Okazaki-Nachfolger kurzfristig nicht in Sicht

Jörg Schneider. Mainz.
Nach dem Verkauf von Shinji Okazaki für eine zweistellige Millionen-Ablösesumme nach England warten die Anhänger des FSV Mainz 05 gespannt auf die Verpflichtung eines Nachfolgers für den Torjäger. Doch Christian Heidel stellt klar, dass weder eine kurzfristige, noch eine prominente Lösung zu erwarten ist. „Wir können und werden keinen Stürmer holen, der in der Bundesliga schon 15 Tore geschossen hat“, sagt der 05-Manager, der in Sachen Mittelstürmer-Suche erst einmal ein paar Wochen Vorbereitung abwarten will. Trainer Martin Schmidt werde zudem ab sofort mit den aktuellen Offensivkräften verschiedene Angriffsvarianten erarbeiten. Umstellungen und Systemveränderungen nicht ausgeschlossen.

Anders als im vergangenen Jahr ist die Kaderplanung von Christian Heidel und Martin Schmidt aktuell weit fortgeschritten. Der 05-Trainer möchte in den kommenden Wochen zudem an variablen Offensiv-Strategien arbeiten. Foto: Jörg SchneiderFür den Großteil der Fußball-Profis des FSV Mainz 05 hat an diesem Wochenende die Vorbereitung auf die neue Bundesliga-Saison begonnen. Bis auf einige Nationalspieler, deren Ferien der Klub um eine Woche verlängerte, hat sich der Kader wieder am Bruchweg versammelt. Nach der medizinischen Eingangsuntersuchung steht der komplette Montag im Zeichen verschiedener leistungsdiagnostischen Tests, ehe Martin Schmidt seine Spieler dann am Dienstagmorgen zum Trainingsauftakt auf den Rasen bittet.

Christian Heidel wird dann erst einmal durchschnaufen. Der Manager hat seinen Job fürs Erste erledigt, seinem Coach einen interessanten Kader offeriert, mit dem Schmidt sofort innovativ arbeiten kann. Und besonders in dieser turbulenten vergangenen Woche hat Heidel mit seinen Transfers für einiges Aufsehen in der Liga gesorgt. Der Verkauf von Johannes Geis nach Schalke, der Transfer von Shinji Okazaki nach England. Dazu die Verpflichtung von Fabian Frei aus Basel und zuguterletzt der Wechsel von Maximilian Beister vom HSV an den Bruchweg – das ging Schlag auf Schlag.

Vor allem die beiden Mega-Deals stechen heraus und festigen den Ruf der 05er, ein Klub zu sein, der Spieler entdeckt, sie fördert, die Profis teuer weiterverkauft, um langfristig in der Lage zu sein, sich als kleiner Verein in diesem Konzert der Großen zu behaupten. Etwa 23 Millionen Euro spült das Geschäft mit Geis und Okazaki in die Vereinskasse. „Das ist für Bundesliga-Verhältnisse nicht alltäglich“, weiß auch der 52-Jährige. "Unser Umsatz aus Transfers ist in diesem Jahr größer als unser Lizenzspieleretat“, sagt der Manager.

Natürlich ist der Abgang der beiden Leistungsträger aus sportlicher Sicht ein großer Verlust, aber im Sinne einer langfristigen Finanzierung des Vereins habe es keine andere Möglichkeit gegeben. Dass Leicester City bereit gewesen sei, am Ende etwa acht Millionen Pfund, also über elf Millionen Euro für den Japaner auszugeben, „damit habe ich selbst nicht unbedingt gerechnet“, sagt Heidel. Doch der Verein aus den Midlands wollte Okazaki seit einem Jahr unbedingt haben, ließ nicht locker und hatte das nötige Kleingeld dafür.

Die Zahlen, mit denen der 14. der Premier League hantiert, der sich als sicherer Abstiegskandidat am Ende noch rettete, belegen, dass sich die 05er noch so sehr um ihren Torjäger hätten bemühen können, einem Vertrag, der dem fast 30-Jährigen Profi in Aussicht stellt, vier Jahre lang das Doppelte und dreifache seines jetzigen Gehalts zu verdienen, dem hatten die 05er nichts entgegenzusetzen. Auch, weil Okazaki immer schon betont hatte, dass die Premier League ein Lebenstraum für ihn sei. Der Klassenverbleib sichert Leicester City TV-Einnahmen in Höhe von 71,6 Millionen Pfund. Über 100 Millionen Euro, die ein mittelmäßiger und hierzulande relativ unbekannter Klub zur Verfügung hat. „Da können wir nicht mithalten“, sagt Heidel. Also bleibt nur, wenigstens finanziell davon zu profitieren, dass der englische Mittelstand die Bundesliga als Jagdgebiet entdeckt hat.

