Nur eine gute halbe Stunde

Christian Karn. Mainz.
Sechs aktuelle A-Nationalspieler hat der FSV Mainz 05, aber viel hat das internationale Publikum in den vergangenen Tagen nicht von ihnen gesehen: Leon Balogun, Yoshinori Muto und Fabian Frei sind wegen Verletzungen zuhause geblieben, Yunus Malli und Jonas Lössl haben jeweils die beiden Spiele ihrer Mannschaften von der Bank und der Aufwärmzone aus verfolgt. Lediglich Besar Halimi hat einen gut halbstündigen Einsatz bekommen und war bei dreien der neun Gegentore Kosovos auf dem Platz.

Die Länderspiele

Mi., 5. Oktober:
16.00: USA - U20 0:1

Do., 6. Oktober:
14.00: GIB - U19 0:5
20.45: KOS - CRO 0:6
20.45: TUR - UKR 2:2

Fr., 7. Oktober:
18.00: U21 - RUS 4:3
19.00: Hadamar - 05 0:7
20.00: ENG - U20 3:1

Sa., 8. Oktober:
14.00: ALB - U19 2:3
20.45: POL - DEN 3:2

So., 9. Oktober:
18.00: UKR - KOS 3:0
20.45: ISL - TUR 2:0

Mo., 10. Oktober:
20.00: NED - U20 2:4 i.E.

Di., 11. Oktober:
14.00: IRL - U19 0:4
18.00: AUT - U21 1:4
20.45: DEN - MNE 0:1

Probieren kann man's, aber an Marko Rog (hinten) und Šime Vrsaljko kommt auch Besar Halimi nicht vorbei. Kosovo verlor gegen Kroatien 0:6. Foto: imagoDie Einsätze von Profis des FSV Mainz 05 bei A-Länderspielen summieren sich, wenn man's genau nimmt, nicht auf eine gute halbe Stunde, weil es nur einen Einsatz gab: Besar Halimi wurde, wie berichtet, beim Spiel Kosovos gegen Kroatien eingewechselt, als die Partie wegen Mario Mandzukics Hattrick sowieso gelaufen war, und erlebte das 0:4, 0:5 und 0:6 auf dem Platz. Die junge Nationalmannschaft, deren Existenzberechtigung vor allem von Serbien heftig bestritten wird, ist nach dem 1:1 in Finnland im ersten Qualifikationsspiel ihrer Historie längst auf dem Boden der Tatsachen angekommen: Auch gegen die Ukraine war Kosovo am Sonntag chancenlos und verlor 0:3. Die Partie, in der Halimi nicht eingesetzt wurde, fand in Polen statt; erstmals hatte eine europäische Nationalmannschaft aus politischen Gründen aufs Heimrecht verzichtet. Die Ukraine erkennt die Souveränität der nach Lesart etlicher Staaten abtrünnigen serbischen Provinz nicht an und empfängt auf ihrem Territorium keine offiziellen Delegationen der Balkan-Republik, damit auch keine Fußball-Nationalmannschaft. 999 Zuschauer waren in Krakau nur zugelassen, genau 57 Karten gingen in den freien Verkauf. Punktgleich mit Finnland, aber nach erst drei Spielen schon um sieben Tore schlechter steht Kosovo auf dem letzten Platz der Qualifikationsgruppe I.

Die Türkei hat immerhin schon zwei Punkte. Dem 1:1 in Kroatien vor einem Monat folgten nun ein 2:2 gegen die Ukraine, die nach einer halben Stunde 2:0 geführt hatte, und ein 0:2 in Island. In Reykjavík trafen zwei Bundesligaspieler: Ömer Toprak von Bayern Leverkusen brachte die Isländer mit einem Eigentor in Führung (42.), Augsburgs Alfred Finnbogason schoss das 2:0 (44.). Der 05er Yunus Malli wurde in beiden Spielen nicht eingesetzt. Alle drei übrigen Gruppengegner übrigens, die Türkei, Kroatien und Island, erkennen Kosovo an und wären zu Heimspielen bereit.

