Neuer 05-Rekord: 35 Millionen Euro brutto

Jörg Schneider. Mainz.
Das Transferfenster in der Bundesliga ist bis zum Winter wieder fest verschlossen. Christian Heidel hat seine Arbeit gemacht, hat in den vergangen Tagen den Kader des FSV Mainz 05 komplettiert und dabei einen neuen, für Mainzer Verhältnisse außergewöhnlichen Rekord aufgestellt: Rund 35 Millionen Euro brutto hat der 05-Manager mit seinen Spielerverkäufen umgesetzt und etwa elf Millionen brutto ausgegeben. Der Gehaltsetat des Bundesligisten ist um einige Millionen gestiegen. Ein Großteil der Einnahmen investiert der Klub wie üblich in Steine.

Das war’s dann bis zum Winter. Am so genannte Deadline Day hat es noch einmal kräftig gescheppert auf dem Transfermarkt. Jetzt ist die Party zu Ende, die Bundesliga-Kader sind komplett, eine Menge Kohle ist bewegt worden, und die Manager atmen tief durch. Auch beim FSV Mainz 05 waren Hektik und Betriebsamkeit groß auf der Zielgeraden der Transferperiode. Christian Heidel hat im Schlussverkauf einige Überraschungen präsentiert und ist erst einmal rechtschaffen erledigt. „Ich muss sagen, ich bin etwas müde“, sagt der 05-Manager, der zuletzt ziemlich in Stress geraten war. Die Blitzverkäufe von Joo-Ho Park nach Dortmund, von dessen Landsmann Ja-Cheol Koo nach Augsburg, die Verpflichtung von Gaetan Bussmann und Jhon Cordoba, das waren offenbar zum Teil heikle Geschichten, für die es viel Verhandlungsgeschick, Gelassenheit, Routine  und eiserne Nerven gebraucht hat. „Die Verantwortung, für den Verein das Richtige zu machen, ist sehr groß. Das ist schon eine Belastung“, sagt der 52-Jährige. Denn der Nachteil, den Heidel gegenüber allen hat, die über seine Maßnahmen nun diskutieren, ist der: der Manager muss vorher entscheiden und kann erst dann später feststellen, ob er richtig gelegen hat mit seiner Transferpolitik.

Alles richtig gemacht in der jetzt zu Ende gegangenen Transferperiode? Das werden Christian Heidel und Martin Schmidt im Laufe der Vorrunde feststellen können. Foto: Jörg Schneider„Ein Manager ist immer nur dann zufrieden mit seiner Arbeit,  wenn es am Ende sportlich funktioniert“, sagt Heidel. Die Kaderplanung muss wirtschaftlich möglich und sportlich erfolgreich sein. „Über die wirtschaftliche Seite müssen wir uns in diesem Jahr keine Gedanken machen. Wenn es nun sportlich auch noch gelingt, dann war es eine außergewöhnliche Transferperiode. Wenn  wir im Winter auf einem Abstiegsplatz stehen, dann war es nichts. Dann kommen die Kritiker auf den Plan.“

Auch Heidel ist natürlich klar, dass nicht alles so funktionieren wird, wie er sich das mit Martin Schmidt ausgemalt hat. „Wir haben viele Spieler geholt, von denen wir glauben, dass sie noch viel Lift nach oben haben, aber auch ein großes Potenzial, das wir weiterentwickeln wollen. Trotzdem wird es wie in jedem Jahr Spätentwickler geben und welche, die sich nicht durchsetzen werden.“ Doch das sei nicht zuletzt dem großen Konkurrenzkampf geschuldet. Heidel ist wie sein Trainer davon überzeugt, in der Breite mit diesem Kader sehr gut aufgestellt zu sein. „Zum Glück haben wir mit Martin Schmidt einen Trainer, dem es ganz entschieden um Nachhaltigkeit geht“, sagt Heidel, „ein Trainer, der es ganz genau verstanden hat, wie wir hier arbeiten müssen in diesem Bereich. Und deshalb hat mir die Arbeit neben aller Belastung auch viel Spaß gemacht und war sehr spannend.“

Wie die Deals der vergangen Tage im Einzelnen abgelaufen sind, wie es zur Verpflichtung des kolumbianischen Mittelstürmers kam oder wie es möglich war, dass die 05er die fünf Millionen, die der Klub seinerzeit für Koo nach Wolfsburg überwiesen hat, nun vom FC Augsburg zurückbekommen hat, darauf wird die nullfünfMixedZone in einem eigenen Beitrag im Laufe des Tages noch eingehen. Aktuell sticht eine Zahl ins Auge: Heidel hat in dieser Transferperiode die Rekordsumme von 35 Millionen Euro brutto umgesetzt. Das gab es noch nie. Demgegenüber stehen auf der Ausgabenseite rund elf Millionen brutto.

„Bei den Einnahmen gehen natürlich noch viele Abzüge ab, wie Beraterkosten, Vertragskosten und so weiter“, erklärt Heidel. „Es ist auch nicht so, dass die großen Summen auf einen Schlag gezahlt werden. Inzwischen ist es längst üblich, dass in Raten bezahlt wird über einen gewissen Zeitraum.“ Jeder, der die einfache Rechnung aufmache, müsse dazu berücksichtigen, dass etliche der Millionen mittlerweile auch in den Gehaltsetat wanderten. „Wir haben nicht nur günstige Spieler geholt“, sagt der 52-Jährige. Die Wandlung vom Ausbildungs- zum Weiterbildungsverein fordert ihren Preis im Gehaltsgefüge. Die Qualität, die sich die 05er aktuell in den Kader geholt haben, muss teuer bezahlt werden, sonst sind viele der Profis nicht zu halten. „Dazu kommt, dass wir vor einiger Zeit erstmalig die Verträge von Leistungsträgern wie Yunus Malli und Julian Baumgartlinger gegen sehr große  Konkurrenz verlängern konnten.“ Auch das sei teuer gewesen.

Ein Großteil der Einnahmen, so der 05-Manager, werde nach alter Mainzer Sitte in Steine investiert. In die Tilgung im Rahmen der Finanzierung des Neubaus der Coface Arena, in den Ausbau des Nachwuchsleistungszentrums. In den Bau von weiteren Plätzen. Ein neues Spielfeld (Kosten rund eine Million Euro) entsteht gerade am Bruchweg. Die Verantwortlichen denken über den Bau eines weiteren Platzes nach. Der Manager selbst hat bereits ein Büro im alten Stadion, „um da zu sein, wo die Musik die Woche über spielt“, wie er sagt. Nun soll auch die Presse-Abteilung zum Bruchweg übersiedeln. Eine Art neues Pressezentrum soll dort entstehen für die wöchentlichen Pressekonferenzen und vieles mehr. „Und es hat ja auch sicherlich noch nie geschadet“, sagt  Heidel, „einen Teil des Geldes für schlechte Zeiten beiseite zu legen.“   

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