„Nachher wissen es sowieso alle besser"

Jörg Schneider. Mainz.
Der Sportdirektor des FSV Mainz 05 zieht ein positives Fazit der am Dienstagabend zu Ende gegangenen Winter-Transferperiode. Rouven Schröder hat vier Profis abgegeben, dabei mehr als 15 Millionen Euro an Ablöse eingenommen und insgesamt drei neue Spieler für den Bundesligisten verpflichtet. „Es war sehr intensiv und es war sehr spannend“, sagt Schröder, der hart verhandeln musste, um seine Geschäfte abzuwickeln. „Wir haben alle Entscheidungen nach bestem Wissen und Gewissen getroffen. Im Nachgang wird man sehen, ob es richtig war.“

Als am Dienstagabend alles durch war, die imaginäre Sirene ertönte, die das Ende Transferperiode verkündete, ging für Rouven Schröder ein harter Monat zu Ende. Seit dem 1. Januar hat der Sportdirektor des FSV Mainz 05 intensiv und quasi ohne freien Tag an seiner Kaderplanung gestrickt. Und als alle Aufgaben erledigt waren, „fällt alles ganz tief runter und von einem ab“, sagt der 41-Jährige, der nun erst einmal durchatmen muss,  bis zum Spiel am Samstag bei der TSG Hoffenheim eine kurze Pause einlegt und sich ins Privatleben zurückzieht. „Es war sehr intensiv und es war sehr spannend“, sagt Schröder, der hart verhandeln musste, um seine Geschäfte abzuwickeln. „Wir haben alle Entscheidungen nach bestem Wissen und Gewissen getroffen. Im Nachgang wird man sehen, ob es richtig war. Aber nachher wissen es sowieso alle besser.“ Schröder ist jedoch zufrieden und überzeugt von Dingen, die er umsetzen konnte. Und über die Personalien, die der Sportchef und sein Trainer noch zusätzlich ins Auge gefasst hatten, die aber am Ende nicht funktioniert haben, mag er sowieso nicht groß reden. „Wir müssen bei allem auch wirtschaftlich denken und daran, was für Mainz 05 möglich ist und was nicht“, lautet seine Devise.

Gespräche mit Spielerberatern gehören zum Tagesgeschäft des Sportdirektors in der Transferperiode. Hier unterhält sich Rouven Schröder am Bruchweg mit dem ehemaligen Bundesliga-Profi Jan Schlaudraff. Foto: Jörg Schneider  Vier Profis haben den Klub verlassen. Yunus Malli  und Christian Clemens zum VfL Wolfsburg und zum 1. FC Köln. Zusammen für rund 15 Millionen Euro Ablöse. Gianluca Curci, der Torhüter, hat seinen Vertrag am Bruchweg aufgelöst. José Rodriguez ist auf den letzten Drücker nach Spanien gewechselt. Ausgeliehen nach Málaga. Der andalusische Erstligist hat sich eine Kaufoption gesichert. „Wenn José dort einschlägt, besteht die Möglichkeit, dass Málaga zugreifen kann“, sagt Schröder. „Es muss sich aber für uns lohnen, sonst würden wir es nicht machen.“ Der Mittelfeldspieler sei ungeduldig geworden ohne Einsätze in der 05-Elf. „Er kam dann mit dem klaren Wunsch zu uns, künftig häufiger zu spielen.“ Das sei offenbar bei dem neuen Klub möglich. „Deshalb mussten wir ihm die Möglichkeit geben.“

