Mutos Berührungsängste, Latzas Zeit-Defizit

Jörg Schneider. Mainz.
Die Befürchtungen haben sich nicht bewahrheitet, der FSV Mainz 05 meldet Entwarnung bei Jhon Cordoba. Die Knie-Verletzung, die sich der 23-Jährige beim Auftakttraining im Aostatal zugezogen hatte, ist nicht weiter schlimm. Der Kolumbianer stand am Sonntag schon wieder auf dem Platz, absolvierte zunächst ein Individual-Programm, stieg dann ins Zweikampftraining ein und erzielte sofort etliche Treffer. Yoshinori Muto erlitt nach einem Zweikampf eine leichte Prellung am Fußgelenk, soll aber am Montag wieder dabei sein.

Entwarnung und Aufatmen beim FSV Mainz 05: Die Überstreckung des linken Knies, die sich der Mittelstürmer beim Auftakt-Training am Samstag in Saint-Vincent zugezogen hatte, hat keine nennenswerten Schäden verursacht. Nach intensiver Behandlung stand der 05-Profi am Sonntagmorgen schon wieder auf dem Platz, absolvierte zunächst ein spezielles Individual-Training mit Reha-Coach Axel Busenkell. Später stieg Cordoba sogar in die harten Zweikampfspielformen ein und zeichnet sich dabei in den Duellen vier gegen vier auf dem Kleinfeld einige Male als Torschütze aus.

Yoshinori Muto musste am Sonntag das Zweikampf-Training wegen einer Prellung am Fußgelenk abbrechen. Der Japaner präsentiert sich ansonsten im Aostatal fit und spielerisch stark, hat allerdings nach Ansicht seines Trainers Berührungsängste im Zweikampf. Foto: Jörg SchneiderDafür musste allerdings Yoshinori Muto die Sonntagseinheit im Trainingslager der 05er im italienischen Aostatal vorzeitig abbrechen. Nach einem Zweikampf mit Niko Bungert erlitt der Japaner eine leichte Prellung am Fußgelenk. Muto klagte zudem wieder über Schmerzen im Knie. „Die Duelle eins gegen eins sind halt das intensivste Training, das es gibt“, sagte der Coach später. „Ich denke aber, dass er am Montag wieder dabei ist.“ Diese Einheiten seien genau das, was der Torjäger brauche. „Wenn man momentan Spiele von Yoshi schaut, dann ist er fit, rennt und ist beweglich, aber sucht den Köper und den Gegner nicht, weil er noch Berührungsängste hat. Deshalb sind solche Trainings sehr wichtig für ihn. Da hat man heute gemerkt, dass er sich in dieser Sportart noch zurücknimmt. Wenn er bundeligastarttauglich sein will, muss er in dem Bereich zulegen. Bis man nach einer langen Verletzung den Mut hat, die Zweikämpfe so zu führen, braucht es einige Trainings, die hat er noch vor sich.“

Suat Serdar fehlte wegen einer Halsentzündung. Danny Latza und Gerrit Holtmann bestritten ein individuelles Lauf- und Dehnprogramm nach Verletzung. Holtmann wird schnell wieder einsteigen ins Teamtraining. Latza soll, wenn alles gut geht, in Saint-Vincent viel laufen und im Ausdauerbereich arbeiten, um dann in der Woche nach der Rückreise aus Italien in die Arbeit mit der Mannschaft einzusteigen.

„Das Ziel ist, dass er bis Ende der Woche mit dem Ball arbeitet und nächste Woche dann einsteigt“, sagt Martin Schmidt. „Das Ziel nach seiner Verletzung war Mannschafstraining in vier Wochen. Jetzt sind wir in der dritten Woche, also auf dem Weg.“ Trotzdem wird es extrem eng für den Mittelfeldspieler, der in der vergangenen Saison den Stammplatz neben Julian Baumgartlinger auf der sechs behauptet hatte und im Plan des Trainers wohl derjenige war, der eigentlich zum Saisonstart gesetzt sein sollte als erfahrener Mann in den 05-Abläufen und -Prinzipien, um die Neuzugänge heranzuführen auf dieser Position. Daraus wird erst mal nichts. „Klar, hätte ich ihn gerne da gesehen. Aber wir wussten schon im Mai, als er mit dieser Verletzung angefangen hat, dass es lange dauern würde. Ich hätte ihn jetzt gerne dabei, um José Rodriguez und Jean-Philippe Gbamin jeweils einen erfahrenen Mann dazu zu stellen, damit sich deren Eingewöhnungsprozess beschleunigt. Jetzt müssen halt Fabian Frei und Suat Serdar ran und das übernehmen.“

Den U19-Nationalspieler sieht der 05-Trainer im Übrigen relativ weit vorne im Moment. „Suat wird noch mal einen Schritt machen. Er hatte Einsätze in der Rückrunde, ist weiter gekommen. Das hat man schon im Spiel gegen Sevilla gesehen“, sagt der 49-Jährige. „Er ist sehr aggressiv. Er ist einer der Spieler, der das im Moment am besten bei uns intus hat: aggressiv sein, rausstechen, vorwärtsverteidigen, Bälle erobern. Deshalb sehe ich ihn nicht hinten dran, sondern absolut auf Augenhöhe mit den anderen.“

Am Sonntag begann im Estadio Perucca die Art von Training, die der 05-Coach für die Woche im Aostatal angekündigt hatte. „Zum Einstieg am Samstag haben wir noch mal Ballhalteformen trainiert, Widerstandstraining. Das Feld wird immer größer und die Spielzeit immer länger“, sagt Schmidt. „Nun gehen wir in die anderen Inhalte rein. Im taktisch-technischen Bereich. Hauptsächlich Defensivarbeit und Abläufe. Das geht bei eins gegen eins los und endet bei zehn gegen zehn.“ Am Sonntagmorgen ging es nur bis zum vier gegen vier mit Torabschluss auf dem Kleinfeld. Eine harte Zweikampf-Einheit, die dem Coach gefallen hat. Man habe sofort gesehen, dass der Spaß drin sei, wenn es ums Torschießen gehe, sagt Schmidt. Obwohl die Übung eigentlich rein defensiver Natur war. Doch da sei sofort Wettkampfstimmung drin, da gehe es ums gewinnen, da werde gefightet. „Es war uns bewusst, dass wir damit erst in der vierten, fünften Vorbereitungswoche anfangen konnten“, betonte der 05-Trainer. „Denn Defensivtraining bei uns heißt volle Kanne Power, heißt Pressing, immer Vorwärtsverteidigen, rausstechen, Zweikämpfe führen. Das hätte in der ersten Phase nicht gepasst. Jetzt aber umso mehr, und deshalb wird das in den nächsten Wochen im Training vorherrschend sein.“ Deshalb, so Schmidt würden dann auch die kommenden Testspiele der Mannschaft anders aussehen als zuletzt. „Bis jetzt hatten wir eher Themen mit Ball, Offensivthemen, Ballhaltethemen. Die sind in den Grundlagenausdauerbereichen leichter abzubilden als das, was jetzt passiert.“

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