Nutzloser Ballbesitz

Christian Karn. Mainz.
Im Testspiel gegen den Karlsruher SC - soviel verriet Martin Schmidt - ging es um Ballbesitz. Den hatte der FSV Mainz 05. Wenn es jedoch in zweiter Linie darum ging, mit dem Ballbesitz auch sinnvoll umzugehen, Torchancen zu haben, Tore zu schießen, dann ist die Mission misslungen. In einem vor der Halbzeit viel zu hektischen, in der zweiten Hälfte etwas ruhigeren, aber nicht wesentlich zielführenderen Spiel hatten die 05er bis zum Elfmeter, den Jhon Córdoba in der 77. Minute zum 1:1-Endstand verwandelte, nicht eine ernsthafte Torchance. Nach dem Elfmeter jedoch wäre sogar noch der Siegtreffer möglich gewesen.

FSV Mainz 05 - Karlsruher SC 1:1 (0:1)

Freitag, 24. März 2017.

FSV Mainz 05: Huth - Brosinski (65. Donati), Bungert (46. Latza), Ramalho (46. Hack), Holtmann (83. Breitenbach) - Frei, Gbamin (83. Gürleyen) - Quaison, Bojan (70. Onisiwo), de Blasis (46. Jairo) - Muto (70. Córdoba). Trainer: Schmidt.

Karlsruher SC, 1. Hälfte: Vollath - Mavrias, Thoelke, Kinsombi, Sallahi - Valentini, Krebs, Meffert, Yamada - Kamberi, Marvin Mehlem.
2. Hälfte: Stritzel - Kom, Thoelke (70. Hoffmann), Figueras, Buchta - Barry, Marcel Mehlem, Yamada, Muslija - Marvin Mehlem (61. Rolim), Vujinovic. Trainer: Slomka.

Tore: 0:1 Valentini (26., Foulelfmeter, de Blasis an Valentini), 1:1 Córdoba (77., Foulelfmeter, Stritzel an Córdoba).

Gelbe Karte: Muto.

Es war nur ein Testspiel in der Länderspielwoche. Soll man nicht überbewerten. Es mag vorkommen, dass in einer Länderspielwoche trotzdem auch zuhause guter Fußball gespielt wird, aber häufig kommt es nicht vor.

Der FSV Mainz 05 spielte beim 1:1 gegen den Karlsruher SC nahezu gar keinen Fußball. Die letzten zwölf, dreizehn Minuten stimmten ein bisschen versöhnlicher, die ersten knapp 80 Minuten waren selbst für ein Länderspielwochen-Testspiel überdurchschnittlich schwach. "Es ist Euer Job, uns zu kritisieren", sagte Martin Schmidt. Wenn es - indirekt - der Job der Mannschaft ist, den Kritikern kein Material zu geben, hat sie den Job nicht gut erledigt.

Schmidt sprach von verschiedenen Ansätzen, die seine Mannschaft in der Bundesliga nicht hat und gegen den Tabellenletzten der 2. Bundesliga ausprobieren sollte. "Ballbesitz und die Kontersicherung, wenn man hoch steht, das waren die Themen", sagte der 05-Trainer. "In der ersten Hälfte haben wir einmal nicht aufgepasst, Elfmeter, Tor." 1:0 für den KSC nach einem ungeschickten Zweikampf von Pablo de Blasis gegen Enrico Valentini, der den Strafstoß selbst schoss, 0:1 für die 05er in der 26. Minute. Insofern überraschend, als dass der KSC bis dahin - abgesehen von einem Schuss Valentinis, der am langen Eck vorbei flog (12.) - keine gefährliche Szene hatte. Insofern nicht unpassend, als das die 05er bis dahin zwar viel Ballbesitz hatten, aber nicht eine außergewöhnliche Szene.