Drei neue Spieler hat der Sportdirektor dem Profi-Kader neu zugeführt. Allen voran der Mainzer Top-Transfer Bojan Krkic. Der prominente 26-Jährige und Hoffnungsträger im Offensivbereich soll das Team von Martin Schmidt bis zum Sommer maßgeblich verstärken. Über genau Zahlen ist nicht gesprochen worden. Mittlerweile hört man, dass die 05er für den Champions-League erfahrenen Spieler von Stoke City ein Gesamtpaket von rund einer Million Euro schnüren müssen, das sowohl das Gehalt als auch die Leihgebühr an den englischen Klub bis zum Saisonende beinhaltet. Schon bei der Vorstellung Krkics hatte Schröder durchklingen lassen, dass der renommierte Profi auf eine Menge Geld verzichtet habe, um in der Bundesliga in Mainz spielen zu können. Marin Sverko, der ursprünglich ab Sommer ablösefrei vom Karlsruher SC an den Bruchweg kommen sollte, ist bekanntlich vorzeitig eingetroffen. Für eine eher geringe Gebühr. Der Linksverteidiger, der in drei Tagen 19 Jahre alt wird, gilt als Perspektivspieler und soll sich im Vorgriff auf die neue Saison an die Bundesliga-Bedingungen gewöhnen.

So lautet auch der Plan für Robin Quaison. Der 23-jährige Schwede soll im Sommer die Rolle von Krkic übernehmen, wenn der Spanier aller Voraussicht nach den Klub wieder verlässt. Doch der Offensivspieler ist bereits ein gestandener Erstligaprofi, der 66 Spiele für UD Palermo in der italienischen Serie A bestritten hat und ein entsprechendes Selbstverständnis mitbringt. Quaison soll sich langsam an die Bundesliga heranarbeiten, doch nicht nur Schröder rechnet damit, dass sich der Nationalspieler nicht bis zum Sommer zurückhalten wird. „Wir wollen ihn nicht zu groß machen, aber vom Naturell her ist er einer, der sofort angreifen wird“, sagt der Sportdirektor. „Der Junge ist selbstbewusst und weiß sich zu behaupten. Er wird uns bereichern.“ Genau das war ja auch der Plan, den Schröder verfolgte. Der Sportdirektor hatte in Sizilien ein dickes Brett zu bohren, um den Spieler jetzt zu kriegen. „Da war die Konkurrenz der italienischen Klubs groß. Die wäre aber im Sommer noch größer geworden.“ Der Profi wollte aber in die Bundesliga. Rund zwei Millionen Ablöse sind fällig für Quaison, dessen Vertrag bei seinem Ex-Klub im Sommer ausgelaufen wäre. „Wer Palermo kennt, der weiß, dass dort trotzdem keiner ablösefrei vom Hof geht“, sagt der Sportdirektor. „Von daher sind wir sehr zufrieden.“

Der Konkurrenzkampf bei den 05ern in der vorderen Abteilung ist nun gewaltig. „Unser Kader wird in der Breite immer konkurrenzfähiger“, betont Schröder. Gerade im Offensivsegment sind die 05er inzwischen erstklassig aufgestellt: Jhon Cordoba, Yoshinori Muto, Pablo De Blasis, Jairo, Levin Öztunali, Karim Onisiwo, Aaron Seydel, Gerrit Holtmann, Emil Berggreen, der ab März angreifen wird und nun noch Bojan Krkic sowie Robin Quaison. Diese Besetzung verlangt, dass jeder der Profis Vollgas gibt, um eine Chance auf einen Kaderplatz zu haben. Und selbst dann wird es in dieser Rückrunde lange Gesichter geben bei denjenigen, die sich mit dem Tribünenplatz begnügen müssen. „Doch das wollten wir ja genauso“, sagt Schröder.

Ein angedachter Transfer hat unterdessen nicht funktioniert. Gervane Kastaneer, der Stürmer von ADO Den Haag, ist nicht nach Mainz gekommen. „Aus medizinischer Sicht war es nicht möglich, den Spieler jetzt zu verpflichten“, erklärt der 05-Sportdirektor. Kastaneer hat sich eine Augenverletzung zugezogen, bleibt aber im Fokus der Mainzer. „Er ist weiterhin interessant für uns im Sommer“, betont Schröder.

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