Nur nicht ins offene Messer laufen

Jörg Schneider. Mainz.
Die zweite Länderspielpause dieser Saison ist vorbei, der Bundesliga-Alltag rückt wieder in den Mittelpunkt. Der FSV Mainz 05 erwartet am Samstag den punktgleichen Hamburger SV zum Heimspiel. Der 05-Trainer hat im Vorfeld ein recht positives Zwischenfazit gezogen, was die Entwicklung des Teams angeht ohne zu verkennen, dass in allen Bereichen noch viel Luft nach oben ist. „Nach dem Sieg gegen Hertha und dem Punktgewinn in Wolfsburg haben wir jetzt das Gefühl, dass wir auf einem guten Weg sind. Die beiden Spiele haben den Glauben an unsere Spielidee weiter gestärkt. Wir sind überzeugt davon, dass die Entwicklung vorangeht“, sagt Sandro Schwarz.

Wenn im Laufe des Mittwochs die letzten noch fehlenden Nationalspieler von ihren Länderspieleinsätzen eintrudeln, kann am Bruchweg die konkrete Vorbereitung auf den nächsten Bundesliga-Einsatz beginnen. Dann kann sich der Trainer des FSV Mainz 05 ein genaues Bild davon verschaffen, in welcher Verfassung seine Internationalen die zweiwöchige Länderspielpause beendet haben und einen entsprechenden Kaderplan für das Heimspiel am Samstag (15.30 Uhr) in der Opel Arena gegen den Hamburger SV aufstellen. Hinweise auf Verletzungen der Nationalspieler gibt es bisher nicht. Sorgen bereiten Sandro Schwarz im Moment eher die Ausfälle nach der abgebrochenen Trainingseinheit am Dienstag. Stefan Bell droht nach einem Schlag gegen das Knie für Samstag auszufallen. Karim Onisiwo wird in jedem Fall fehlen. Der Österreicher hat sich bei seinem Trainingsunfall die linke Schulter ausgekugelt, die in der Mainzer Unimedizin inzwischen wieder eingerenkt worden ist. In den kommenden Tagen sollen weitere Untersuchungen durch die Mannschaftsärzte sowie hinzugezogenen Spezialisten Aufschluss über den Therapieweg sowie die Ausfallzeit des Angreifers geben.

Im vergangenen Jahr bejubelten die 05er einen Hattrick von Danny Latza zum 3:1-Sieg gegen den HSV in einer schwierigen Saisonphase. Foto: ImagoDie Partie gegen den HSV bildet nun den Auftakt zum nächsten Block mit insgesamt fünf Begegnungen, ehe dann Anfang November die dritte und letzte Länderspielpause dieser Bundesliga-Vorrunde ansteht. Der Auftritt gegen den HSV, dann das Freitagspiel auf Schalke, das Derby zu Hause gegen Eintracht Frankfurt, die Auswärtspartie in Mönchengladbach sowie die Begegnung der zweiten DFB-Pokalrunde im eigenen Stadion gegen Holstein Kiel. Das sind die anstehenden Aufgaben, in denen das Team aufzeigen muss, ob die 05er den zuletzt positiven Trend mit dem Sieg gegen Hertha BSC und dem Punktgewinn in Wolfsburg fortsetzen können. Der 05-Trainer ist überzeugt davon, dass seine Mannschaft in der Lage dazu ist. Schwarz zog am Bruchweg nun ein recht positives Zwischenfazit, was die Entwicklung des Bundesligisten angeht ohne zu verkennen, dass in allen Bereichen noch viel Luft nach oben ist. Sieben Punkte nach sieben Spielen. Das ist nach dem Fehlstart zunächst einmal ganz ordentlich, aber auch absolut ausbaufähig.

