„Neben Danny passt eigentlich jeder“

Jörg Schneider. Mainz.
Die Rückkehr des zuletzt gesperrten Jhon Cordoba in die Startelf des FSV Mainz 05 im Heimspiel am Samstag ist einer der positiven Aspekte vor dieser Partie gegen den Hamburger SV in der Opel Arena. Der Mittelstürmer soll die zuletzt harmlose Offensive des Bundesligisten beleben. Die 05er haben unter der Woche im Training den Schwerpunkt auf die Angriffs-Arbeit gelegt. Martin Schmidt spricht von einem gesteigerten Konkurrenzkampf auf den vorderen Positionen. Gegen den HSV muss der Trainer aber erneut einen Stammspieler ersetzen und entscheiden, wer anstelle des gesperrten Jean-Philippe Gbamin neben Danny Latza auf der Doppelsechs spielt.

Drei Niederlagen in Folge, das gab es in der Bundesliga unter der Leitung von Martin Schmidt bis zum vergangenen Sonntag noch nicht. Mit dem 0:1 bei Borussia Mönchengladbach ist es passiert, und nun steht die Mannschaft nach den Pleiten in Berlin, gegen die Bayern und im Borussia Park im Heimspiel am Samstag in der Opel Arena (15.30 Uhr) gegen den Hamburger SV massiv unter Druck. Der Trainer hat unter der Woche schon ganz klar den Heimsieg gegen den Drittletzten der Tabelle gefordert, dazu mindestens einen Punktgewinn im Derby am kommenden Dienstag bei der Frankfurter Eintracht. Sonst geraten die Ziele in Gefahr und den 05ern droht ein Überwintern in einer gefährlichen Tabellenregion.

Danny Latza hat sich nach seinem Kurz-Debüt gegen die Bayern und in Mönchengladbach auf Anhieb den Stammplatz auf der Doppelsechs zurückerobert. Die Frage vor dem HSV-Spiel ist nun die, wer neben dem lange verletzten Leistungsträger aufläuft? Foto: Ekkie VeyhelmannÜber die Begleitumstände beim unglücklichen 0:1 in Gladbach ist viel berichtet worden. Und auch darüber, dass vor allen Dingen das Offensivspiel der Mainzer in diesem Auswärtsspiel, aber auch schon zuvor, nicht vergleichbar war mit den eher unbekümmerten Angriffs-Aktivitäten, die das Team in dieser Saison schon auf den Platz gebracht und in immerhin 23 Treffer umgesetzt hat. Genauigkeit und planvolles Spiel nach vorne, Kreativität in der Umschaltaktion und Überzeugung im gegnerischen Strafraum, besonders im Abschluss, sind bei den 05ern zuletzt etwas auf der Strecke geblieben. Mannschaft und Trainer haben sich in den vergangenen Tagen intensiv mit dieser Problematik beschäftigt und Ansätze zur Verbesserung gefunden, wie der 05-Coach am Donnerstag in der Spieltags-Pressekonferenz berichtete. „Es wäre schön, wenn man immer das was man trainiert, dann im Spiel auf dem Platz sehen würde. Es ist aber schon so, dass man so, wie man trainiert, dann auch spielt. Diese Woche haben wir die Themen, an denen wir arbeiten wollen, dick herausgestrichen und aufgezeigt, wo wir uns verbessern und was wir beibehalten wollen. Im letzten Drittel des Feldes wollen wir wieder effektiver und kreativer sein“, sagte der 49-Jährige. „Jetzt haben wir noch zwei Tage vor uns mit Wettkampf-Inhalten. Das Wichtigste, was wir am Samstag brauchen, ist Leben in der Bunde, leben im Team. Keine Versteifung auf den reinen Plan, sondern Fußball. Kernige Zweikämpfe. Wenn wir den Ball erobern, zu wissen, wo wir damit hinwollen, wie wir aufbauen und umschalten wollen. Das haben wir die ganze Woche trainiert. Ich wäre begeistert, wenn das am Samstag auch richtig zu sehen wäre. Wir arbeiten an unseren Defiziten und an unseren Stärken. Deshalb bin ich sehr positiv gestimmt, dass wir wieder mehr zu Chancen kommen und auch Tore machen.“

