Nummerierte Platzkarte für die Bank

Jörg Schneider. Mainz.
Giulio Donati ist eine wichtige Figur im Team des FSV Mainz 05. Auf dem Platz als unermüdlicher Kämpfer, harter Abwehrmann, als aggressive Leader, Ankurbler des Offensivspiels, Pass- und Flankengeber. Innerhalb des Teams gilt der Mann aus der Toskana als einer der Führungsspieler und als integrativer Faktor. Mit seinem Temperament und seiner Emotionalität wird der 27-jährige Italiener bisweilen aber auch zum Sicherheitsrisiko. Beim Heimsieg gegen Hertha BSC führte dies zur vorzeitigen Auswechslung. Am Samstag, im Auswärtsspiel der 05er beim FC Bayern, wird Donatis Kampfkraft jedoch wieder gebraucht.

Giulio Donati: Unermüdlicher Kämpfer auf der rechten 05-Seite mit manchmal zu viel Temperament und zu großer Emotionalität. Foto: Ekkie Veyhelmann39 Bundesligaspiele hat Giulio Donati mittlerweile für den FSV Mainz absolviert seit seinem Wechsel im vergangenen Winter von Bayer Leverkusen zum Bruchweg. Der Rechtsverteidiger ist eine wichtige Figur im Kader von Martin Schmidt. Auf dem Platz als unermüdlicher Kämpfer, harter Abwehrmann, als aggressive Leader, Ankurbler des Offensivspiels, Pass- und Flankengeber. Innerhalb des Teams gilt der Mann aus der Toskana als einer der Führungsspieler und als integrativer Faktor. Beim 1:0-Heimsige zuletzt gegen Hertha BSC lebte der Italiener das 05-Motto („100 Prozent Einsatz für unser Ziel“) von der ersten Minute an vor. Das Spielende erlebte der 27-Jährige allerdings nicht auf dem Platz. Wegen drohender Rot-Gefahr wechselte der 05-Trainer den Verteidiger in der Schlussphase aus.

Sein Temperament und seine Emotionalität führen bisweilen dazu, dass Donati in hektischen und ungemütlichen Situationen den Überblick verliert, sich mehr und intensiver mit dem Gegenspieler oder dem Schiedsrichter befasst als mit seinen Aufgaben im Spiel. Da wird der Mann mit der Nummer zwei auf dem Rücken schon mal zum Sicherheitsrisiko. Wie in der ausartenden Schlussphase beim 2:3 gegen die Leipziger, als Donati komplett am Rad drehte und kaum noch einzufangen war. Und auch gegen die Hertha ging Donati bei allen Diskussionen, Rudelbildungen, Provokationen und Fisimatenten vorne weg. Nach seinem eingesprungenen Rittberger gegen Vedad Ibisevic holte sich der Verteidiger deshalb einen kräftigen Anschiss von seinem Sportdirektor ab, der an die Seitenlinie gestürmt war und den Profi zur Räson rief. „Man sagt da wohl, ihm gingen die Pferde etwas durch“, erklärte Rouven Schröder später. „Giulio ist so im Spiel drin und ist so durch und durch Mainzer, dass er oftmals die Umgebung etwas vergisst. Da ist er wie ein Rennpferd in den Pulk reingesprungen. Das muss er überhaupt nicht machen. Die Schiris gucken bei Giulio sowie immer etwas genauer hin. In der Situation noch einen Spieler zu verlieren und zu zehnt zu Ende zu spielen, wäre des Guten zu viel gewesen.“

Donati trete aber halt auch derart engagiert für seine Mannschaft ein und stelle sich bedingungslos in deren Dienst. Das Engagement des 27-Jährigen, so Schröder, ende auch nicht mit der Auswechslung. Auch auf der Bank lebe der Profi das Spiel weiter und tigere ständig hin und her. „Er hat, wenn er auf der Reservebank ist, dort mittlerweile zehn Sitzplätze, weil er sich überall hinsetzt. Mal sitzt er da, mal sitzt er beim Trainer. Wir müssten ihm mal eine Platznummer geben, damit weiß, wo er richtig sitzt“, sagt Schröder. Der Trainer muss die Eigenheiten seines heißblütigen Abwehrmannes in Kauf nehmen, kanalisieren und manchmal die Notbremse ziehen, wie gegen Hertha BSC.

„Giulio ist ein unheimlich emotionaler Spieler. Was bei ihm die Stärke ist, kann auch auf die andere Seite kippen. Während der Woche ist er sehr wertvoll auch in der Kabine, er brüllt schon mal alle zusammen, weiß immer, auf was es ankommt. Giulio bringt die Impulsivität mit rein. Das hat auch schon mal Nachteile. Wenn du so ein Spiel hast und bist dauernd am Verteidigen, bringt es nichts, wenn er plötzlich den Gerechtigkeitssinn entwickelt, das Gefühl hat, zweimal hart gefoult worden zu sein oder abgepfiffen zu werden, wo nichts war. Und wenn‘s dann vom Gegner noch gegen eigene Leute geht, dann hat er das Gefühl, er muss da rein und sich wehren. Wenn er aber so reingeht, kann es auch anders ausgehen. Der Wechsel war dann notgedrungen“, erklärte Schmidt.  „Was immer doof ist. Ich habe es nicht gerne, wenn man sauber verteidigt und zueinander gefunden hat, dann einen neuen Reiz zu setzen. Man hat gesehen, der Leon Balogun brauchte drei, vier Minuten, bis er eingegrooved war, ab dann war‘s eine Wand da hinten und es passierte nichts mehr.“ Balogun hatte sogar kurz vor dem Ende mit einem Kopfball noch die größte Chance auf eine Ergebnisverbesserung.

„Jeder im Team ist auf seine Art anders. Manche sind da  etwas gelassener, während ich wohl etwas aggressiver bin und auch mehr auf dem Platz rede. Vielleicht wirke ich auf den Einen oder Anderen deshalb verrückt“, hat der 05-Profi einmal sein Auftreten beschrieben. „Es ist aber nichts anderes als der Wille, gut zu spielen und mit Kampfgeist voranzugehen. Ich will jedem im Team etwas von meiner Gewinnermentalität abgeben.“ Am Samstag, im Auswärtsspiel beim FC Bayern, geht’s weiter mit den 05ern im Abstiegskampf. Mit ziemlicher Sicherheit auch wieder mit Giulio Donati, dessen Kampfkraft und Mentalität dringend benötigt wird gegen die nach dem Champions-League-Aus gereizten Bayern.    

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