Jüngster Kader aller Zeiten

Wer allerdings nun erwartet, dass der 05-Manager mit prall gefüllter Brieftasche schnellstmöglich einen hochkarätigen Okazaki-Nachfolger präsentiert, wird sich auf eine Enttäuschung gefasst machen müssen. „Wir können und werden keinen Stürmer holen, der in der Bundesliga schon 15 Tore geschossen hat, sondern definitiv nur einen Spieler, der ein Potenzial hat, das er bei uns entwickeln kann. Oder einen, der anderswo Probleme hatte und nicht zurechtkam, von dem wir aber glauben, dass es bei uns passt und nach vorne geht für ihn“, stellt Heidel klar. Kurzfristig sei ein solcher Transfer nicht zu erwarten. Es sei denn, bei einem dieser Kandidaten, die Schmidt und Heidel auf dem Schirm haben, ergebe sich kurzfristig etwas. Aber das ist wohl eher mit fortgeschrittener Dauer der Vorbereitung zu erwarten, wenn sich bei der Konkurrenz die Kader- und Spielplätze herauskristallisieren.

Mainz 05 will abwarten und zudem testen, wie sich der jetzt zur Verfügung stehende Kader in den nächsten Wochen macht. Besonders im Offensivbereich. Martin Schmidt habe etliche Ideen, mit dem aktuellen Personal sein schnelles Umschaltspiel einzuarbeiten. Systemumstellungen nicht ausgeschlossen. Da sind Veränderungen in der Offensive zu erwarten, die weg gehen vom bisherigen 4-3-2-1, hin zum 4-4-2 mit Raute, zum 4-3-3 mit schnellen Angriffsleuten. Eine Reihe der Profis sei in der Lage als zweite Spitze aufzutreten. Da ist in den kommenden Wochen viel Experimentierarbeit zu erwarten. „Deshalb wollen wir erst einmal abwarten, was wir im Angriff noch machen.“ Die Transferperiode läuft bis 31. August. Und anders als im vergangenen Jahr steht der 05-Kader zum Trainingsauftakt schon mal gut da.

„Wir haben den jüngsten Kader aller Zeiten“, sagt Heidel. Niko Bungert, der im Oktober 29 Jahre alt wird, ist der älteste Spieler. „Er ist auch der einzige, dessen Vertrag ausläuft, und den wollen wir vorzeitig verlängern.“ Heidels Plan lautet, aus dem jetzigen Kader die Mannschaft der Zukunft zu bilden. Wobei Zukunft in Mainz zwei Jahre heißt. „Wir können keine Mannschaft für die nächsten fünf Jahre bauen. Wenn unsere Jungs gut sind, gibt es sofort Begehrlichkeiten“, sagt der Manager. „Wir gehen mit voller Zuversicht und viel Motivation in diese Vorbereitung. Ich denke, wir haben einen Kader, der für die Zuschauer interessant ist. Mit unbekannten Gesichtern wie Yoshinori Muto und bekannten Leuten. Ich glaube, dieser Kader wird das umsetzen, was Martin Schmidt will, und dass wir eine Mannschaft bauen, auf die man sich freuen kann.“

Klar sei aber auch, so Heidel, dass die bisher sechs Neuzugänge nicht alle in der Startelf stehen werden. „Im Oktober werden die ersten kommen und von Fehleinkäufen reden. Wenn wir einen ausgeglichen besetzten Kader von 23 Spielern haben, können nicht alle spielen. Das ist nun mal so und normal. Aber für uns ist entscheidend, was dabei am 34. Spieltag herauskommt.“  Die bisherige Mainzer Personalpolitik zeigt aber auch, dass die zuletzt ausgeliehenen Profis in diesem Konzept keine Perspektive mehr haben. Da sind in den nächsten Tagen und Wochen etliche Abgänge zu erwarten.