Nur nichts hinein interpretieren!

Jörg Schneider. Mainz.
Die Arbeitswoche ist kurz: Bereits am Freitagabend steht für den FSV Mainz 05 das Heimspiel gegen den FC Schalke 04 auf dem Programm. Martin Schmidt hat unterdessen nach dem Training noch einmal den 3:2-Sieg in Freiburg thematisiert und sich besonders auf Johannes Geis und Julian Baumgartlinger konzentriert. Die Mittelfeldspieler hatten im Breisgau einige Probleme, kämpften mit ihrer Leistung. Dass dafür mögliche Veränderungsgedanken der Spieler verantwortlich sein könnten, bezeichnete Schmidt sinngemäß als Unfug. „Man darf da nichts hinein interpretieren.“

Schwerer Stand in der Defensive und im Aufbau nicht mit der gewohnten Wirkung: Johannes Geis (im Duell mit dem Freuburger Mike Frantz). Foto: ImagoMartin Schmidt selbst hatte nach dem Sieg in Freiburg erklärt, es sei dringend notwendig, dass seine Mannschaft in den noch verbleibenden Spielen wieder besser Fußball spielen müsse. Mehr Qualität aus dem eigenen Ballbesitz heraus, Verbesserung des Passspiels, insbesondere in der gegnerischen Hälfte. Der Trainer des FSV Mainz 05 wollte damit allerdings nicht die Gesamt-Leistung seiner Spieler im Breisgau abwerten, obwohl dort in fußballerischer Hinsicht vieles nicht optimal funktioniert hatte.

Der Plan sei gewesen, dem Gegner den Ball und das Aufbauspiel zu überlassen. „Unsere Absicht war, ihnen den Ball zu geben und zu gewinnen. Effizienz vor Schönheit“, sagte der Schweizer nach dem Training am Bruchweg. „Die hatten den Ball, wir haben die Tore gemacht.“ Das habe funktioniert trotz schlechter Voraussetzungen im Vorfeld. Schmidt musste mit Niko Bungert und Stefan Bell seine erfahrene Innenverteidigung dieser Saison ersetzen, später noch den angeschlagenen Ja-Cheol Koo. In einer Phase, in der mit Jonas Hofmann und Christian Clemens sowie dem im Aufbau befindlichen Christoph Moritz wichtige Profis ohnehin fehlten. „Vor ein paar Wochen habe ich noch gesagt, es darf alles passieren, nur nicht, dass unsere beiden Innenverteidiger ausfallen“, so der 05-Trainer.

Mit Nikolce Noveski rückte ein Profi ins Zentrum, der in dieser Runde kaum gespielt hat. Junior Diaz ist eher auf der linken Abwehrseite zu Hause. Die Ersatzleute erledigten einen guten Job, trotz vieler Freiburger Chancen. Der Routinier mit Übersicht, Routine und gutem Timing im Abwehrspiel. Diaz eher unkonventionell, aber mit enormer Kampfbereitschaft und -kraft sowie Willensstärke.

Und das hatte laut Schmidt Auswirkungen auf das Spiel der Mainzer Doppelsechs. Johannes Geis und Julian Baumgartlinger fehlte in dieser Partie viel von ihrer gewohnten Wirkung. „Auch für sie gab es plötzlich neue Abläufe mit zwei neuen Leuten hinter sich“, sagte Schmidt. „Da muss man sich in einem solchen Spiel auch einfach mal mit der eigenen Effizienz begnügen.“

Voller Einsatz im Training: Julian Baumgartlinger, angegriffen von Pierre Bengtsson. Foto: Jörg SchneiderErschwerend hinzu für das zentrale Duo kam die Tatsache, dass die Freiburger die beiden Schalt-Figuren im Mainzer Mittelfeld permanent attackierten und deren Räume einengten. Die Folge waren unpräzise Abspiele in Zeitnot und wenig Produktives für die Offensivaktionen der 05er. „Die Freiburger wussten genau, dass sie diese beiden Spieler bei uns massiv beschäftigen mussten“, sagte Schmidt. „Die Gegner analysieren uns auch ganz genau und erkennen, dass Geis unser Dreh- und Angelpunkt ist.“ Der U21-Nationalspieler habe sich im Aufbau damit ebenso schwer getan wie Baumgartlinger.

Dennoch empfand es der 05-Coach nicht als angebracht, die Gesamtleistung seiner beiden Sechser zu kritisieren. „Es ist ihnen nach vorne nicht allzuviel geglückt, aber in der Rückwärtsbewegung und im ganzen Defensivverhalten war alles da. Sprints und Zweikämpfe. Da fehlte ihnen kein Kilometer.“ Geradezu als absurd bezeichnet der Schweizer den Versuch, die nicht wie gewohnt auffällige Leistung von Geis und Baumgartlinger im Zusammenhang mit eventuellen Vereinswechseln sehen zu wollen. „Man darf da nichts hineininterpretieren. Gespräche über Vertragsverlängerungen oder mögliche Angebote von anderen Klubs haben damit nichts zu tun.“

Der österreichische Nationalspieler, dessen Vertrag ausläuft, soll unter anderem für Werder Bremen interessant sein. Geis, der noch bis 2017 an die 05er gebunden ist, soll auf der Wunschliste beim VfL Wolfsburg, Borussia Mönchengladbach und nun auch, wen wundert’s, bei Borussia Dortmund und dessen künftigen Trainer Thomas Tuchel stehen. Das alles ändere jedoch nichts daran, dass sich die zwei 05-Profis mit Haut und Haaren dem Abstiegskampf in Mainz verschrieben hätten. Wer die Trainingseinheiten am Bruchweg verfolgt und dort die Leidenschaft, die Konzentration und die Intensität beobachtet, mit der die beiden Mittelfeldspieler ans Werk gehen, hat daran keine Zweifel.

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