Bei den wenigen lichten Momenten der ersten Hälfte hatten in der Regel Bojan Krkic (vorne) und Gerrit Holtmann (hinten) die Füße im Spiel. Foto: FSV Mainz 05Gerrit Holtmann, erstmals als Linksverteidiger aufgestellt, war mit zwei, drei Balleroberungen und nachfolgenden Läufen in die gegnerische Hälfte ein Lichtblick. Auch Bojan Krkic hatte sichtbare Lust aufs Fußballspielen. Aber produktiv war auch das nicht. Die Mainzer Offensive beschränkte sich auf lange Bälle nach vorne, nicht zahlreich und allesamt unbrauchbar. Einer wäre fast brauchbar gewesen, war nach einer knappen Stunde nur ein bisschen zu lang für Yoshinori Muto, andererseits gab es aber auch die Flanke von Robin Quaison nach zwölf Minuten, die von der rechten Seitenlinie kam und für den Mitspieler auf der linken Seitenlinie immer noch zu hoch war. Kombinationsspiel - so wie es der KSC bei seinen wenigen Kontern zeigte, wie er es vor dem Führungstor zeigte - gab es nicht. Einziger Abschluss in der ersten Hälfte: Ein Kopfball von André Ramalho (der sich ansonsten zu sehr in Streitigkeiten mit den gern mal provozierenden Karlsruher Angreifern verzettelte), der in der 16. Minute das Tor deutlich verfehlte. Den Ballbesitz zu haben war gegen eine Mannschaft, die die 05er ohne große Gegenwehr bis weit über die Mittellinie kommen ließ, keine Herausforderung. Mit diesem Ballbesitz konstruktiv umzugehen, das war die Herausforderung. Der Bundesligist schaffte es lange nicht.

Mit der Einwechslung von Danny Latza zur Halbzeit (Niko Bungert ging raus, Jean-Philippe Gbamin aus dem Mittelfeld in die Innenverteidigung) kam zumindest etwas mehr Ballsicherheit ins Zentrum. Tatsächlich nach vier Minuten eine Torchance - Holtmann spielte von der Seite in den Strafraum, Bojan schoss vorbei. Danach passierte wiederum trotz viel Ballbesitz gut 20 Minuten lang gar nichts. Und vor dem dritten Abschluss der 05er hatte der KSC noch einmal die große Möglichkeit zum 2:0. Jannik Huth musste fliegen, um den Distanzschuss von Yann Rolim an den Pfosten abzulenken (72.).

Kurz vorher hatte es aber noch eine weitere Einwechslung gegeben, die dem Mainzer Spiel gut tat. Die von Jhon Córdoba für Muto. Der Kolumbianer fand gegen die inzwischen komplett neue Karlsruher Abwehr bessere Laufwege, bekam von hinten zwei, drei nicht völlig unerreichbare Flugbälle. Und bekam bei einem davon vom Torwart den Elfmeter, den er zum 1:1 knapp neben den linken Pfosten ins Netz schoss (77.). Sekunden nach Wiederanpfiff kam aber schon ein Karlsruher Querpass durch den Mainzer Fünfmeterraum - zum Verteidiger. Nichts passiert. Im Gegenangriff, dem einzigen ernsthaften Mainzer Spielzug im Strafraum, kam Córdoba am Ende nicht mehr richtig hinter den Ball - Außennetz (79.). Fünf Minuten darauf hatte Jayson Breitenbach, der als Linksverteidiger eingewechselte Rechtsverteidiger der U19, mit einem techniklochwertigen Heber aus spitzem Winkel aufs lange Eck die letzte Chance auf einen schmeichelhaften Sieg - der Torwart erreichte den Ball aber.

"Wir hatten nach einer trägen ersten Hälfte eine druckvollere zweite Hälfte", sagte Schmidt. "Der Gegner war gut, hat solide verteidigt, wir kamen gut an die Seiten, aber die Flanken haben gefehlt. Insgesamt war es ein guter Test." Aber kein gutes Spiel. Zu diesem Anlass ist das jedoch nicht ungewöhnlich. Überbewerten soll man das nicht.

► Alle Artikel zur Saisonarbeit

► Zur Startseite