„Neue Situation schiebt das Team an“

Jörg Schneider. Mainz.
Ein letztes Mal muss der FSV Mainz 05 am Sonntag im Heimspiel auf den gesperrten Jhon Cordoba verzichten. Der gesperrte Mittelstürmer fehlt beim Highlight zum Rückrundenauftakt in der Opel Arena gegen Borussia Dortmund genauso wie der gesuchte Ersatzmann für die derzeit brachliegende Zehnerposition. Ob der Bundesligist in dieser Transferperiode noch einen Neuzugang präsentieren wird, ist offen. Gut möglich, dass der 05-Trainer bis zum Saisonende mit einem internen Lösungsansatz arbeiten muss. Gegen den BVB dürfte die Mainzer Offensivreihe erneut so aussehen wie vor einer Woche: Mit Muto und De Blasis als Doppelspitze, Jairo und Öztunali auf den Außenbahnen.

Im zweiten Heimspiel in Folge muss der FSV Mainz 05 zum zweiten und letzten Mal auf Jhon Cordoba verzichten. Der Mittelstürmer fehlt dem Team von Martin Schmidt am Sonntag (17.30 Uhr) im Top-Spiel gegen Borussia Dortmund noch einmal wegen seiner Rotsperre. Das Fehlen des wuchtigen und spielstarken Kolumbianers ganz vorne drin rückt die Bemühungen, eine interne Lösung für die Besetzung Rolle des abgewanderten Yunus Malli zu finden derzeit in den Vordergrund. Vieles von dem, was im Moment in dieser Thematik von den Verantwortlichen zu hören ist, deutet darauf hin, dass es auch nach der Partie gegen den BVB und dem Ende der Transferperiode auf diese interne Lösung hinauslaufen könnte. Denn aus allen Äußerungen klingt immer wieder durch, wie schwer sich die Mainzer tun, auf dem Markt einen passenden Nachfolger für den Top-Scorer zu finden. Und dass aufgrund der schwierigen Marktsituation im Winter die Variante nicht ausgeschlossen ist, dass sich der Trainer bis zum Ende der Saison aus den eigenen Reihen bedienen muss, um eine vernünftige Lösung für das Problem zu finden.

Jairo Samperio zeigte im ersten Heimspiel des Jahres eine vielversprechende Leistung. Gegen den BVB wird der Spanier am Sonntag wieder auf der Außenbahn versuchen, dem 05-Angriff gefährliche Impulse zu geben. Foto: Ekkie Veyhelmann12,5 Millionen Euro hat der Malli-Transfer dem Bundesligisten eingebracht. Rouven Schröder hat die komplizierte Aufgabe den Markt abzugrasen, um einen Profi zu finden, der viele der Malli-Qualitäten in sich vereinigt, der am besten sogar noch besser und effektiver ist. Der aber im Gesamtpaket noch nicht einmal die Hälfte kosten darf. Denn mehr, das hat der Sportdirektor mehrfach betont, gibt Schröders Budget nicht her. Die Preise in diesem Winter sind hoch und noch einmal deutlich gestiegen im Vergleich zum Vorjahr. In vielen Fällen übertrieben hoch, gemessen an dem, was ein Klub, der bereit ist die Summen zu zahlen, auf Anhieb an Verstärkung kriegt. Und auch Yunus Malli hat bei seiner Premiere in Wolfsburg sicherlich nicht gerade die Sterne vom Himmel gespielt – orientiert man sich am Einkaufspreis. Für die Mainzer stellt sich die Geschichte in jedem Fall als ein schwieriges Unterfangen dar, bei dem sie eine Menge Glück benötigen. Dass der gewünschte und zu verpflichtende, finanziell machbare Kandidat keinerlei Anlaufzeit benötigt, um sich in die Besonderheiten des 05-Spiels zu integrieren und sich sofort in der gedachten Rolle als Verstärkung erweist. Die Möglichkeit, dass so etwas auf Anhieb funktioniert, ist da, die Wahrscheinlichkeit ist erfahrungsgemäß allerdings eher gering. Der Sportdirektor hat am Freitag noch einmal angedeutet, dass der kleinste Zweifel beim Trainer oder bei ihm selbst, dieses Projekt zum jetzigen Zeitpunkt zum Scheitern verurteilen würde. Die Entscheidung werde in jedem Fall in totaler Übereinstimmung zwischen Trainer und Sportdirektor getroffen. Anders gehe es nicht.