„In den ersten sechs Wochen Vorbereitung haben wir sehr gut gearbeitet, haben uns viele Inhalte drauf geschafft, ein gutes Miteinander und sehr schnell den Zugang zu unserem Spiel gefunden“, sagt Schwarz rückblickend. „Wir hatten gute Testspielergebnisse, einen sehr überzeugenden Pokal-Auftritt. Dann kommt das erste Heimspiel und das starke Gefühl, jetzt wuppst du das Spiel und bestätigst die Entwicklung der Vorbereitung. Wir mussten dann relativ schnell feststellen, dass wir nicht bei Wünsch dir was sind in den ersten beiden Spielen.“ Zwei Niederlagen zum Auftakt brachten den ersten massiven Dämpfer. „Hannover war insgesamt eine ordentliche Leistung, Stuttgart war nicht ordentlich. Da haben wir den ersten schwierigeren Moment gehabt“, sagt der Coach. „Wir sind gut damit umgegangen als Mannschaft, haben festgehalten an Dingen, die uns wichtig sind und gezeigt, was möglich ist mit dem 3:1 gegen Leverkusen. Einen Rückstand gedreht in einem schwierigen Moment, nach den zwei Niederlagen zuvor. Dann kommt das Bayern-Spiel, in dem wir relativ chancenlos waren. Danach haben wir wieder ein sehr gutes Spiel gegen Hoffenheim abgeliefert, leider aber das Ergebnis nicht gezogen. Nach dem Sieg gegen Hertha und dem Punktgewinn in Wolfsburg haben wir jetzt das Gefühl, dass wir auf einem guten Weg sind. Die ersten schwierigen Momente gemeinsam überstanden zu haben, hat eine gewisse Ausstrahlung“, betont der Trainer. „Die beiden Spiele haben den Glauben an unsere Spielidee weiter gestärkt. Dass wir in Wolfsburg 60 Minuten sehr dominant aufgetreten sind, ist schon mal ein klarer Entwicklungsschritt. Im Moment überwiegt bei uns das Gefühl, dass wir eigentlich ein paar Punkte mehr hätten haben können. Wir haben nicht das Gefühl, Glück gehabt zu haben, auf diese sieben Punkte gekommen zu sein, sondern sind überzeugt davon, dass die Entwicklung vorangeht“, betont der 38-Jährige. „Aber wir wissen auch, dass wir noch weitere Schritte brauchen in der Konstanz, in der Konsequenz in allen Phasen des Spiels. Die Aufgabe ist nun, die Dominanz in Tore umzumünzen, plus diese Phasen weiter zu verlängern.“

Länderspielpause intensiv genutzt

Man habe die Länderspielpause gut und intensiv genutzt, um an den Inhalten zu arbeiten und die Entwicklung voranzutreiben. Das ansehnliche Testspiel gegen den SV Sandhausen mit dem 2:1-Sieg hat gezeigt, dass die Richtung stimmt. Nun sei im Kader eine deutliche Freude zu spüren, dies auch in der Bundesliga zu bestätigen. „Der Break hat uns gut getan. Jetzt freuen wir uns auf das Heimspiel.“

Im vergangenen Jahr war die Partie gegen den HSV eine Art Schlüsselspiel. Nach drei Niederlagen in Folge lagen die Mainzer erneut mit 0:1 zurück, ehe Danny Latza mit seinem Hattrick den 3:1-Sieg und in einer komplizierten Partie drei Punkte sicherte, die in der Endabrechnung extrem wertvoll waren. Auch die Neuauflage dieser Begegnung hat es in sich. Mit einem Erfolg können sich die 05er vom im Moment punktgleichen Gegner sowie von der Gefahrenzone in der Tabelle etwas absetzen. Doch die Aufgabe hat ihre Tücken. „Der HSV ist sehr gut organisiert, hat gute Umschaltspieler, eine gute Qualität im Mannschaftsverbund und im Umschaltspiel. Sie haben die Qualität, nach dem Ballgewinn sofort in die Tiefe zu spielen. Wir müssen darauf achten, dass wir nicht ins offene Messer laufen“, sagt Schwarz. „Das heißt für uns, dass wir eine gute Restverteidigung brauchen, dazu selbst einen guten Ballbesitz und zielstrebig Richtung Tor marschieren. Wir müssen aktiv in der Arbeit gegen den Ball sein und dürfen uns nicht in einlullen lassen.“ Die Hamburger werden in Mainz nicht auf bedingungslose Offensive setzen, sondern auf schnelles Konterspiel aus einem sicheren Defensivverbund heraus. Das bedeutet viel eigenen Ballbesitz für die 05er. Da sind neben intensiver Pressing- und Defensivarbeit Ideen und zielstrebiges Offensivspiel gefragt. „Wenn wir selbst oft den Ball haben, geht es darum, nicht nur eine vermeintliche Dominanz zu entwickeln, sondern eine Dominanz, die auch Torgefahr bringt“, erklärt Schwarz.

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