Positiv dabei ist die Tatsache, dass Jhon Cordoba nach seiner Gelbsperre wieder im Team steht und neuen Schwung in den 05-Angriff bringen soll. „Wir haben seine Sperre genutzt, um ihn wieder auf Frische zu kriegen und den Kopf lüften zu lassen. Jhon hat am Sonntag frei gehabt, am Dienstag nur in Sachen Entlastung und Regeneration trainiert, damit er seine Spritzigkeit wieder findet. Er ist der Spieler, der mit am meisten Spielminuten bei uns hat. Er lebt als antrittsschneller, schnellkräftiger Spieler von dieser Spritzigkeit. Ich denke, dass die wieder sichtbar da ist“, betonte Schmidt. Die Anzeichen dafür habe man bereits am Mittwoch im Training sehen können. „Und zwar so, dass wir Jhon am liebsten in Watte packen und bis Samstag wegstecken würden. Die Spielfreude, die wir am Samstag von ihm auf dem Platz brauchen, ist da. Er ist ein wichtiger Spieler für uns als Ziel- oder als Umschaltspieler. Und wir können dann wieder die Außen optimal besetzen.“

Konkurrenzkampf um die Plätze

Der Konkurrenzkampf sei neu erwacht und spiegele sich in der Trainingsarbeit. „Bisher wusste jeder Spieler, wenn er mal raus ist, kommt er schnell wieder rein durch die Mehrfachbelastung. Das ist jetzt weg. Das merken die Spieler ganz klar“, sagte Schmidt. „Gerade auf den Bahnen und im Mittelfeld-Zentrum ist der Konkurrenzkampf sehr groß. Jetzt gilt es, die raus zu zupfen, die Form  haben, die am besten passen. Die Hauptarbeit in der Vorbereitung ist gemacht. Wir müssen nun schauen, wer ist wirklich bereit, wer kann den Kampf annehmen, wer will es am meisten. Wir wollen eine Topmannschaft auf den Platz bringen. Die anderen, die dann in der zweiten Riehe stehen und nicht in der Startelf sind, müssen das annehmen, müssen lernen, dass die Einsatzminuten weniger werden, und dass um die Plätze hart gekämpft werden muss.“

Cordoba ist wieder drin, dafür fehlt gegen den HSV Jean-Pierre Gbamin, der die zweite Gelb-Rote Karte binnen 14 Tagen kassierte. Das bedeutet, dass Schmidt die Doppelsechs Danny Latza und Gbamin, die in Gladbach sehr gut harmonierte und stark aufspielte, neu zusammenstellen muss. „Ich will nach einem Spiel in Gladbach nicht ausrufen,  dass dieses Duo unsere Idealbesetzung ist, die fest gemauert da steht. Wir wissen, dass Latza und Gbamin in dieser Konstellation sehr gut zusammenpassen. Es hätte den Zweien natürlich gut getan, wenn sie einige Spiele hintereinander zusammen hätten spielen können. Das ist jetzt gesprengt, aber neben Danny Latza passt eigentlich jeder, weil er sehr lauf- und kampfstark ist.“ Deshalb komme es jetzt darauf an, welche Konstellation der Matchplan vorgebe: zwei Aggressiv Leader oder ein spielerisch stärkerer dazuzustellen. Da wollte sich der Coach noch nicht festlegen.

Klar dagegen ist, dass Stefan Bell und Alexander Hack erneut die Innenverteidiger-Kombination bilden, der Schmidt gegen den HSV den Vorzug gibt. Zumal Niko Bungert ohnehin wegen einer Magen-Darm-Infektion ausfällt. „Allgemein ist es so, dass Automatismen nur entstehen, wenn man sie entstehen lässt und Kontinuität da reinbringt. Im Moment sind es Bell und Hack, die es gut machen. Deshalb werden wir da nicht wieder alles umdrehen. Sie haben jetzt den Vorsprung“, sagte Schmidt.

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