Mit Geduld und viel Bock ins Derby

Jörg Schneider. Mainz.
Zum Auftakt geht’s gleich richtig zur Sache: Der FSV Mainz 05 startet mit dem spannungsgeladenen Derby gegen den SV Darmstadt 98 in seine nächste Intensiv-Etappe in drei Wettbewerben. Der 05-Trainer sieht sein Team bestens vorbereitet, um im Nachbarschafts-Duell den ersten Heimsieg dieser Saison einzufahren. „Wir haben wieder mehrere Spieler näher dran gebracht an den Leistungsstand der anderen. Wir haben viel gearbeitet. Jetzt haben wir eine sehr kampffeste, taugliche Truppe, um in den nächsten Siebenerblock zu gehen“, sagt Martin Schmidt vor der Partie am Sonntag (15.30 Uhr) in der Opel Arena.

Viel Bock aufs Derby und die nächste Etappe: 05-Trainer Martin Schmidt und Leon Balogun, der seine Verletzung überwunden hat. Foto: Ekkie VeyhelmannDie Pause seit dem 0:0 im Auswärtsspiel beim VfL Wolfsburg vor zwei Wochen war gefühlt länger als die Englischen Wochen zuvor. So willkommen die Länderspiel-Unterbrechung in der Bundesliga war für den FSV Mainz 05, so groß ist die Vorfreude am Bruchweg auf die nächste Etappe. Erneut steht das Team von Martin Schmidt vor einem Intensiv-Block mit sieben Spielen in 22 Tagen, vor Aufgaben in der Liga, in der Europa League und im DFB-Pokal. Zum Auftakt der ersten dieser Englischen Woche empfangen die 05er am Sonntag im Derby den SV Darmstadt 98. Nächsten Donnerstag kommt der RSC Anderlecht zum Gruppenspiel in die Opel Arena, danach geht‘s zum Auswärtsduell mit dem FC Schalke 04.

Der 05-Trainer sieht seinen Kader sehr gut vorbereitet auf diese zweite Saisonphase. „Nach dem Wolfsburg-Spiel hatten zwei Tage Regeneration, danach haben wir direkt mit der Trainingsarbeit begonnen. Mit gezielten Inhalten, die aus den Spielen im September entstanden sind. In der Zeit konnten wir nichts in dieser Richtung machen, will wir nur ein normales Training hatten zwischen den einzelnen Spielen“, sagt der 49-Jährige. Im Gegensatz zu den Top-Klubs, die diesen internationalen Rhythmus gewohnt seien, die mit überwiegend fertigen Spielern arbeiteten, nehme in Mainz die tägliche Arbeit jedoch einen viel höheren Stellenwert ein. „Bei Mainz 05 ist das Training unheimlich wichtig. Wir kommen über das Training, wir werden durch das Training besser.“  Deshalb habe man die vergangenen zwei Wochen intensiv genutzt. „Wir haben wieder mehrere Spieler näher dran gebracht an den Leistungsstand der anderen. Wir haben viel gearbeitet. Jetzt haben wir eine sehr kampffeste, taugliche Truppe, um in den nächsten Siebenerblock zu gehen“, betont Schmidt.

Der Bundesligist hat die erste Phase dieser Spielzeit besser verkraftet als im Vorfeld von vielen befürchtet. Acht Punkte in der Liga, vier Zähler im Europapokal. Ein dicht gepacktes Vollprogramm mit vielen Auswärtsfahrten. Schmidt und dessen Leute haben schnell viele Erfahrungen sammeln können in dieser Hochbelastungsphase. Erkenntnisse, die nun helfen sollen, auch den nächsten Block erfolgreich in Angriff zu nehmen. „Ich habe viele Gespräche mit Spielern geführt, mit dem Spielerrat, dem Funktionsteam, um alles einfließen zu lassen. Da war mir die Meinung von Zeugwart Walter Notter genauso wichtig, wie es ihm erging in dieser Aufstockung der Spiele mit den vielen Reisen. Ebenso wie sich die Spieler gefühlt haben. Wir haben alle Erfahrungen gesammelt, um daraus zu lernen und wieder an dem einen oder anderen Schräubchen drehen zu können.“

