Neuer Anlauf Richtung Bundesliga

Jörg Schneider. Mainz.
Petar Sliskovic, Torschützenkönig der vergangenen Saison in der Regionalliga, schien auf dem besten Weg, endlich den Durchbruch im Profikader des FSV Mainz 05 schaffen zu können. Immer Sommer-Trainingslager des Bundesligisten in England stoppte den zuletzt ohnehin von Verletzungen geplagten Stürmer eine Entzündung im Knie. Jetzt steht der 23-Jährige wieder im Mannschaftstraining am Bruchweg und hinterlässt erneut einen guten Eindruck. Sein Motto: gesund bleiben. Viel arbeiten. Und dann sehen, was dabei herauskommt.

Aufmerksamer Zuhörer bei Kasper Hjulmands Anweisungen im Training: 05-Stürmer Petar Sliskovic. Foto: Jörg SchneiderDie Bundesligakarriere von Petar Sliskovic wollte nie so richtig Fahrt aufnehmen. Der Stürmer, 2009 zusammen mit Stefan Bell, André Schürrle und Jan Kirchhoff unter der Regie von Thomas Tuchel Deutscher A-Jugendmeister mit Mainz 05 geworden, schaffte bislang nicht den Durchbruch im Profi-Fußball. Seine beste Saison erlebte der heute 23-Jährige noch in der Spielzeit 2010/11 mit neun Einsätzen und zwei Toren, darunter jenes denkwürdige Last-Minute-Tor zum 1:1 bei Borussia Dortmund. Die 05er liehen den Spieler aus zum Zweitligisten FC St. Pauli – mit mäßigem Erfolg. Auch ein halbes Jahr bei Dynamo Dresden brachte den langen Angreifer nicht nachhaltig ins Profigeschäft. Doch Sliskovic kehrte aus Sachsen gereift, durchschlagskräftig und mit dem Willen zurück, sich gegen alle Widerstände aufzulehnen. In der abgelaufenen Regionalligasaison der Mainzer U23 hatte Sliskovic erheblichen Anteil am Aufstieg. Der Stürmer erzielte 23 Tore in 26 Begegnungen und holte sich damit die Torjägerkanone. Trotz längerer Pause wegen einer Meniskusverletzung.

Im Sommer nahe dran am Team

Eines zeichnet diesen Stürmer aus: der Wille, sich irgendwann durchzusetzen. Im Sommer schien dieses Ziel greifbar nahe. Sliskovic, inzwischen mit einem Zweijahresvertrag am Bruchweg ausgestattet, überzeugte mit starken Leistungen in der Saison-Vorbereitung. Kasper Hjulmand fand großen Gefallen an dem langen Mittelstürmer, räumte dem 23-jährigen große Chancen ein für die ersten Pflichtspiele. Im Trainingslager in Burton upon Trent kam jedoch der nächste Rückschlag: ein Knochenmarksödem im Knie. Und wieder eine lange Pause.

„Das war eigentlich keine Verletzung“, sagt Sliskovic. „Wahrscheinlich kam es durch eine Überbelastung. Ich hatte nach der Meniskus-Operation vielleicht zu schnell zu viel gemacht. Im Knie hatte sich ein Bluterguss gebildet.“ Langwierige Behandlungen waren die Folge. Seit Freitag vergangener Woche steht der 05-Profi nun wieder offiziell im Mannschafstraining und unternimmt einen neuen Anlauf.

„Das war alles sehr ärgerlich“, sagt er heute. „Ich war dran an der Mannschaft.“ Er habe viel Vertrauen gespürt bei Kasper Hjulmand. Der Trainer habe oft mit ihm geredet. Er selbst trainiere auch gerne unter dem Dänen. „Was ich selbst beeinflussen kann, tue ich. Ich versuche alles zu geben. Die Tore in der Regionalliga und dass ich Torschützenkönig geworden bin, haben mir viel Selbstvertrauen gegeben. Jetzt will ich mich weiterentwickeln.“

Mehr Präsenz als früher

Doch zunächst einmal sei er sehr glücklich wieder dabei zu sein. Schmerzfrei zu sein. „Ich will unbedingt da weitermachen, wo ich im Juli aufgehört habe“, sagt er. Sliskovic fällt im Training durch wesentlich mehr Präsenz als früher auf und dadurch auf, dass der lange Mittelstürmer stets anspielbar ist, gute Übersicht zeigt und mit dem Rücken zum Tor Bälle annehmen und verteilen kann. Außerdem wirkt der Angreifer sehr sicher im Torabschluss und spielstark.

Bis zum Einsatz in der Bundesliga ist es dennoch ein weiter Weg. Nicht nur wegen der Konkurrenzsituation im Mainzer Angriff. „Petar hat jetzt fünf oder sechs Wochen gefehlt. Er braucht natürlich eine Weile, um zurück zu kommen“, sagt Hjulmand. „Es ist immer schwierig, wenn ein Spieler so viel Zeit verliert. Er sieht gut aus im Training, aber er braucht noch Wochen, um sein Bestes zu bringen.“ Der Trainer will dem Profi die nötige Zeit geben, sich heranzuarbeiten. „Petar hat einen sehr guten Eindruck gemacht in den ersten Wochen. Er ist ein vollkommen anderer Spieler als die, die wir sonst vorne haben.“ Die Länge und das Profil des Mittestürmers hat Hjulmand seit dem Weggang von Sebastian Polter und Dani Schahin gar nicht mehr im 05-Angriff. Sliskovic bringe dazu die richtige Einstellung mit. „Wir geben ihm alle Zeit, denn er ist ein guter Spieler.“ Über seine Situation im 05-Kader will sich Petar Sliskovic im Augenblick wenig Gedanken machen. Die nötige Fitness erarbeiten, verletzungsfrei bleiben und im Training alles geben. „Und dann sehen, was dabei herauskommt.“

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