Nur die Ruhe!

Christian Karn. Mainz.
Für Chile hat die Copa América gut begonnen: Im Eröffnungsspiel der südamerikanischen Kontinentalmeisterschaft schlugen die Gastgeber durch Tore von Arturo Vidal und Eduardo Vargas Ecuador 2:0. Einer der entscheidenden Faktoren war die gute Leistung des Mainzers Gonzalo Jara in seiner Paraderolle als defensiv denkender Verteidiger.

In Chile hat in der Nacht die Copa América begonnen. Die Gastgeber wissen, dass sie nicht der Topfavorit sind, haben aber durchaus die Hoffnung, das Turnier um die südamerikanische Kontinentalmeisterschaft endlich zum ersten Mal zu gewinnen. Mit einem 2:0 gegen Ecuador im Eröffnungsspiel haben sie zumindest den ersten Schritt hin zu diesem ambitionierten Ziel gemacht.

Die erstmals in diesem südamerikanischen Winter - im Spielort, der Hauptstadt Santiago de Chile, fallen die Höchsttemperaturen im Juni auf unter 16 Grad - in Bestbesetzung spielenden Chilenen brauchten jedoch lange, um ihren Gegner zu knacken. Erst in der 67. Minute riss der ecuadorianische Stürmer Miller Bolaños (CS Emelec) in der Strafraumecke den chilenischen Star Arturo Vidal um - ein eher überflüssiges, übermotiviertes Foul, denn der Mittelfeldspieler von Juventus Turin war in dieser Szene eigentlich keine große Gefahr für das Tor. Vidal, der ebenso wie sein Torwart Claudio Bravo (FC Barcelona) erst kurz vor Turnierbeginn vom Champions-League-Endspiel zur Nationalmannschaft gekommen war, verwandelte den Elfmeter selbst, gerade so unerreichbar für den Torwart Alexander Domínguez ins obere rechte Eck.

Der Mainzer Gonzalo Jara - hier gegen Brasiliens Neymar - war im Eröffnungsspiel der Copa América der große Ruhepol in der chilenischen Defensive. Foto: imagoBeim 2:0 ging es blitzschnell: Ecuadors Verteidiger reagierten schlecht auf einen unpräzisen Rückpass ihres eingewechselten Kollegen Renato Ibarra (Vitesse Arnhem). Arsenals Alexis Sánchez fing den Ball ab, zog zwei Abwehrspieler auf sich, spielte Eduardo Vargas frei und der Stürmer des SSC Neapel entschied das Spiel in der 84. Minute. Chiles einziges Problem im Spiel: Matías Fernández, der Mittelfeldspieler des AC Florenz, sah in der Nachspielzeit Gelb-Rot und fehlt nun im Spitzenspiel der Gruppe A gegen Mexiko (Dienstag, 1.30 Uhr morgens nach deutscher Zeit).

Gegentore mussten die dominanten Chilenen selten befürchten. Die große Ausnahme war die 82. Minute, in der Ecuadors Veteran Walter Ayoví (CF Pachuca/Mexiko), der vor nunmehr zehn Jahren zum Probetraining in Mainz war, aus einem eigentlich missglückten Freistoß die Vorlage für einen Lattenkopfball von Enner Valencia (West Ham United) machte. Dass das alles war, ist auch ein Verdienst des Verteidigers Gonzalo Jara vom FSV Mainz 05, der an der Seite von Inter Milans Gary Medel seine Paraderolle spielen konnte: Defensiv hatten die Innenverteidiger die gegnerischen Angreifer Bolaños und Valencia gut unter Kontrolle. Hatten die Chilenen den Ball, war Jara als letzter Feldspieler und Anspielstation, wenn ein Angriff abgebrochen und neu konzipiert werden musste, der große Ruhepol im Spielaufbau seiner Mannschaft. Lediglich eine sinnlose Gelbe Karte für eine Schubserei im Strafraum vor einem Eckball stört den Gesamteindruck.

Unterdessen verlor Costa Rica ein Freundschaftsspiel gegen eine spanische Perspektivmannschaft 1:2. Junior Diaz, Linksverteidiger des FSV Mainz 05, hatte mit dem Führungstor von Johan Venegas (LD Alajuelense, 5.) und dem Ausgleich von Paco Alcácer (FC Valencia, 7.) nichts zu tun. Vor Cesc Fabrègas' 2:1 wurde der Mainzer auf seinem Flügel in einer Unterzahlaktion überspielt (30.).

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