Schmidt glaubt dass darin der Schlüssel zu einem erfolgreichen Verlauf der Runde liegt. „Die Frische der Spieler kann ich über Rotation steuern, die mentale Frische ist fast wichtiger. Jede Reise, die man einfacher abwickelt oder dem Spieler ein Wohlgefühl gibt, bringt Kraft auf dem Platz. Wir haben an allem gedreht, was organisatorisch und strukturell für uns wichtig ist“, sagt der Coach. „Ich glaube, wichtig ist dazu, dass wir immer wieder vor allem auf den laufintensiven Positionen rotieren können. Dann werden wir das sicher so abwickeln, wie im September, werden die nächsten Wochen solide bestreiten und zufrieden da rausgehen können.“

Schmidt mit viel Respekt vor den 98ern

Den 05-Profis habe diese Anhäufung der Wettkämpfe gefallen, hat Schmidt festgestellt. „Sie hatten richtig Bock darauf, waren richtig geil darauf, oft und sehr oft zu spielen. Sie stehen lieber auf dem Platz und absolvieren Spiele, als zu trainieren. Sie fühlen sich nicht total überlastet. Aber das war jetzt nur ein Block. Das Gespräch mit den Spielern könnte sich im Dezember ganz anders anhören.“

Doch eins nach dem anderen. Zunächst schlagen die Darmstädter in der Arena auf. Eine Aufgabe für die 05er, die schwer und unangenehm genug ist zum Auftakt des Programms. Das 0:0 im März ist noch in Erinnerung und wie schwer sich das 05-Team tat gegen diese Defensiv-Spezialisten aus Darmstadt. Inzwischen hat sich bei den Lilien einiges verändert. Das Team hat einen neuen Trainer. Norbert Meier verfolgt den Ansatz, auch im eigenen Spiel nach vorne mehr zu tun. „Das ist eine sehr gute Mannschaft in der Verteidigungsarbeit, mit hoher Intensität und gutem Kollektiv“, weiß der 05-Trainer. Das Spiel der Hessen sei  etwas kultivierter geworden, der Spielaufbau mit eigenem Ballbesitz sei nun mit drin. „Sie konzentrieren sich nicht mehr nur auf die Defensive, sie machen mit Ball mehr nach vorne als letzte Saison.“ Doch die Abwehrarbeit ist nach wie vor die Basis des Darmstädters Spiels. „Sie haben von ihren zwölf Gegentoren sechs alleine in Dortmund gekriegt.“ In den übrigen Begegnungen habe Darmstadt gezeigt, dass sie noch immer imstande seien, ein Spiel mit nur einem Gegentor zu absolvieren. „Das ist ein Team, das sehr schwer zu spielen ist“, so Schmidt. „Es ist schwer zu Chancen zu kommen. Deshalb wird das eine Geduldsfrage werden für uns. Da brauchen wir eine hohe Konzentration im letzten Drittel. Die Effizienz muss sehr hoch sein, denn wir werden nicht zu so vielen Chancen kommen.“

Mit der Effizienz hatte der Mainzer Angriff bislang selten Probleme. Obwohl die 05er nach Borussia Dortmund (17) und Bayern München (16) die drittmeisten Tore in der Liga erzielt haben (12), fehlt in der Bilanz noch der erste Heimsieg. 4:4 gegen die TSG Hoffenheim, 2:3 gegen Bayer Leverkusen lauten die bisherigen Ergebnisse. „Dass wir zu Hause noch nicht gewonnen haben, ist so ein Thema, das die Spieler untereinander haben. Das wissen die Spieler. Sie wissen, dass wir im Frühling hier alles gewonnen haben. Wenn wir schlecht gespielt haben, gab’s ein Unentschieden - bis auf die Köln-Niederlage. Dass die Mannschaft das nun zurecht biegen will, ist ständiger Gesprächsstoff. Der Anspruch kommt aus dem Team heraus. Die Eigenmotivation“, sagt der Trainer, „ist sehr groß und die wächst bis Sonntag noch weiter an.“

 

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