Offene Fragen vor dem Neustart

Christian Karn. Mainz.
Nach dem durch die Europameisterschaft, die Olympischen Spiele und die schnelle Länderspielpause zerfledderten Start nimmt die Bundesligasaison 2016/17 nun endlich Fahrt auf, für den FSV Mainz 05 mit dem spätesten ersten Heimspiel seit einem Zweidritteljahrhundert. Was den 05ern in der Partie gegen die TSG Hoffenheim exakt bevorsteht, darüber kann man in vielen Aspekten nur spekulieren. Aber den Hoffenheimern wird es nicht anders gehen: Viele offene Fragen werden den Trainern und Spielern erst beantwortet, wenn am Sonntag nach 16.30 Uhr die Aufstellungen bekannt werden.

Selten war ein Saisonauftakt so zerfleddert wie in diesem Jahr. Selbst die gedungenen Spione, die, als Fans getarnt, angeblich die Spieler der kommenden Gegner von Hertha BSC aushorchen sollen, dürften ihre Schwierigkeiten haben, irgendetwas zu erfahren, weil nach der Europameisterschaft, nach den Olympischen Spielen, nach den zwei irgendwie vor die frühe Länderspielpause gequetschten Vereinspflichtspielen nun, da man den Vereinsfußball endlich wieder ernstnehmen kann, keiner so recht weiß, wer eigentlich wo steht und warum.

Der FSV Mainz 05 hat am Sonntag - Mitte September! So spät wie seit 1949 nicht mehr! - sein erstes Heimspiel der Saison. Die TSG Hoffenheim wird der erste Pflichtspielgegner in diesem Herbst. Die Badener sind etwas erfolgreicher ins neue Spieljahr gestartet; dem 6:0 gegen den 1. FC Germania Egestorf/Langreder (Aufsteiger in die Regionalliga Nord, dort Siebzehnter) holten sie gegen den Aufsteiger aus Leipzig ihren ersten Bundesligapunkt, der den 05ern nach ihrer knappen Niederlage in Dortmund noch fehlt.

Es kann schon sein, dass Pablo de Blasis am Sonntag Pavel Kaderabek wieder verrückt macht. Es muss nicht sein, dass sich die beiden überhaupt begegnen. Foto: imagoMan kann versuchen, aus den beiden Partien etwas abzulesen. Dass die TSG offenbar in einem 4-3-3-System spielt, mit Oliver Baumann im Tor und Mark Uth, Sandro Wagner und Andrej Kramaric im Angriff. Mit Sebastian Rudy im Mittelfeld, Fabian Schär in der Innenverteidigung - und das waren schon die Übereinstimmungen der beiden Partien. Neben Schär dürfte Niklas Süle einen Vorsprung auf Ermin Bicakcic haben, Pavel Kaderabek wird wohl außen verteidigen, vielleicht links, vielleicht rechts, Kevin Vogt sollte auch irgendwo in der Aufstellung zu finden sein, in der Abwehr oder im Mittelfeld. Pirmin Schwegler ist im Kader, Lukas Rupp, Steven Zuber, Philipp Ochs, und da der TSG-Trainer Julian Nagelsmann angekündigt hat, die Aufstellung zu verändern, was er entweder wirklich tun wird oder nur behauptet hat, wird man spekulieren müssen.

Von den Olympischen Spielen war die TSG nicht zu sehr betroffen. Niklas Süle (der seitdem in die A-Nationalmannschaft aufgerückt ist) und Jeremy Toljan standen im deutschen Olympiakader. Während der zurückliegenden Länderspielpause fehlten neben Süle dagegen der Tscheche Kaderabek, der Bosnier Bicakcic, der Schweizer Schär, der Chilene Eduardo Vargas, der Kroate Kramaric, der Ungar Adam Szalai und der deutsche U21-Nationalspieler Nadiem Amiri. Im Gegensatz zu den Mainzern, die mehrheitlich auf der Bank gesessen und zugesehen haben, wurden haben die Hoffenheimer alle eingesetzt. Die Länderspiele liegen natürlich einige Tage zurück, das Bundesligaspiel ist das letzte des Spieltags, viel Vorbereitung auf die Partie in Mainz haben die Nationalspieler nicht verpassen können. Dennoch macht das die Einschätzung nicht leichter, wer spielen wird und wie sehr die Mannschaft eingespielt sein wird.

Aber natürlich geht es den Hoffenheimern auch nicht anders. Wie groß ist das Fragezeichen hinter André Ramalho wirklich? Wird Jean-Philippe Gbamin als einziger Sechser spielen oder mit einem Nebenmann oder überhaupt nicht? Wird Daniel Brosinski links oder rechts verteidigen oder auf der Bank sitzen, weil Gaetan Bussmann zurückkommt? Spielt vorne rechts Christian Clemens, Levin Öztunali oder Pablo de Blasis, vorne links Yoshinori Muto, Karim Onisiwo oder am Ende als große Überraschung Gerrit Holtmann? Wird Leon Balogun, Niko Bungert oder am Ende sogar Stefan Bell auf der Ersatzbank landen, in dieser Auftaktpartie der sieben-Spiele-in-drei-Wochen-Phase? Was steht seinem Team bevor - und was dem seines Kollegen Martin Schmidt? Die Trainer werden's wissen, wenn am Sonntag nach 16.30 Uhr die Aufstellungen durchsickern. Und dann startet die Saison durch. Lang genug hat's gedauert.

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