Muto: Nur Statist in der Honda-Show

Christian Karn. Mainz.
Mit einem 3:0 gegen das allerdings auch auf asiatischer Ebene bestenfalls drittklassige Kambodscha hat sich Japan in der WM-Qualifikation für das 0:0 gegen Singapur rehabilitiert. Fußballerisch war's allerdings nicht besonders gut, was die Mannschaft von Vahid Halilhodzic veranstaltete. Der Mainzer Angreifer Yoshinori Muto spielte von Anfang an und bereitete in gewisser Weise das dritte Tor vor, hatte aber bis zu seiner Auswechslung in der 65. Minute nicht viel mit dem Spiel zu tun.

Mit dem Spiel Japans gegen Kambodscha hat die Länderspielsaison der Nationalspieler des FSV Mainz 05 begonnen. Am zweiten Spieltag der Asien- und Weltmeisterschaftsqualifikation gewannen die "Samurai Blue" 3:0 (1:0) und rehabilitierten sich für das enttäuschende 0:0 gegen Singapur und das Fiasko bei den Ostasienspielen. Dennoch ließ die Leistung gegen das offiziell sechstschlechteste Team Asiens viel zu wünschen übrig. Die Japaner - mit dem Mainzer Neuzugang Yoshinori Muto und dem Ex-Mainzer Shinji Okazaki in der Startelf - spielten erneut erschreckend berechenbar.

Shusaku Nishikawa hätte man einen Campingstuhl gegönnt. Nicht einen einzigen Ballkontakt hatte Kambodscha im japanischen Strafraum, einen einzigen harmlosen Torschuss ließen die Südostasiaten los. Der Torhüter der Urawa Red Diamonds hatte nur eine Aufgabe: durch passive Anwesenheit dafür sorgen, dass der Gegner nicht auf die Idee kommt, von der Mittellinie zu schießen.

Ganz anders sah die Welt aus für Sou Yaty, den Torwart vom kambodschanischen Klub Boeung Ket Angkor. Das japanische Führungstor in der 28. Minute war seine Schuld, kein Zweifel. Aber trotz einer Verletzung kurz vor der Halbzeit, derentwegen Sou immer wieder behandelt werden musste, hielt der junge Keeper tapfer durch, warf sich, obwohl er viel Verkehr in seinem Fünfer hatte und viel abbekam, in jeden Ball und machte sehr viel richtig. Mehr als der koreanische Schiedsrichter, der den Japanern zwei klare Elfmeter verweigerte.

Der Klassenunterschied war früh zu sehen. Japan hatte von der ersten Minute an die absolute Kontrolle über die Partie. Allerdings wirkte das japanische Spiel immer etwas kopflos. Die gewohnte Passpräzision war nicht da, die Japaner schafften es nicht, die in einem 5-4-1-System mit Raute verteidigenden Gäste auseinanderzuspielen. Tief stehende Gegner sind die Japaner gewohnt, diese Aufgabe ist ihnen auch schon leichter gefallen. Sie waren schon zusammenhängender, eingespielter, sie waren vor allem unter ihrem vorherigen Trainer Javier Aguirre eine Maschine. Die Partie gegen Kambodscha war seither nicht das erste Spiel, in dem die Komponenten nicht zusammenpassten, Optionen nicht genutzt wurden, Räume und Spieler nicht integriert waren, isoliert waren. Es war eindimensional.

Yoshinori Muto - hier gegen Venezuela - dürfte in Japan lange Zeit einen frustrierenden Abend gehabt haben: Über weite Strecken band seine Nationalmannschaft den linken Flügel nicht ins Spiel ein. Foto: imagoIn der ersten Hälfte machten die Japaner nichts ohne Rechtsaußen Keisuke Honda, es gab fast nur einen Spielzug: Raus ins rechte Halbfeld zu Honda, Hiroki Sakai hinterläuft, bekommt den Ball, lockt die letzte Abwehrreihe in die Tiefe (die geht gern mit, weil sie weiß: Die vorletzte Reihe steht direkt vor ihr), spielt zurück auf Honda, der flankt sanft kurz vor den Elfmeterpunkt. Kambodscha merkte das schnell und wehrte fast jede Flanke ab. Eine allerdings über nur eine Zwischenstation vor Hondas Füße. Der zog ab, schoss Sou die Hände weg. Der Ball war keinesfalls unhaltbar, landete aber zum 1:0 im Tor (28.).

Muto - ebenso wie Okazaki - hatte mit der Partie bis dahin nahezu gar nichts zu tun, konnte nicht viel mehr machen als immer wieder von links ins Sturmzentrum einzurücken und sich zu ärgern, dass Hondas Flanke schon wieder fünf Meter zu kurz war. Erst nach einer guten halben Stunde wurde Japan etwas flexibler. Muto rauschte in eine Flanke von Sakai selbst (der keine Chance gehabt hätte, den Ball vor der Grundlinie noch zu stoppen und volley flanken musste), eliminierte dabei zwei Verteidiger und bekam immerhin eine Ecke (36.). Nach einem Doppelpass schoss der Linksverteidiger Yuto Nagatomo, Sou wehrte ab vor Okazakis Füße und hielt dessen Nachschuss. Das war in der 40. Minute zum ersten Mal eine der schnellen Kombinationen, mit denen Japan viele Abwehrreihen überfordern kann. Und in der 42. Minute wirkte es, als wolle Shinji Kagawa Muto den Scorerpunkt nicht gönnen: Der Mainzer spielte vor Sou quer durch den Fünfer, Kagawa hatte das leere Tor direkt vor sich, spielte aber lieber noch einmal in die Mitte, wo Okazaki lediglich mit Sou zusammenrasselte, worauf dieser lange behandelt werden musste. Hätte der Dortmunder versucht, selbst das 2:0 zu schießen, hätte es nicht schiefgehen können.

In der 50. Minute war das Spiel entschieden. Kambodscha versuchte, jeden Schussweg zuzustellen, aber der torgefährliche Innenverteidiger Maya Yoshida sah eine offene Bahn und traf aus gut 20 Metern flach ins lange Eck. Etwas später - die Japaner hatten inzwischen von 4-2-3-1 auf 4-4-2 mit Kagawa auf der linken Seite und Muto als zweiten Strafraumstürmer umgestellt - bekam der Mainzer doch noch seinen Scorerpunkt: Okazakis Schussversuch nach Steilpass von Honda wurde geblockt, Mutos Nachschuss auch, Kagawas Nachschuss passte durch die Lücke (61.). Vier Minuten darauf wurde Muto ausgewechselt. Die Japaner rannten weiterhin an, flexibler als in der ersten Hälfte und dennoch ohne die gewohnte Dynamik, gaben kurz vor Schluss den 34. Torschuss ab und stehen nun mit vier Punkten aus zwei Spielen hinter Singapur auf dem zweiten Platz ihrer Qualifikationsgruppe. Der reicht nicht zwingend für die nächste Runde, aber die Qualifikation ist noch jung. Und geht für Japan am Dienstag weiter mit dem Spiel gegen Afghanistan in Teheran.

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