Okazaki trifft, Muto macht Unordnung

Christian Karn. Mainz.
Yoshinori Muto befindet sich derzeit ein bisschen zwischen den Stationen. Der japanische Außenstürmer wird nicht mehr für den Tokyo FC spielen, ist aber noch nicht bei Mainz 05 angekommen. Als Puffer zwischen seinen beiden Klubs hat Muto die Nationalmannschaft: Beim 4:0 Japans gegen Irak wurde der Mainzer Neuzugang wie üblich nur eingewechselt; sein künftiger Vereinskollege Shinji Okazaki begann wie immer als Mittelstürmer und schoss das dritte Tor.

Ein Rhythmuswechsel steht Yoshinori Muto bevor. Der Linksaußen wechselt aus der japanischen J. League, die sich nach dem Kalenderjahr orientiert und keine Sommerpause macht, in die Bundesliga, wo die alte Saison am 30. Juni endet und die neue am 1. Juli beginnt. Theoretisch müsste Muto noch die Spiele des FC Tokyo bei Sagan Tosu und gegen Shimizu S-Pulse absolvieren. Um den Übergang zu erleichtern, hat sein alter Verein den Angreifer aber schon freigestellt. Muto befindet sich derzeit bei der japanischen Nationalmannschaft, wird danach den Urlaub bekommen, den alle Nationalspieler des FSV Mainz 05 haben, und am 6. Juli, eine Woche später als die Nicht-Internationalen, in die Vorbereitung auf die Saison 2015/16 einsteigen.

Yoshinori Muto (rechts) hat sich vom FC Tokyo bereits verabschiedet. Nach den Länderspielen gegen Irak und Singapur und nach dem Urlaub kommt Muto nach Mainz. Foto: imagoAm Donnerstag spielte das japanische Nationalteam das erste seiner zwei Spiele in dieser Woche. Beim 4:0 gegen Irak saß Muto wie gewohnt zunächst auf der Bank; auf seiner Position spielte jedoch nicht wie meist der Frankfurter Takashi Inui, sondern der ehemalige Bayern- und Hoffenheim-Profi Takashi Usami. In der 67. Minute kam der künftige Mainzer in die Partie; beinahe wäre er in einer Schlussphase, in der die Japaner ihren Schwung weitgehend verloren hatten, ganz ohne bemerkenswerte Szenen geblieben. Erst in der Nachspielzeit stiftete Muto ein bisschen Durcheinander im Strafraum, aber ein Torschuss entstand daraus nicht mehr. Kurz zuvor hatte der irakische Torwart eine Flanke vor dem Linksaußen abgefangen.

Mutos künftiger Vereinskollege Shinji Okazaki spielte von Anfang an, war aber an den ersten Torchancen und an der frühen Vorentscheidung noch nicht beteiligt: Gaku Shibasaki, der elegante, offensiv denkende Sechser der Kashima Antlers schickte nach einem Einwurf in der 5. Minute den japanischen Topstar Keisuke Honda (AC Milan) ins direkte Duell mit dem Torwart. Honda traf präzise zum Führungstor. In der neunten Minute stand nach einem Eckball des Dortmunders Shinji Kagawa der Innenverteidiger Tomoaki Makino (Urawa Red Diamonds) am offenen langen Eck frei und schob den Ball zum 2:0 ein.

Es dauerte eine Weile, bis die Japaner ihren Mittelstürmer fanden. Seine ersten Chancen hatte Okazaki in der 15. und 16. Minute: Erst wurde der Mainzer ungeheuer geschickt von den Kollegen freigespielt, aber der Torwart fälschte seinen Abschluss an die Latte ab. Dann verfehlte Okazaki mit einem schwer zu nehmenden Seitfallzieher das lange Eck um ein paar Meter.

Die Japaner waren hoch überlegen, hatten fünf, sechs, sieben dicke Chancen in den ersten 20 Minuten, führten zu Recht so früh so deutlich. Die Iraker waren in der Rückwärtsbewegung ungeordnet, in den Zweikämpfen zu zahm, von der Kombinationsgeschwindigkeit der technisch starken und gut abgestimmten japanischen Angreifer überfordert. Zwar ergab ein Fehler des hannoverschen Rechtsverteidigers Hiroki Sakai in der 27. Minute eine erste Möglichkeit für Irak, aber um daraus eine Zwischenoffensive zu machen, fehlte den Vorderasiaten bei allem Ballbesitz, den sie gerade hatten, die Schnelligkeit in den Aktionen und vielleicht auch ein bisschen der Mut.

Shinji Okazaki (links) schoss gegen Irak sein 43. Länderspieltor. Foto: imagoNachdem sie sich wie oft in dieser Spielphase einige Minuten ein bisschen zurückgezogen, sich aufs ruhige, gelassene Verteidigen konzentriert hatten, erhöhten die Japaner in der 32. Minute auf 3:0. Wieder kamen die Iraker schlecht in die Umschaltung. Usami spielte im Konter den kurzen Querpass, der die ganze Abwehr aus dem Spiel nahm und Okazaki frei vors Tor schickte. Ärgerlich für die Verteidiger: Dhurgham Ismael hätte Okazakis Schuss wohl noch auf der Torlinie erwischt, hätte nicht Torwart Jalal Hassan noch die Finger an den Ball bekommen und diesen in Ismaels Rücken abgefälscht.

In der 40. Minute traf Okazaki erneut ins Tor, aber die Iraker hatten den Mainzer geschickt ins Abseits gestellt. Das Tor galt nicht. Und in der Nachspielzeit gab es die erste echte Torchance der Iraker: Justin David Meram (alias Justin Hikmat Azeez, ein interessanter Spieler; ein in den USA geborener Sohn ausgewanderter irakischer Christen, der bei Columbus Crew im offensiven Mittelfeld spielt) schoss einen schönen Freistoß nur knapp vorbei.

Einseitig, aber mit etwas nachlassendem Druck ging es in der zweiten Hälfte weiter. Okazaki verpasste das 4:0, als sich der irakische Torwart und ein Verteidiger gegenseitig behinderten, der Torwart aber den Ball noch vor dem Mainzer wegwischte. Drei Minuten später zeigten der japanische Keeper Eiji Kawashima (Standard Lüttich) und der Torschütze Makino ein sehr abenteuerliches Abwehrverhalten an der Strafraumgrenze, aber aus irgendeinem Grund passierte nichts, weder Gegentor noch Verletzung. Makino und Kawashima schafften es sogar haarscharf, dem Schiedsrichter keinen Anlass zu einem Platzverweis zu geben.

In der 67. Minute kam schließlich Muto ins Spiel, sechs Minuten später hatte Okazaki Feierabend. Der mit Muto eingewechselte Berliner Genki Haraguchi erhöhte in der 84. Minute auf 4:0, indem er sich eine Kopfballabwehr holte, die Abwehr überlief und den Ball ins Tor schob.

Am Dienstag spielt Japan in der WM-Qualifikation gegen Singapur. Dann haben beide Mainzer Urlaub.

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