Dass Schröder trotzdem noch einen Neuzugang präsentiert, der dem Anforderungsprofil entspricht, ist dennoch nicht ausgeschlossen. Vielleicht tatsächlich wieder, wie es am Bruchweg gerne gepflegt wird, im Vorgriff auf die neue Saison. Nichtsdestotrotz klingt es im Moment eher danach, dass Schmidt nach dem Dortmund-Heimspiel an einer dauerhaften, intern geschaffen Lösung basteln muss und wird. Mit der Rückkehr von Cordoba in die Startelf verringert sich das Problem sowieso ein wenig, da der Zentrumsspieler ohnehin die Angewohnheit hat, sich nach hinten auf die Zehnerposition fallen zu lassen, Bälle zu behaupten und damit Räume in der Spitze und den Halbfeldern zu eröffnen für schnelle Umschaltangreifer, die der Kader ja durchaus hergibt. Malli ist Geschichte, ein neuer Weg muss her. „Der Spind ist geräumt, der Platz in der Kabine ist leer. Auf dem Rasen ist der Prozess schon sehr weit abgenabelt. Das geht unheimlich schnell“, sagt der Trainer. „Ein Spieler, der kommt, ist in einer Woche meist drin und wenn einer geht, geht das auch schnell. Das sind professionelle Abläufe. Es ist ja nicht das erste Mal, dass wir wichtige Spieler verlieren. Bei Mainz 05 ist es halt so, dass wir in jedem Jahr zwei bis drei sehr wichtige Spieler verlieren“, sagt der Trainer.

Der Prozess, die Last des so genannten Spielmachers, Vorlagengebers und Standard-Spezialisten auf andere und mehrere Schultern zu verteilen, ist in vollem Gange. Die Motivation der Profis im Mittelfeld- und Offensiv-Segment der 05er neue und ungewohnte Felder zu beackern, ist groß und wird im Training mit Energie und Ehrgeiz betrieben. Das ist in diesen Tagen auffällig. „Die Kreativität wird von anderen Spieler aufgenommen“, erklärt der Trainer. „Die rutschen da in eine neue Situation rein. Spieler, die vorher in der Defensive auf der Doppelsechs arbeiten mussten, haben plötzlich mehr Aufgaben im kreativen, offensiven Bereich. Die nehmen die Herausforderung an, das ganze Team hat die Herausforderung angenommen. Es kämpfen sehr viele um die Position, die brach liegt. Ob das nun eine hängende Spitze ist oder ein offensiver Achter, der in die Zehnerposition rein drängt.“ Für ihn als Trainer, so der 49-Jährige, eröffneten sich dadurch im Moment auch neue Überlegungen, Systemfragen und taktische Erwägungen. „Ich kann ein System mit einer acht bringen, das ist der defensive Ansatz. Die zehn mit der hängenden Spitze zu besetzen, ist der offensive Ansatz. Die Variabilität ist da. Das befruchtet und schiebt auch das Team an“, betont Schmidt.

Gegen die Dortmunder dürfte es erneut bei der Besetzung mit Yoshinori Muto und Pablo De Blasis als Doppelspitze in einem 4-4-2-System hinauslaufen. Mit Jairo Samperio und Levin Öztunali als schnellen Außenbahnleuten. Der BVB wird in der Arena seinen Weg in der Offensive suchen mit seiner ungeheuren Angriffs-Qualität. In der Rückwärtsbewegung hat die Mannschaft von Thomas Tuchel bei aller Stabilität, in dieser Saison dem Gegner immer wieder Räume gelassen zum Umschaltspiel. Das war auch in der Vorrunde beim 1:2 der 05er in Dortmund so. Am Sonntag wird das Spiel gegen den Ball die Hauptrolle einnehmen, das Umschaltspiel nach der Balleroberung jedoch ebenso wichtig werden. Da ist Präzision, Mut und schnelles Handeln gefragt.

Gegen Köln war diese Kreativität etwas verloren gegangen, weil das Team zunächst total auf Defensivstabilität konzentriert war. Jairo und Öztunali auf den Außen, die in diese Halbräume vorstoßen können, De Blasis als Zwischenspieler, Muto als lauffreudige Spitze, die Verteidiger bindet und Lücken aufreißt, müssen in dieser Partie ihr Potenzial komplett ausreizen, um zum Erfolg kommen zu können. Und die beiden Sechser, wem Schmidt auch immer diesmal diese Rolle zuteilt, brauchen neben dem Zweikampfverhalten Handlungsgeschwindigkeit und Präzision in ihren Aufbaupässen. Vor allen Dingen Jairo und De Blasis hatten solche typischen Malli-Aktionen auch gegen die Kölner, hätten sie jedoch konsequenter ausspielen müssen. Schmidt sagt dennoch: „Das Model passt.“ Und der 05-Trainer fügt hinzu: „Die Chance ist da, um dieses Spiel hier zu Hause gewinnen zu können.“

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