Muto will Okazakis Quote angreifen

Jörg Schneider. Lüneburg.
In der Vorbereitung auf die neue Saison hat sich bereits angedeutet, dass Yoshinori Muto auf dem Weg zur Top-Form und zurück zu der Stärke ist, die den Japaner vor seiner langwierigen Verletzungsgeschichte auszeichnete. Beim 3:1-Poskalsieg des FSV Mainz 05 in Lüneburg traf Muto zweimal selbst und holte den Elfmeter raus. Nachher gab’s Lob von allen Seiten. „Yoshi ist ein Killer im Sechzehner“, sagte Stefan Bell. Muto selbst hat sich große Ziele gesetzt: „Ich will mehr treffen als Shinji Okazaki“, erklärte der 25-Jährige. Sein Vorgänger in Mainz kam auf 27 Tore, Muto steht aktuell bei zwölf Bundesligatreffern.

Wer die Vorbereitung aufmerksam verfolgt hat, die Trainingseinheiten und die Testspiele, der konnte schnell feststellen, dass Yoshinori Muto wie ausgewechselt wirkte. Der Japaner strotzte vor Selbstbewusstsein, sprühte vor Energie, wirkte austrainiert und vermittelte den Eindruck, dass sich der Mittestürmer für die bevorstehende Saison große persönliche Ziele gesetzt hat. Nur mit dem  Tore schießen haperte es noch. Ein einziger Treffer im ersten Testspiel gegen Alemannia Aachen. Mehr war nicht. Dafür geriet sein Pflichtspiel-Auftakt nun umso besser. Muto erzielte zwei Tore selbst beim 3:1-Erfolg des FSV Mainz 05 beim Lüneburger SK, holte in dieser Erstrundenpartie im DFB-Pokal zudem den Elfmeter heraus zur 2:1-Führung, war von der Regionalligaabwehr nie zu greifen. Außerdem imponierte der 25-Jährige mit überragenden Ballgewinnen im Gegenpressing. Ein glänzendes Comeback nach einer schwierigen Zeit.

2015 war der japanische Nationalspieler vom FC Tokio an den Bruchweg gewechselt, erzielte in der Vorrunde sieben Treffer hatte drei Torvorlagen. Danach fing das Elend an. Im Februar 2016, beim 1:0-Sieg in Hannover, verletzte sich der Stürmer am Knie. Die Saison war gelaufen. Operation. Reha. Aufbautraining. In der vergangenen Spielzeit ging’s zunächst gut los für Muto, der in den ersten drei Spielen zwei Tore schoss. Doch nach fünf Spieltagen war die Vorrunde für ihn zu Ende. Erneute Knie-Operation. Die ganze Geschichte von vorne. Muto war zwar in der Rückrunde wieder am Start, doch er tat sich schwer. Erst in der Schlussphase, im Abstiegskampf, meldete sich der Japaner mit drei Treffern zurück. Daran will er nun anschließen.

Nach dem Weggang von Jhon Cordoba hat Yoshinori Muto wieder die zentrale Position im 05-Angriff übernommen. Durch diese Umstellung und die veränderte Spielweise blüht der Japaner voll auf. Foto: Imago„Mein größtes Ziel ist es, nicht wieder verletzt zu sein“, sagte Muto in Lüneburg. Nach der Partie gab es für die starke Leistung Lob von allen Seiten. „Ich habe Yoshi jetzt sechs Wochen erlebt, jeden Tag. Er hat es in dieser Vorbereitung sehr gut gemacht, gerade was die Arbeit gegen den Ball betrifft“, sagte Sandro Schwarz. „Yoshi ist sehr aktiv im Schrittwechsel in der Vorwärtsverteidigung. Er ist der erste Anläufer, hat ein sehr gutes Pressingverhalten, ist extrem fleißig. Und für einen Stürmer ist es besonders wichtig, im ersten Pflichtspiel gleich zwei Tore zu machen. Das gibt ihm Auftrieb und bestätigt das, was er im Training und den Testspielen abgeliefert hat“, so der 05-Trainer. Der Stürmer sei ungemein wertvoll für die Mannschaft. „Es tut ihm gut, dass er in der Verantwortung drin ist. Wie er arbeitet, ist für unser Spiel sehr wichtig.“

Mutos Form gehe wieder klar in die Richtung wie am Anfang seiner Zeit am Bruchweg, erklärte Stefan Bell nach dem Pokalsieg. „Er hat sehr darunter gelitten, dass er nach der Verletzung nie richtig fit wurde, immer wieder was hatte. Jetzt sieht man ihm wirklich an, dass er wieder Vertrauen in seinen Körper hat und körperlich voll auf der Höhe ist. Es gab Phasen, da hat er sich in den Zweikämpfen immer noch ein bisschen zurückgenommen wegen seines Knies. Jetzt geht er wieder voll rein“, sagte der Vize-Kapitän. „Yoshi ist ein Killer im Sechzehner. Wenn du siehst, wie er das dritte Tor macht, das ist einfach Qualität.“ Der Mittelstürmer profitiert jedoch auch stark von der neuen Spielweise seiner Mannschaft. Das sieht auch Bell so. „Es ist jetzt ein anderes Spiel. Vorher war es doch so, dass Yoshi oft zu wenige Bälle bekommen hat, weil alles auf Jhon Cordoba ging, damit wir nachrücken konnten. Da war Muto der hängende Stürmer. Jetzt spielt er wieder zentral, hat hinter sich den Zehner, das ändert sein Spiel schon. Er kommt jetzt wieder eher dahin, wo er gefährlich wird.“

Durch den Weggang Cordobas gehe Muto „einen Tacken mehr nach vorne“, stellte der Sportvorstand fest. „Yoshi merkt, da ist noch mehr Verantwortung. Die nimmt er an. Dass er ein Top-Profi und ein Top-Stürmer ist, das wissen wir. Wir freuen uns für ihn und gönnen es ihm alle. So kann es weiter gehen“, sagte Rouven Schröder in Lüneburg. Und auch der Japaner selbst war ganz zufrieden mit sich nach dem Pokal-Auftritt. „Wir wussten, dass wir gewinnen, wenn in den richtigen Situationen die Tore machen und nicht hektisch werden. Mein zweites Tor war ein richtiges Stürmertor. Solche Dinge habe ich in der Vorbereitung unter dem neuen Trainer viel trainiert. Heute hat’s geklappt. Schön, dass ich an allen drei Tore beteiligt war“, erklärte der 25-Jährige, der sich selbst eine große Aufgabe stellt: „Ohne Verletzung kann ich Tore schießen. Ich will mehr treffen als Shinji Okazaki. Das ist das Ziel.“ Mutos Landsmann, der zum Auftakt der Premier League bei der 3:4-Niederlage beim FC Arsenal einen Treffer für Leicester City erzielte, hat in seinen zwei Jahren in Mainz immerhin 27 Bundesliga-Tore erzielt. Muto steht derzeit bei zwölf Treffern.

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