Muto ohne Beitrag zur Tabellenführung

Christian Karn. Mainz.
Die japanische Fußball-Nationalmannschaft hat am vierten Spiel ihrer WM-Qualifikationsgruppe die Tabellenführung übernommen. Die Japaner schlugen den bisherigen Tabellenführer Syrien durch drei Tore in der letzten halben Stunde eines im Großen und Ganzen schwachen Spiels 3:0, der Dosenöffner war ein Elfmeter nach einem Foul an Shinji Okazaki. Der Ex-Mainzer schoss auch das 2:0 und wurde in der Schlussphase gegen den heutigen Mainzer Yoshinori Muto ausgewechselt. Dieser hatte in seinen sieben Minuten bis auf eine abgewehrte Flanke keine Szene mehr.

In ihren Auswärtsspielen trifft die japanische Nationalmannschaft derzeit auf die Bürgerkriegsländer Asiens. Wie beim vorherigen Qualifikationsspiel gegen Afghanistan, das in Teheran stattfand, spielten die Japaner daher auch gegen Syrien in einem Drittstaat. In Sib (Oman) gewannen die Ostasiaten 3:0 (0:0) und verdrängten damit ihren Gegner vom ersten Platz ihrer WM-Qualifikationsgruppe. Und wie gegen Afghanistan spielten sie in einem fast leeren Stadion, in dem immerhin pflichtschuldige Nihon-Gesänge und engagierter klingende Sūriyā-Schlachtrufe eine zumindest akustische Fußballatmosphäre erzeugten. 

Yoshinori Muto wurde beim 3:0 Japans gegen Syrien erst in der 86. Minute eingewechselt. Fotos: imagoDer Mainzer Yoshinori Muto kam erst in der Schlussphase ins Spiel. Japans Trainer Vahid Halilhodzic setzte vorne auf den Ex-Mainzer Shinji Okazaki, jetzt bei Leicester City, und dahinter Keisuke Honda (AC Milan), Shinju Kagawa (Borussia Dortmund) und links auf Mutos klassischer Position den Berliner Genki Haraguchi. Und es bleibt beim Eindruck: Mit dem Trainerwechsel nach dem unglücklichen Viertelfinal-Ausscheiden bei der Asienmeisterschaft im vergangenen Winter haben sich die Japaner keinen Gefallen getan. Die Japaner gewinnen ihre Spiele, allerdings ausschließlich gegen unterklassige Konkurrenten. Und die Flexibilität, die offensive Unberechenbarkeit, die Spielfreude aus der kurzen Phase mit Javier Aguirre geht ihnen unter Halilhodzic weiterhin ab. Aguirre war freilich angesichts der Korruptionsvorwürfe, die aus seiner Zeit als Trainer von Real Zaragoza nach Japan geschwappt waren, schon politisch nicht mehr haltbar. Vom Verfahren, das die Staatsanwaltschaft Valencias gegen den Mexikaner eröffnet hat, hat man allerdings seit Monaten nichts mehr gehört. Mittlerweile arbeitet Aguirre in Abu Dhabi für den Al-Wahda FC.

Um Syrien zu schlagen, brauchten die Japaner einen Elfmeter. Der allerdings war berechtigt; tatsächlich dürfte der WM-erfahrene Usbeke Rawshan Irmatov mit seiner Pfeife der beste Mann auf dem Platz gewesen sein. Okazaki hätte in der entscheidenden 58. Minute den Ball vielleicht noch vor der Grundlinie erreicht, aber weit neben dem Tor nicht viel damit anfangen können, dementsprechend überflüssig war der Rempler von Ahmad al-Salih (al-Shorta Bagdad). Der sonst unauffällige Honda schob den Ball locker links ins Tor.

Bis dahin hatten die Japaner keine einzige große Torchance. Ein Schuss von Kagawa, der das Tor deutlich verfehlte, und ein Kombinationsversuch, bei dem der Ball verloren ging, waren in der ersten Viertelstunde symptomatisch für alles Weitere. Das Spiel fand zwar weitgehend zwischen der Mittellinie und dem syrischen Strafraum statt, auch auf der linken Angriffsseite neben dem Strafraum, aber in den 16er oder in dessen Nähe in eine interessante Schussposition kamen die Japaner kaum.

Haraguchi fiel erstmals in der 35. Minute auf mit einem kapitalen Fehlpass, der Syrien die erste echte Tormöglichkeit der Partie eröffnete. Der erfahrene Abdelrazaq al-Hussain vom libanesischen Meister al-Ahed SC verfehlte das kurze Eck allerdings deutlich.

Shinji Okazaki (links) war an zwei Toren der Japaner beteiligt.

Sechs Minuten später hätten die Syrer in Führung gehen müssen. Eine abgefälschte Flanke gab dem Tabellenführer der Gruppe E allen Platz; die Abwehr war von der ursprünglichen Flugbahn des Balls zu nah ans Tor gelockt worden. Mit zwei kurzen Kopfbällen nahmen die Syrer den viel zu passiven Southampton-Routinier Maya Yoshida aus der Szene, der junge Hoffnungsträger Omar Khribin vom irakischen Klub al-Mina'a SC aber machte zu wenig aus der Situation, verfehlte das Tor freistehend aus wenigen Metern.

Okazaki machte derweil das, was man von ihm kennt: Der Ex-05er lief viel, immer in Position, lauerte auf Chancen, hatte Abschüsse aus eher aussichtslosen Angriffen und schoss schließlich das 2:0. Kagawa schüttelte bei einem Solo die linke Grundlinie entlang den ersten Verteidiger ab, tunnelte mit seinem Querpass al-Salih. Okazaki schoss aus vier Metern hoch ins kurze Eck (70.).

In der 82. Minute hätte das 2:1 fallen können. Den ersten Abschluss aus gefährlicher Position unterbanden die Japaner. Der zweite vom eingewechselten Raja Rafe, dem Rekordschützen Syriens, kam nicht aufs Tor, sein 22-Meter-Freistoß hingegen durchaus (85.). Nach dem Schuss, den der japanische Torwart Shusaku Nishikawa (Urawa Red Diamonds) an den Pfosten lenkte, kam Muto für die letzten Minuten als Einwechselspieler für Okazaki ins Spiel und sah sofort die nächste Großchance der Syrer. 

Mit einem Konter entschieden die Japaner in der 89. Minute das Spiel. Nach einem langen Pass brachte Honda mit einem technisch anspruchsvollen Hackenpass den einwechselten Takashi Usami (Gamba Osaka) ins Spiel. Der hatte vor dem syrischen Torwart Ibrahim Alma, einem der wenigen Spieler, die noch in der syrischen Liga spielen, viel Zeit, schoss den Keeper vom al-Wahda SC - nicht mit Aguirres Klub zu verwechseln! - noch an, dieser fälschte den Ball aber nur unwesentlich ab.

Syrien gab auf, Japan hatte in der Nachspielzeit weitere kleine Chancen, übernahm aber letztlich mit einem etwas zu deutlichen 3:0 die Tabellenführung in der Gruppe.

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