Nachfolger, aber keine Kopie von Geis

Jörg Schneider. Mainz.
Fabian Frei ist der prominenteste Neuzugang des FSV Mainz 05 bisher. Der Schweizer Nationalspieler, der für rund 3,6 Millionen Euro vom FC Basel an den Bruchweg wechselte, kommt als Nachfolger des zum FC Schalke 04 transferierten Johannes Geis. Dass da gewisse Parallelen gezogen werden, ist dem 26-Jährigen klar. Doch Frei legt Wert darauf, eine eigene Marke zu setzen. „Ich bin keine Kopie von Geis. Ich bin ich. Ich mache mein Ding“, sagt der 05-Profi im Medien-Gespräch.

Gute Laune auf der Bruchweg-Tribüne: Fabian Frei im Pressegespräch. Foto: Jörg SchneiderFabian Frei hatte bereits nach dem Auftakttraining befürchtet, dass die erste Woche in der neuen Umgebung anstrengend werden könnte. Der prominenteste Neuzugang des FSV Mainz hatte den richtigen Riecher. „Ich fand es hart heute“, sagte der Schweizer Nationalspieler nach dem Vormittagstraining des Bundesligisten am Dienstag. „Ich musste direkt mal nachfragen, ob es an mir lag, oder ob die Anderen auch müde waren. Zum Glück waren sie auch sehr müde.“

Martin Schmidt nimmt zum Start in die Saisonvorbereitung wenig Rücksicht auf die äußeren Temperaturen. Der 05-Trainer steigt mit seinem noch reduzierten Kader direkt richtig ein und hatte gleich eine intensive Einheit parat für die Profis. Grundlagentraining, konditionelle Aufbau-Arbeit. Zwar alles mit dem Ball und in Spielformen, aber extrem schweißtreibend und anstrengend. „Es ist richtig cool hier“, sagt Frei lachend.

Der 26-Jährige vermittelt jedenfalls den Eindruck, dass er sich auf Anhieb wohl fühlt an seinem neuen Arbeitsplatz und top-motiviert ist, Leistung zu zeigen, sich seinen Platz zu suchen und den zu behaupten. „Für mich ist das schon ein Neuanfang hier in Mainz“, sagt der routinierte Mittelfeldmann. „Ich will nicht sagen, ich bin der kleine Schweizer, der mithalten will. Ich will was zeigen, ich will mit Leistung überzeugen, dem Verein etwas zurückgeben. Jede Woche an die Leistungsgrenze gehen, das ist für mich auch etwas Neues.“ Darin liege schon ein Unterschied zum FC Basel. Dort habe er ein gewisses Standing gehabt. „Die Trainer wussten, was sie an mir hatten.“ Die Bundesliga sei da schon etwas anderes.

Rund 3,6 Millionen Euro haben die 05er für den Nationalspieler hingeblättert. Und Frei sagt, er habe von Anfang an, seit dem ersten Kontakt nach Mainz gewollt. Die Chemie habe sofort gestimmt. Schon in den ersten Gesprächen mit Christian Heidel und Martin Schmidt. „Wie sie mit mir umgegangen sind. Wie sie sich bemüht haben um mich, die ganze Art und Weise. Ich habe sofort gespürt, dass mich der Verein will, und dass ich diesen Schritt machen will.“ Die 05er, so der Profi, hätten Sachen von ihm gewusst, „die ich schon gar nicht mehr selbst wusste. Es ist für einen Fußballer immer schön, wenn er merkt, dass er begehrt ist.“ Dass mit Schmidt ein Landsmann als Trainer am Bruchweg arbeite, sei ein schöner Nebeneffekt, weil man sich ab und zu auf „Schwyzerdütsch“ unterhalten könne.

Schweißtreibende Trainingseinheit am Dienstag: Fabian Frei als Passgeber im Mittelfeld. Foto: Jörg SchneiderVon Anfang an habe der Klub ihm gegenüber mit offenen Karten gespielt und seinen Transfer abhängig davon gemacht, was mit Johannes Geis passiere. „Das war für mich verständlich. Ich habe gesagt: Okay, dann hoffe ich mal, dass der Geisi geht“, erzählt Frei locker. Doch ganz so entspannt hat er die Geschichte dann wohl doch nicht gesehen, denn wäre der Geis-Deal mit Schalke nicht zustande gekommen, sagt er, „wäre es schwer geworden für mich zu wechseln.“ Der Nationalspieler hatte sich frühzeitig auf die 05er festgelegt und seine Fühler nicht mehr andernorts ausgestreckt. „Ich bin froh, dass es so gekommen ist.“

Frei ist als Geis-Nachfolger gekommen und es ist ihm natürlich klar, dass er mit dem 21-Jährigen verglichen wird. Frei legt jedoch Wert darauf, dass er in Mainz seine eigene Marke setzen will. „Ich bin keine Kopie von Geis“, sagt der 26-Jährige. Er habe das Spiel seinen Vorgänger im zentralen Mittelfeld zwar nicht so extrem verfolgt, wisse aber, dass Geis einen super Diagonalball spielen konnte und wichtig als Organisator gewesen sei. „Ich bin einer, der eher probiert die Bälle flach zwischen die Linien zu spielen. Ich gehe auch ganz gerne selber mit nach vorne, wenn ich darf. Ich bin ich und mache mein Ding“, sagt er. Ansonsten komme es darauf an, was der Trainer mit ihm vorhabe, welche Rolle ihm Martin Schmidt zuteile. „Ich denke aber, dass ich im zentralen Mittelfeld meine bestmögliche Leistung bringen kann.“

Er habe die Bundesliga von klein auf verfolgt. Der Einstieg in diese Liga sei für ihn schon ein großer Sprung. „Basel und Mainz sind nur schwer miteinander zu vergleichen. In Basel waren die Heimspiele gigantisch, die Champions-League-Auftritte. Doch das hast du nicht jede Woche. In der Bundesliga hast du immer tolle Spiele.“ Die Aufmerksamkeit sei größer. Alles sei größer als im Schweizer Fußball.

Es sei an der Zeit gewesen, diesen Schritt zu gehen. „Ich habe jetzt beispielsweise 16 Mal in Sion gespielt. Das ist ein Okay-Stadion, aber keines, das dich vom Stuhl haut. Du spielst in der Schweiz viermal pro Saison gegen die gleichen Gegner. Da überrascht dich nichts mehr.“ Das werde nun anders. Vielleicht komme ihm im neuen Team seine Anpassungsfähigkeit an Trainer-Vorgaben zugute. „Ob Powerfußball, Spiel gegen den Ball oder Ballbesitz. Ich glaube, dass ich mich ganz gut an alles anpassen kann“, sagt der 26-Jährige. An Mainz 05 imponiere ihm, dass sich die Mannschaft in den vergangenen Jahren immer relativ komfortabel im Bundesliga-Mittelfeld etabliert habe. Das Maximum rausholen. Das gefalle ihm. „Wenn wir unsere Hausaufgaben souverän und gut machen, dann haben wir hier sicher tolle Möglichkeiten eine gute Saison zu spielen.“