Nur kurz unkonzentriert

Christian Karn. Mainz.
Gonzalo Jara ist zurück im Spielbetrieb. Beim FSV Mainz 05 spielt der chilenische Innenverteidiger momentan keine Rolle, in der Nationalmannschaft ist seine Sperre nach dem Cavani-Zwischenfall abgelaufen. Im ersten Spiel seit dem Kontinentalfinale traf der Südamerikameister auf Paraguay und gewann auch ohne vier der prominentesten Spieler 3:2. Jara spielte durch.

Gonzalo Jara reagierte beim ersten Gegentor etwas zu langsam, machte sonst nach ein paar Eingewöhnungs-Minuten ein gutes Spiel bei seinem Nationalmannschafts-Comeback. Foto: imagoUnter normalen Umständen ist es in diesen Tagen nicht schön, gegen Chile zu spielen. Der neue Südamerikameister hat eine Wucht und ein Selbstbewusstsein wie nicht viele Nationalteams dieser Welt. Paraguay hatte im letzten Testspiel vor der neuen WM-Qualifikationsrunde des Kontinents den Vorteil, dass der "Roja" mit Topstar Arturo Vidal (neu bei Bayern München), Eduardo Vargas (neu in Hoffenheim), dem verletzten Charles Aránguiz (neu in Leverkusen) und Claudio Bravo (nicht mehr ganz neu in Barcelona) vier wichtige Spieler fehlten. Dennoch verdanken die Paraguayaner es nur einer kurzen Phase der Nachlässigkeit in der chilenischen Defensive, dass sie mit 2:3 glimpflich davon kamen.

Auf kuriose Weise gingen die Chilenen nach acht Minuten in Führung. Die Flanke des von Juventus Turin inzwischen an Olympique Marseille ausgeliehenen Mauricio Isla war schlecht. Doch der erste Verteidiger schoss beim Klärungsversuch dem zweiten ins Gesicht, der Ball fiel Felipe Gutiérrez vor die Füße. Und der Mittelfeldspieler von Twente Enschede schickte ihn mit einem kurzen Heber ins lange Eck.

Das Fehlen der offensiven Leistungsträger war den Chilenen dennoch anzusehen. Die Roja tat sich schwer, weitere Chancen zu erarbeiteten, hielten hinten aber in der (bis auf den Torwart) bewährten Aufstellung mit den Innenverteidigern Jara und Gary Medel (Inter Mailand), außen Isla und Eugenio Mena (Cruzeiro EC) dicht.

Bis in der 51. Minute das Mittelfeld einen Konter nicht aufhalten konnte, der Ersatztorwart Johnny Herrera (Universidad de Chile) den Schuss des aufgerückten Linksverteidigers Miguel Samudio nach vorne prallen ließ und Jara und Mena die Gasse nicht schnell genug zubekamen, Jonathan Fabbro durchschlüpfen ließen. Der traf zum 1:1.

Ehe die Chilenen die Defensive wieder im Griff hatten, ging Paraguay in Führung. Nach einigem Hin und Her gab es einen Eckball, den schließlich Medels Gegenspieler Jorge Benítez zum 2:1 einköpfte (53.). Jara war zwar nicht weit weg, aber mit einem anderen Angreifer beschäftigt.

Aber binnen weniger Minuten kam Chile zurück ins Spiel. Und der Angriff zum 2:2 hätte auch mit Vidal und Vargas nicht viel besser aussehen können: Alexis Sánchez schickte Isla mit einem kurzen Steilpass an den Fünfmeterraum. Der wie gewohnt extrem offensive Rechtsverteidiger spielte quer vors Tor, Gutiérrez vollendete diese schnelle, direkt gespielte Kombination mit seinem zweiten Tor (64.). Mit etwas weniger Aufwand, weniger Stationen, aber ähnlichen Prinzipien fiel in der 82. Minute Chiles Siegtreffer: Jorge Valdivia, der zum Abschluss seiner Karriere von der SE Palmeiras nach Abu Dhabi zum Al-Wahda FC gewechselt ist, spielte einen sagenhaften Pass aus dem Mittelkreis durch alle Abwehrreihen auf den durchgestarteten Linksverteidiger Mena. Dessen Querpass sollte eigentlich zwischen Abwehr und Tor durchgehen, kam aber etwas zu spät, flutschte irgendwie dennoch durch die Abwehr. Und hinten stand Sánchez, dessen Schuss der Torwart nur ins Netz abklatschen konnte.

Jara war in den ersten Minuten die mangelnde Spielpraxis anzusehen. Der Mainzer kämpfte sich aber bald ins Spiel hinein und zeigte bis auf die verzögerte Reaktion beim 1:1 eine gute Leistung in seiner gewohnten Rolle als tiefster Verteidiger Chiles.

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