsrichter: Aytekin (Oberasbach).

Tor: 1:0 Latza (45+1., Frei)

Gelbe Karten: Donati - Mittelstädt, Esswein, Brooks.

Das Spiel begann mit einer großen 100-Prozent-Einsatz-Choreographie auf der Fantribüne. Und es war keine zehn Sekunden alt, da musste Jhon Córdoba schon zeigen, was das bedeutete. Zwei Berliner hatten den Kolumbianer beim Kopfballversuch an der Mittellinie zwischen sich plattgemacht. Córdoba kam wieder. Und musste mit seinen Kollegen erst einmal das Spiel machen; wie erwartet spielten die Berliner erst einmal abwartend, eher destruktiv, auch schon sehr früh auf Zeit. Der Mainzer Auftritt sah im Ansatz auch nicht so schlecht aus, selbst im Berliner Strafraum hatten sie immer mal wieder kontrollierten Ballbesitz, aber der Weg zum Tor war meistens versperrt. Nicht Córdoba, nicht die zweite Spitze Yoshinori Muto, auch nicht die Außenstürmer Quaison und Jairo Samperio, sondern der Innenverteidiger Stefan Bell hatte den ersten Abschluss in der zwölften Minute, einen Kopfball, der das Tor deutlich verfehlte. Die Berliner machten das geschickt im Strafraum. Auch in den Szenen, in denen der Mittelstürmer sich vermeintlich nur drehen musste, um freie Schussbahn zu haben, waren sie blitzschnell mit drei, vier Mann an ihm dran, um ihm bis auf den Rückpass ins Mittelfeld jede Option zu nehmen.

Struktur war jedoch drin im Mainzer Spiel. Auch ein paar schöne Zweikämpfe, schöne scharfe Balleroberungen der Sechser Danny Latza und Fabian Frei, auch von Giulio Donati. Das gefiel dem Publikum. Etwas mehr Staffelung für die Spielaufbauer der letzten Reihe wäre jedoch hilfreich gewesen. Diese hatten Mühe, den Ball sinnv‍oll und konstruktiv, nicht einfach auf gut Glück weiterzugeben. Torchancen entstanden daher kaum, den ersten Ball, der aufs Tor ging, schickte Latza in der 26. Minute aus dem Hintergrund ab. Torwart Rune Jarstein flog und hielt zur Ecke. Die wurde nicht gefährlich. Jairos Flanke in der 29. Minute schon eher; Córdoba kam in der Mitte aber nicht hinter den Ball, der Kopfball kam viel zu hoch, auch der von Bell eine Minute später. Quaison wiederum war nach einem Steilpass in der 33. Minute nur scheinbar frei durch; der Schwede wartete etwas zu lange, der Verteidiger kam und blockte.

Ja, ein bisschen häuften sie sich, die Versuche in der Mitte der ersten Hälfte. Das Tor fiel halt nicht. So stand es am Ende einer in den anderen Stadien der Bundesliga torreichen ersten Hälfte lediglich in Mainz nach 45 Minuten immer noch 0:0 - aber nicht zur Halbzeit! Denn in der Folge eines zunächst abgewehrten Eckballs kam Latza in der gerade erst angebrochenen Nachspielzeit noch einmal zum Schuss. Kapital von John Brooks abgefälscht landete der Ball im langen Eck zur ersten Mainzer Führung seit dem Leverkusen-Spiel. Insofern hatte das Spiel zwar tatsächlich etwas vom (intensiveren) Spiel gegen die (aktiveren) Leipziger. Das war schiefgegangen, aber diesmal hatten die 05er gegen den bis dahin absolut harmlosen Gegner ihr 1:0. Und kein 2:0 - in der allerletzten Szene der ersten Hälfte redete ganz Mainz schon zum zweiten Mal auf Deniz Aytekin ein und wollte einen Handelfmeter, aber der Schiedsrichter entschied beim Handspiel von Sebastian Langkamp auf "unabsichtlich" und pfiff ab.

Jannik Huth hatte in der 49. Minute erstmals wirklich etwas zu tun, als Alex Hack eine Flanke unterschätzte, Salomon Kalou den Ball überließ. Der Torwart machte das kurze Eck dicht, blockte doppelt, hielt sogar den Ball im Spiel und unter Kontrolle. Es war aber ein Zeichen dafür, dass Hertha jetzt mitspielte, nicht mehr nur den Gegner behindern wollte. Dass der Weg zum Heimsieg noch weit war.

Falls es jemand vergessen hat: So sieht ein Führungstor aus! Danny Latza war der Torschütze - wenn's nicht doch als Eigentor gewertet wird. Foto: imagoDie 05er blieben aber aggressiv, waren schnell wieder auf der Suche nach dem 2:0. Pál Dárdai reagierte darauf nach einer Stunde mit zwei neuen Außenstürmern: Für den kaum vorhandenen Genki Haraguchi und für Maximilian Mittelstädt, der nur noch einen bösen Gedanken von Gelb-Rot entfernt war, kamen der Ex-05er Sami Allagui und Alexander Esswein (der sich auch sofort Gelb abholte). Die erste Chance - eine dicke Chance! - hatte aber Jairo, der gerade erst am Tor vorbeigeschossen hatte, nun mit einem angeschnittenen Ball den entfernten oberen Winkel knapp verfehlte. Der Weg war immer noch weit, aber die 05er waren auf dem richtigen Weg. Ihr Unglück, dass Aytekin einfach nicht bereit war, Handelfmeter zu pfeifen. Jairo wollte in der 64. Minute zum dritten Mal den Pfiff. Lediglich Giulio Donati entwickelte sich zum Sicherheitsrisiko - nicht fußballerisch, aber ebenfalls auf dem Weg zu einem Platzverweis, während der glücklose, aber pausenlos rackernde Quaison nach einer herausragenden Ballbehauptung von Frei und einem Konter über Córdoba um einen Schritt zu spät kam, während Huth einen Esswein-Schuss hielt (74., 75.).

Donati hatte bald Feierabend. Und Hertha fand doch noch die Offensive, setzte den Mainzer Strafraum noch einmal unter Druck. Die 05er stemmten sich dagegen. Und kamen partout nicht ricbhtig in die Konter, hatten Ansätze, aber nichts Richtiges. Córdoba ging die Kraft aus, der Kolumbianer kam kaum noch aus dem Abseits, brauchte seine Auszeiten, spielte in Phasen nicht mehr richtig mit, kam nach den kurzen Regenerationsphasen aber auch immer wieder zurück. Und wurde in der 86. Minute erlöst. Letzter Wechsel, Pablo de Blasis kam.

Es war aber immer noch ein langer Abend. Alex Hacks neonblonder Kopf war immer öfter zu sehen, der Verteidiger hatte einige hohe Bälle wegzuschaffen. Machte das. Balogun hatte im strömenden Regen der 90. Minute nach einem Freistoß das 2:0 auf dem Kopf, Jarstein hielt. Vier Minuten Nachspielzeit. Die 05er musten die letzten Reserven anbrechen. Muto schoss vorbei - noch zwei Minuten. Immer noch 1:0. Und immer noch viel Kontrolle. Ein letztes Missverständnis in der 94.? Ein Eckball. Kein notwendiger Eckball. Jarstein kam nach vorne. Die vier Minuten waren vorbei. Aber der Ball kam. Rausgeköpft. Abgepfiffen. Allagui schoss zwar noch ein Tor, jubelte der Form halber, wusste aber sicherlich: Das Spiel war vorbei. Und Mainz 05 hat es gewonnen.

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