Neue Taktik, neue Startelf, neuer Mut?

Jörg Schneider. Mainz.
Möglicherweise mit einer veränderten taktischen Herangehensweise und der einen oder anderen Umstellung in der Startelf will der FSV Mainz 05 am Fastnachtssamstag die Aufgabe angehen, seine Erfolgslosigkeit in Auswärtsspielen zu stoppen. Dass Bayer 04 Leverkusen seinen Ansprüchen hinterher hinkt, könnte die Sache erleichtern, doch der 05-Trainer weiß, dass der Schlüssel bei seinen Profis liegt. „Da ist zunächst mal eine große Körperlichkeit gefragt, eine intensive Defensivarbeit, weil die eine hohe Qualität im Angriff haben. Dieser Qualität müssen wir Fleiß, Kampf, Mut und sehr viel Herz entgegensetzen. Wenn wir das schaffen, werden wir zu unseren Umschaltchancen kommen.“

30 Punkte. Platz acht. Das ist keine Bilanz, mit der man beim TSV Bayer 04 Leverkusen sonderlich glücklich ist nach 21 Spieltagen in der Bundesliga. Das teure Team des Tabellendritten der Vorsaison hat andere Ambitionen. Da wundert es nicht, dass die Arbeit des exzentrischen Trainers Roger Schmidt argwöhnisch beäugt und bisweilen in Frage gestellt wird. Angeblich sollen sich die Verantwortlichen ja auch beim Mainzer Namensvetter Martin Schmidt nach eventuellen Wechsel-Absichten erkundigt haben. Der Coach des FSV Mainz 05 hat dies dementiert. Und Roger Schmidt scheint mit Siegen zu Hause gegen Eintracht Frankfurt sowie zuletzt in Augsburg in der Liga allmählich die Kurve zu kriegen und zur Aufholjagd zu blasen. Nach dem 2:4 in der Champions League unter der Woche gegen Atletico Madrid standen Mannschaft und Trainer allerdings wieder in der Kritik wegen mangelhaften Abwehrverhaltens.

Yoshinori Muto dürfte beim Auswärtsspiel der 05er in Leverkusen ein Startelf-Kandidat sein. Möglicherweise als Doppelspitze zusammen mit Jhon Cordoba. Foto: Ekkie Veyhelmann Mit dieser Thematik sind auch die 05er vertraut. Ein gravierender Abwehrfehler in Form von nicht eingehaltener Zuteilung bei einem Eckball leitete die jüngste 0:2-Niederlage in der Opel Arena ein. Schmidt-Mainz will allerdings vor der Auswärtspartie am Fastnachtssamstag in der BayArena nichts hören von Leverkusener Krisen-Szenarien. „Ich sehe die Leistung von ihnen nicht so kritisch wie die Medienlandschaft. Ich denke, dass sie langsam in Schwung kommen. Auch das Champions-League-Spiel will ich nicht überbewerten. Ich sehe sie allmählich auf dem Weg, wo sie hingehören. Sie haben Tritt gefasst. Die Qualität ist da. Die Form steigt. Wir müssen uns auf einen schweren Gegner vorbereiten. Alles andere wäre eine Illusion“, sagt der 49-Jährige. Der Coach war am Dienstag vor Ort, hat sich ein Bild vom Gegner machen können und dürfte natürlich anhand der Defensivleistung der Werkself Ansätze gesehen haben, wie sein Team dort auftreten muss, um eine Chance zu kriegen. „Ich will nicht die Defensivarbeit von Leverkusen analysieren, aber ihr Spielstil ist der, dass sie sehr hoch an der Mittelinie stehen. Wenn man da steht, ist man eben verletzlich. Für den Gegner stellt sich die Frage, wie er das ausnutzen kann“, betont Schmidt. Das Problem an der Geschichte: „Obwohl man weiß, wie es gehen kann, gelingt es nicht jeden Gegner. Das ist ein Fakt, den wir beleuchten müssen. Die Defensivarbeit in einem Europapokalspiel zu beurteilen, wenn man 1:3 zurückliegt, ist schwierig. Das hat man ja bei uns in Anderlecht gesehen, wenn man auf Biegen brechen nach vorne spielt, sieben Stürmer auf dem Platz hat.“  