In der Gruppe E kommen unterdessen die Dänen nicht voran. Dem 2:3 in Polen folgte ein 0:1 gegen Montenegro; Fatos Beciraj von Dynamo Moskau - ein gebürtiger Kosovare - schoss in der 32. Minute das Siegtor für den Tabellenführer der Gruppe. Dank des 1:0 gegen Armenien im September haben die Dänen immerhin drei Punkte, vier weniger als die Polen, die auf dem Playoffplatz stehen. Der 05-Torwart Jonas Lössl wurde in den beiden Spielen wie erwartet nicht eingesetzt.

Bessere Nachrichten hat dafür Fabian Frei empfangen. Der Mittelfeldspieler der 05er musste die Einladung zur Schweizer Nationalmannschaft wegen seiner Verletzung ausschlagen. Ohne den Mainzer gewann die Schweiz zunächst in Ungarn 3:2. Alle fünf Tore schossen Bundesligaspieler: Der Frankfurter Haris Seferovic, der Wolfsburger Ricardo Rodríguez und der Berliner Valentin Stocker brachten die Schweiz dreimal in Führung. Der Ex-05er und heutige Hoffenheimer Ádám Szalai glich zweimal aus. Nach dem 2:1 in Andorra durch Tore von Fabian Schär (Hoffenheim) und Admir Mehmedi (Leverkusen) steht die Schweiz auf dem ersten Tabellenplatz der Gruppe B.

Nigeria kam mit einem 2:1 in Sambia in die dritte Runde der afrikanischen WM-Qualifikation. Alex Iwobi vom Arsenal FC und Kelechi Iheanacho, das Wunderkind von Manchester City, trafen zum 2:0-Halbzeitstand. Der 05er Leon Balogun fehlte verletzt, ebenso wie sein Vereinskollege Yoshinori Muto in der japanischen Nationalmannschaft. Diese hängt in der asiatischen WM-Qualifikation hinter ihren Ansprüchen zurück, aber das ist nichts Neues. Schon das 2:1 gegen Irak war glücklich: Das Führungstor durch den Berliner Genki Haraguchi hielt bis in die 60. Minute, der eingewechselte Hotaru Yamaguchi schoss erst in der fünften Minute der Nachspielzeit den Siegtreffer. In Australien gab es trotz des erneuten frühen Tors von Haraguchi nur ein 1:1. Damit sind die Japaner nach vier von zehn Spieltagen nur Dritter hinter den Australiern und Tabellenführer Saudi-Arabien, der gegen Thailand, Irak und die Vereinigten Arabischen Emirate gewonnen und gegen Australien 2:2 gespielt hat.

Die deutsche U19-Nationalmannschaft hat die erste Runde der EM-Qualifikation unterdessen mit drei Siegen bestanden. Der 05er Bote Baku schoss beim 5:0 gegen Gibraltar das dritte und vierte Tor und beim 3:2 gegen Albanien das 3:0. Beim 4:0 gegen Irland blieb der Allrounder, der im Verein inzwischen im defensiven Mittelfeld, in der Nationalmannschaft noch auf den offensiven Flügeln spielt, ohne Tor. Bakus 05-Kollege Finn Dahmen war bei allen drei Spielen Ersatztorwart. Im März muss die U19 ein weiteres Viererturnier gewinnen, um im Juli an der EM in Georgien teilzunehmen.

Die U20 schließlich wurde beim Privatturnier in England Dritter. Nach dem 1:0 gegen die USA und dem 1:3 gegen England spielte das Team des 05-Torwarts Florian Schmidt 2:2 gegen die somit punktgleichen Niederlande, die das Elfmeterschießen um Platz 2 4:2 gewann. Müller stand bei den ersten beiden Partien im Tor.

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