Nur zu Besuch?

Christian Karn/Jörg Schneider. San Pedro Alcántara
Das Trainingslager des FSV Mainz 05 in Andalusien ist fast schon vorbei. Und während die meisten Profis der 05er sich ernsthaft auf die Rückrunde vorbereiteten, hat sich der einwöchige Aufenthalt an der Mittelmeerküste für drei Spieler nur wegen des guten Wetters gelohnt: Karim Onisiwo, Suat Serdar und das Phantom Emil Berggreen konnten nicht trainieren, liefen ihre Runden immerhin nicht bei Minusgraden. Für drei andere Spieler waren dagegen bedeutet das Profi-Trainingslager eine Auszeichnung: Lukas Watkowiak, Niklas Kölle und Charmaine Häusl gehören normalerweise zu tieferen 05-Mannschaften.

Das Trainingslager des FSV Mainz 05 ist eine wichtige Chance für die Profis, sich in einer sich verändernden Mannschaft für die Rückrunden-Startelf anzubieten. Vor allem in der Offensive dürfte sich durch den Verlust Yunus Mallis, die Rückkehr Yoshinori Mutos, wahrscheinlich durch den Neuzugang, den Rouven Schröder im Laufe des Monats wohl noch präsentieren wird, kurzfristig auch durch die Sperre Jhon Córdobas einiges verschieben. Ein Spieler, der in der Hinrunde durchaus so etwas wie ein Stammspieler, aber nicht der erhoffte Leistungsträger war, wird in den kommenden Wochen unter erhöhtem Konkurrenzdruck stehen. In San Pedro Alcántara konnte er seine Rolle nicht verteidigen: Karim Onisiwo war krank und verpasste das Training. Aber auch Jairo Samperio, einer seiner direkten Konkurrenten auf den offensiven Flügeln, musste wegen einer leichten Verletzung aussetzen.

Ebenfalls noch nicht im Training sind das Talent und das Phantom. Suat Serdar, der sich in den ersten Wochen der Saison im Stammkader weiter festgesetzt und einige Spiele begonnen hatte, fehlt seit der Niederlage in Leipzig; weil sich der Sechser am Tag vor dem HSV-Heimspiel im Training erneut verletzte, reichte es im Trainingslager nur zu Laufeinheiten, zusammen mit Emil Berggreen, der ein Comeback im Frühling anstrebt. Der im vergangenen Winter verpflichtete dänische Mittelstürmer hat immer noch kein einziges vollständiges 05-Training geschafft, aktuell fehlt er noch wegen eines Kreuzbandrisses aus dem Sommer.

Karim Onisiwo konnte nur Runden laufen oder sehnsüchtig zusehen. Der Österreicher war krank.Das Fehlen von Onisiwo und Jairo war in den Testspielen deutlich zu sehen: Der anwesende Kader reichte nicht, um in zwei kompletten Mannschaften alle Positionen zu besetzen. Vorne rechts blieb eine Lücke, die gegen Feyenoord Rotterdam der Allrounder Daniel Brosinski besetzte, ein ehemaliger Offensiv-Profi, der in Mainz fast nur noch als Außenverteidiger und gelegentlich defensiver Mittelfeldspieler aufläuft. Gegen ADO Den Haag war's Charmaine Häusl, der kein echter Rechtsaußen war, aber auch kein klarer rechter Mittelfeldmann, der deutlich offensiver spielte als die beiden tatsächlichen Sechser. Der fast 21-Jährige kam 2011 vom FC Augsburg zur U17 der 05er, war zunächst Sechser, später oft auch Innenverteidiger. Sein Talent ist unbestritten; bis in die späten Jugendjahre spielte Häusl in der Regel ein Team höher, als er vom Jahrgang hätte spielen müssen. Häusl, inzwischen Stammspieler in der U23, sollte fußballerisch das Zeug zum Profi auf hohem Niveau haben; sein Defizit, das der Karriere noch im Wege steht, ist ein gewisser Hang zur Leichtfertigkeit.

Auch hinten links, wo es hinter Gaetan Bussmann keinen weiteren Spezialisten gibt, sondern bei Bedarf Brosinski und Giulio Donati aushelfen, ging eine Lücke auf. Die füllten die 05er mit einem jungen Neuzugang vom VfL Wolfsburg: Niklas Kölle, im November erst 17 Jahre alt geworden, war beim VfL U17-Stammspieler, seit dem vergangenen Sommer ist er auch in der Mainzer U19 fest als Linksverteidiger gesetzt. In seinen ersten beiden halben Testspielen im Profifußball machte Kölle seine Sache ordentlich. Sein Konkurrent dürfte mittelfristig aber weniger Bussmann als der für den Sommer vom KSC verpflichtete Marin Sverko sein; das liegt auch an seinen anderen Verpflichtungen: Kölle reist bereits heute aus dem Trainingslager ab, weil am Montag die Schule wieder beginnt.

Und auch einen neuen vierten Torwart haben die 05er dabei: Weil Gianluca Curci sich bei den Bristol Rovers vorstellt, rückte zusätzlich zu den Bundesligakader-Stammspielern Jonas Lössl und Jannik Huth sowie U23-Keeper Florian Müller auch der zweite U23-Torwart nach, Lukas Watkowiak, der schon öfter mit den Profis trainiert hat. Der 20-jährige Sossenheimer kam 2012 vom FSV Frankfurt an den Bruchweg, spielte in viereinhalb Jahren aber nur 15 Mal: Mit Denis Wieszolek (inzwischen Regionalliga-Ersatzkeeper mit gelegentlichen Einsätzen bei Astoria Walldorf), Daniel Zeaiter (inzwischen Ersatztorwart des MSV Duisburg), Müller und Huth war immer einige Konkurrenz da. Nach einem kompletten Jahr in der U23 mit nur einer Kadernominierung - der Platz war freigeworden, weil Curci und Huth ausfielen und Zeaiter auf die Profi-Bank aufrücken musste - begann Watkowiak die laufende Saison als provisorische Nummer 1 der U23 - Huth war bei Olympia, Curci verletzt, Müller bei den Profis. Nach drei Einsätzen (und acht Gegentoren) war Huth wieder da, Müller wieder zur U23 delegiert, Watkowiak sein Ersatztorwart. Zwei Testspiele hatte er bereits bestritten, im Trainingslager bekam er nur zehn Minuten Spielzeit, in denen er nicht viel richtig oder falsch machen konnte; zwei Schüsschen aufs Tor fing Watkowiak locker auf.

Wer von ihnen nur zu Besuch dabei war, für wen es ein weiterer Schritt in den Profifußball hinein war, das wird man sehen.

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