 Wer Bayer Leverkusen kenne und wer am Dienstagabend zugeschaut habe, der wisse, wie dieser Gegner auftrete. Und wie man sich anstellen muss, um sie zu knacken. „Da brauche ich nicht viel dazu zu sagen, das liegt auf der Hand“, erklärt der 05-Trainer, der die Chance sieht für sein Team. „Aber wir müssen zuerst dagegenhalten, zur Balleroberung kommen, dann die Bereitschaft und die Respektlosigkeit haben, unsere Angriffe nach vorne zu treiben. Da ist zunächst mal eine große Körperlichkeit gefragt, eine intensive Defensivarbeit, um die Räume eng zu machen, weil die eine hohe Qualität im Angriff haben. Dieser Qualität müssen wir Fleiß, Kampf, Mut  und sehr viel Herz entgegensetzen. Wenn wir das schaffen, werden wir zu unseren Umschaltchancen kommen. Das ist unser Ansatz.“

De Blasis zurück im Team?

Schmidt hat die Möglichkeit angedeutet, dass er sowohl von der taktischen Herangehensweise her als auch personell Änderungen ins Auge fasst. „Wenn man ein Spiel hat, in dem es nicht so läuft, wie man es will und nicht das rauskommt, was man sehen will, hat man die Chance was zu ändern. Für das Spiel in Leverkusen gibt es sicher Spieler, die besser passen als auf einen tiefstehenden Gegner wie Bremen. Das bringt Möglichkeiten etwas zu ändern“, sagt der Coach. Eine der Veränderungen könnte die Rückkehr von Pablo De Blasis in die Startelf sein. Der kleine Argentinier ging zuletzt gegen Werder nach seiner Einwechslung mit großem Engagement voran, brachte mehr Emotionalität ins Mainzer Spiel und hatte mit seiner unberechenbaren Spielweise sogar dicke Chancen, die Niederlage zu verhindern. Er wolle den Einsatz von De Blasis nicht ausschließen, betont der 05-Trainer. „Bei der Zusammenstellung der Mannschaft brauche ich nicht nur Tempo, Größe und Zweikampfstärke. Ich brauche auch Herz, Mentalität und Begeisterung.“ Das spricht für den Stürmer. Auch Yoshinori Muto scheint wieder eine echte Option zu sein. Möglicherweise als Doppelspitze in einem 4-4-2-System zusammen mit Jhon Cordoba. „Yoshi ist da angekommen, wo wir ihn haben wollen. Er ist jetzt 100 Prozent bereit. Auch mit seinem lädierten Bein. Da hat er zuletzt noch lange gezögert, hundertprozentig gegen den Ball zu knallen, vollspann und innenspann. Das hat er überwunden. Er trainiert auf einem hohen Level, wird von Training zu Training besser“, sagt Schmidt.

Wahrscheinlich ist in Leverkusen auch das Bundesliga-Debüt von Robin Quaison, zumindest als Joker. „Wenn er es nach dem Abschlusstraining in den Kader schafft, gucke ich ihm in die Augen und werde sehen, ob es schon in diesem Spiel knallt oder eine Woche später“, sagt der Coach. Die große Unbekannte in der Rechnung stellt Bojan Krkic dar. Der Promi-Neuzugang hat bisher Ansätze und Kostproben seiner technisch hochwertigen Spielweise geliefert, aber die Mainzer Offensive noch nicht prägen können. „Wir sehen ihn auf dem richtigen Weg“, sagt Schmidt. „Dass er noch nicht alles kann und alles weiß bei uns, dass er noch nicht auf dem Top-Level ist und von der Spielpraxis etwas Rückstand mitbringt, wissen wir. Der Prozess dauert drei Wochen. In dem Prozess ist er drin. Er steigert sich von Training zu Training. Die Eingliederung verläuft optimal. Er kommt im Team gut an. Das alles hilft ihm. Er wird ständig wertvoller für uns. Wir stellen ihn aber nicht nach jedem Training und nach jedem Spiel auf den Prüfstand.“

Der 05-Sportdirkotor will unterdessen von der Mannschaft in Leverkusen eine Reaktion sehen, ein Ergebnis dessen, was unter der Woche am Bruchweg intern besprochen und analysiert worden ist. „Jeder kann die Tabelle lesen“, sagt Rouven Schröder. „Die Mannschaft hat feine Antennen. Sie weiß, was die Stunde geschlagen hat. Auswärts haben wir noch nicht so viele Punkte geholt. Das muss ein Ansporn sein, jetzt damit anzufangen. Wichtig ist, dass die Spieler trotz aller Anspannung ihre Lockerheit und ihren Mut nicht verlieren.“

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